8. November 2012, 18:03 Ärger um Polit-Talk auf Pro Sieben Umweltminister Altmaier lässt Raab sitzen

"Absolute Mehrheit" heißt das neue Polit-Talk-Experiment von Pro-Sieben-Alleskönner Stefan Raab. Er wird jetzt mit absoluter Sicherheit auf seinen Stargast verzichten müssen: Bundesumweltminister Peter Altmaier will nicht mehr. Wohl auch, weil sich Raabs Redaktion bei der Zusammenstellung der Gästeliste blamiert.

Von Thorsten Denkler und Michael König

Kein Gast bei Raab: Umweltminister Peter Altmaier hat dem Neu-Polittalker abgesagt.

(Foto: dpa)

Stefan Raab wollte es allen zeigen, mit seiner neuen Polit-Talkshow "Absolute Mehrheit". Zeigen, dass auch ein Unterhaltungskünstler auf seriös machen kann. Jetzt aber muss der Pro-Sieben-Star erst mal den Abgang seines Stargastes verkraften. Und das wohl vor allem, weil seine Redaktion nicht ganz so seriös gearbeitet hat, wie es zu erwarten gewesen wäre.

Bundesumweltminister Peter Altmaier jedenfalls wird nicht kommen, wenn es am kommenden Sonntag um 22:45 Uhr auf Pro Sieben mit dem Raab-Politik-Experiment losgeht. An diesem Donnerstag habe er abgesagt, bestätigte Altmaier der SZ. In einem geharnischten Brief an Raabs Produktionsfirma Brainpool, der der SZ vorliegt, schreibt Altmaiers Sprecher: "Nach den unzutreffenden Darstellungen der letzten Tage, wonach Herr Altmaier angeblich auf der Ausladung eines der Teilnehmer bestanden hätte, sehen wir zu unserem Bedauern keine Basis mehr für eine Teilnahme an dieser Sendung am kommenden Sonntag."

Auf Nachfrage der SZ begründete Altmaier seine Absage so: "Weil das eigentliche Thema Energiewende seit gestern aufgrund unrichtiger Behauptungen immer mehr in den Hintergrund getreten ist."

Was Altmaier so sauer macht: Offenbar hat Raabs Produktionsfirma Brainpool den Grünen Volker Beck wieder ausgeladen mit der Begründung, Altmaier habe Beck nicht dabeihaben wollen. Am Mittwoch jedenfalls vermeldete Becks Büroleiter Sebastian Brux via Twitter, sein Chef sei auf Altmaiers Druck hin von der Gästeliste gestrichen worden.

"Wo die Regierung dem Moderator noch vorschreiben darf, wer von der Opposition ausgeladen werden muss: Stefan Raabs Polittalkshow", twitterte Brux. Auf SZ-Nachfrage setzte er nach: "Raabs Assistentin hat angerufen und @Volker_Beck für Sonntag ausgeladen, weil @peteraltmaier sonst nicht kommt."

Es wäre ein Medienskandal erster Güte, wenn die Geschichte tatsächlich so stimmen würde. Nach dem Fall des CSU-Parteisprechers Michael Strepp jetzt ein CDU-Umweltminister, der einen unliebsamen Talkgast aus der Sendung kicken lässt?

Altmaier widersprach dieser Version der Geschichte bereits am Mittwochabend vehement. Sein Sprecher legte nach: Der Vorgang - also die Ausladung Becks - sei eine "bodenlose Unverschämtheit" seitens der Raab-Redaktion. Altmaier und Beck gelten als gute Freunde. Beide telefonierten nach SZ-Informationen noch gestern Nachmittag miteinander. Altmaier versicherte Beck, dass er ihn nicht aus der Sendung habe kegeln wollen.

Raab reagierte in einer Pro-Sieben-Stellungnahme trotzig: "Die Qualität unserer Sendung hängt nicht vom Erscheinen einer einzelnen Person ab. Wir freuen uns auf eine muntere Diskussion am Sonntagabend."

Altmaiers Sprecher erklärte der SZ, der Minister habe Raab vor mehr als zwei Wochen unter völlig anderen Voraussetzungen zugesagt. Ihm seien damals die NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) oder alternativ SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles als Gesprächspartner versprochen worden. Erst am vergangenen Montag habe er nach einem Anruf in der Redaktion zufällig erfahren, dass Kraft und Nahles abgesagt hätten.

Stattdessen sei der eher unbekannte Linken-Politiker Jan van Aken eingeladen worden. Daraufhin habe er angemerkt, dass doch bitte Talk-Gäste "von ähnlichem Kaliber" wie ein Bundesminister eingeladen werden sollen. Ausdrücklich sei Beck damit nicht gemeint gewesen. Was die Redaktion offenbar nicht daran hinderte, genau den wieder auszuladen.

Seltsam ist auch, dass Altmaier Ende Oktober eine Gästeliste bekommen hat, auf der Beck nicht stand. Beck wiederum hat schon Anfang Oktober zugesagt. Das geht aus entsprechenden Mails hervor, die der SZ vorliegen.

Nach Altmaiers Absage und Becks Rausschmiss wird nur noch eine Rumpfmannschaft bei Raab im Studio sitzen: Neben van Aken noch Wolfgang Kubicki, FDP-Fraktionschef in Schleswig-Holstein, und Thomas Oppermann, Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD im Bundestag. Als Nicht-Politikerin und einzige Frau in der Runde soll Verena Delius dabei sein, eine Unternehmerin aus Berlin.

Raab hatte anscheinend große Probleme, Gäste für sein Talk-Experiment zusammenzubekommen. Eine Absage kassierte er offenbar auch vom Sandalenträger und Geschäftsführer der Piraten, Johannes Ponader. Der hat sich offenbar entschlossen, das ihm auferlegte Talkshow-Verbot seines Parteivorstandes endlich zu befolgen. Mitte September hatte Raab noch versichert: "Uns wird die Bude eingerannt - wir haben die freie Auswahl." Das war wohl ein bisschen zu früh gefreut.