"Wie ich euch sehe" zu Flughafenkontrolle "Nein, eure Bomben-Witze sind nicht originell"

Wie ich euch sehe Flugsicherheitassistentin

(Foto: Illustration Jessy Asmus)

Jeder Passagier muss an ihr vorbei: Eine Luftsicherheitsassistentin erzählt, was sie Fluggästen wünscht, was sie bei Prominenten ärgert und wann sie sich richtig ekelt.

Von Elisa Britzelmeier

In unserer Serie "Wie ich euch sehe" kommen Protagonisten unseres Alltags zu Wort - Menschen, denen wir oft begegnen, über die jeder eine Meinung hat, aber die wenigsten eine Ahnung: eine Wiesnbedienung, ein Pfarrer, die Frau an der Supermarktkasse. Sie erzählen uns, wie sie sich fühlen, wenn sie es mit uns zu tun bekommen - als Kunden, Gäste, Mitmenschen. Diesmal erklärt Luftsicherheitsassistentin Maria L., wie es bei der Kontrolle am Flughafen zugeht.

Meine Arbeit muss ich immer erklären, das Wort "Luftsicherheitsassistentin" kennt ja kaum jemand. Ich sage dann, dass ich am Flughafen bei den Schleusen Passagiere und Gepäck kontrolliere. Und höre als Antwort oft: "Ah, bei den Tatschern!" Dass unser Job viel mehr ist, als Leute anzutatschen, ist vielen von euch nicht bewusst. Wir stehen nicht da, um euch auf dem Weg zum Flugzeug aufzuhalten. Sondern um euch zu beschützen. Man muss nicht immer von Terrorismus ausgehen, es gibt genug andere Spinner. Deswegen: Nehmt doch die Kontrollen einfach ernst und seid froh, dass es sie gibt.

Wir "Tatscher" machen eine mehrwöchige Ausbildung mit vier Prüfungen. Die Röntgenbilder muss man erst einmal lesen lernen - wie sieht ein Toaster durchleuchtet aus aus, wie ein Tablet? Ständig kommen neue Modelle dazu, und es soll innerhalb von Sekunden gehen. Alle drei Jahre werden wir aufs Neue geprüft und regelmäßig ärztlich kontrolliert.

"Ich bin nicht eure Leibeigene"

Ignoranz, Babysitting und ältere Herren, die mehr wollen als nur Tomatensaft: Eine Flugbegleiterin erklärt, warum ihr Job kein Traumberuf ist - und sie ihn trotzdem mag. Protokoll: Nadine Funck mehr ... Serie "Wie ich Euch sehe"

Vielen von euch ist es peinlich, wenn ich ihre Sachen durchsuche. Das verstehe ich, es ist ein Eingriff in die Intimsphäre. Deswegen frage ich "Darf ich in Ihre Tasche schauen?", obwohl ich das nicht muss. Man arbeitet eigentlich psychologisch in diesem Beruf, das macht es für mich so spannend.

Alle paar Sekunde habe ich einen anderen Menschen vor mir: Ältere, Kinder, jemand mit Behinderung, Leute aus den verschiedensten Ländern. Sprachlich und kulturell ist das oft eine Herausforderung. Frauen mit Kopftuch tragen manchmal Haarspangen unter dem Tuch, die anschlagen - und wenn es nicht anders geht, muss die Frau das Tuch eben abnehmen. Dazu gehen wir in einen Nebenraum, nur unter Frauen. Auch schwierig: Männer mit Turban. Wenn ich die bitte, den abzunehmen, sieht es immer wie Schikane aus. Aber wir müssen eben auf alles achten.

Der Druck ist ziemlich hoch, wir sollen immer alles gleichzeitig sein: gründlich und schnell. Die Airlines geben maximale Wartezeiten vor. Auch euch kann es nicht schnell genug gehen. Ihr macht euch einfach keine Gedanken und kalkuliert die Zeit für die Kontrolle nicht ein. Denkt ihr wirklich, ihr fahrt jetzt einfach mal zum Flughafen und fliegt weg? Informiert euch doch vorher. Oder schaut in der Schlange, was euer Vordermann macht. Womöglich würden euch dann die Wasserflasche oder das Zippo-Feuerzeug in der Tasche schon beim Anstehen einfallen - nicht erst, wenn alles aufs Band kommt.

Ich sehe auf den ersten Blick, bei wem es länger dauern könnte. Die Vielflieger unter euch, meistens Geschäftsleute, sind die schnellsten. Die kommen zielstrebig auf die Schleuse zugelaufen und haben Handy, Schlüssel und Bordkarte parat. Wenn ihr euch also fragt, welche Schlange die schnellste ist: Haltet nach Anzügen und Kostümen Ausschau. Und stellt euch lieber nicht hinter Gruppen, die sich unterhalten und deswegen zerstreut sind. Am längsten brauchen Urlaubsflieger - besonders Leute, die zum ersten Mal fliegen oder Flugangst haben. Je mehr Gepäckstücke jemand hat, desto länger dauert es natürlich - vor allem, wenn die so vollgepackt sind, dass wir beim Röntgen fast nichts erkennen.