Weihnachten Die besten Geschenke für Kinder

Bauklötze, Puppen oder Superhelden als Lego-Figur: Was ist das passende Geschenk?

(Foto: imago stock&people; Caroline Seidel/dpa; Lego)

Es müssen nicht immer Star Wars und Elsa die Eiskönigin sein: Ein Psychologe gibt Tipps, welche Spielzeuge man welchen Altersgruppen schenken kann - und was eher nicht unter dem Weihnachtsbaum liegen sollte.

Interview von Roland Preuß

André Frank Zimpel, 56, hat Mathematik, Malerei, Psychologie und noch ein paar weitere Fächer studiert. Er ist Professor für Lernen und Entwicklung an der Universität Hamburg und hat zwei Bücher zum Thema geschrieben: "Lasst unsere Kinder spielen" und "Spielen macht schlau".

SZ: Herr Zimpel, welches Spielzeug haben Sie als Letztes verschenkt?

Zimpel: Holzbausteine und einen Ball, und zwar an meine Enkelin. Beides sind Renner in allen Spielzeugabteilungen.

Warum haben Sie sich ausgerechnet für diese schlichten Dinge entschieden?

Weil Kinder noch keine Fantasie haben.

Wie bitte? Das erleben viele Eltern aber anders.

Schon richtig. Kinder verhalten sich fantasievoll, und dadurch glaubt man, sie wären von Geburt an reich mit Fantasie ausgestattet. Doch es ist anders. Den Erwachsenen fällt es zum Beispiel überhaupt nicht schwer, sich ein Haus vorzustellen, aber das Kind hat ohne ein Bild keine Vorstellung davon. Da hilft dann Spielzeug nach.

André Zimpel sieht viele elektronische Spielsachen kritisch.

(Foto: oh)

Warum die Holzbausteine?

Ein Baustein kann so vieles sein, eine Rakete, ein Auto, ein Haus - da lässt sich eine Menge hineindenken. Kinder drehen die Welt um. Die Sprache verwandelt dann so ein Objekt durch Zauberworte. Diese Spiele sind entscheidend für die emotional-intellektuelle Entwicklung, Menschen entwickeln so die Kreativität, Probleme zu lösen.

Was macht gutes Spielzeug aus?

Es regt die Fantasie an, doch es engt sie nicht ein. Es gibt dem Kind das Gefühl, einen Kopf größer zu sein. Und es muss zum Alter passen, denn die Bedürfnisse wandeln sich.

Nennen Sie ein paar Etappen.

Es gibt Kindergärten, da hat man spielzeugfreie Tage eingeführt. Da haben die Kinder angefangen, Tische umzudrehen, und sie zu Schiffen erklärt. Das heißt: Kleine Kinder brauchen eigentlich gar kein Spielzeug, sondern sind sehr fantasievoll, etwas zu Spielzeug zu machen. Im Grundschulalter braucht man Spiele mit Regeln, es geht darum, inwiefern diese eingehalten werden. Kinder in diesem Alter lieben Regeln. Wenn sie Halma oder "Mensch ärgere Dich nicht" spielen, haben die Kinder Freude daran, die Regeln zu überwachen.

Als Vater würde ich sagen: Die Kinder lieben es vor allem, die Regeln zu brechen.

Im Grundschulalter stimmt das nicht, da sind Kinder ganz wild auf Regeln. Davor versteht ein Kind noch gar nicht, was eine Regel ist. Später aber fordern sie deren Einhaltung auch von Erwachsenen. Man muss sich also gut überlegen, was man vorschreibt. Das müssen übrigens nicht klassische Spielregeln sein, man kann auch zu Bausteinen oder Straßenspielen Vorgaben erfinden.

Viele Kinderzimmer sind heutzutage voll mit Spielsachen. Gilt da: Je mehr geboten wird, desto besser?

Nein, das ist eher schlecht. Sicher, ohne Spielsachen würde jedes Kinderzimmer trostlos aussehen. Aber, jedes Spielzeug ist ja die Aufforderung: Mach etwas mit mir! Bei einer Überfülle ist es schwierig, sich auf eines zu konzentrieren und lange dabeizubleiben. Das kann Konzentrationsstörungen wie ADHS fördern. Ziel des Spiels ist, in einen sogenannten Flow zu kommen, also alles um mich herum zu vergessen, weil ich angestrengt bin, aber nicht überfordert. Das wird dann im Gehirn belohnt, mit sogenannten Glückshormonen.