Vorschlag der Grünen Wursthersteller lobt Veggie Day

Fleisch ist nicht sein Gemüse: Der Chef der Rügenwalder Mühle - und damit eines der größten Wurstproduzenten des Landes - befürwortet in einem Interview den Vorschlag der Grünen, einen fleischlosen Tag in der Kantine einzuführen.

Von Karin Janker

Einen Tag in der Woche auf Fleisch zu verzichten. Wie gut wäre das für die Tiere, das Klima, die eigene Gesundheit! Soweit die Idee der Grünen. Weil aber das Fleisch bekanntlich schwach ist und der Durchschnittsdeutsche nun mal nicht ohne weiteres zum Verzicht auf das Schnitzel bewegt werden kann, das vor ihm auf dem Teller liegt, schrieben die Grünen einen freiwilligen "Veggie Day" in ihr Wahlprogramm: ein fleischloser Tag für die Kantinen der Republik.

Welch ein Aufschrei folgte auf diesen Vorschlag. Fernsehsender schickten ihre Praktikanten los, um die Stimme des Volkes in Umfragen einzufangen. Und die Mehrheit des Volkes sagte: Niemals. Kaum einer wollte sich vorschreiben lassen, was auf seinen Teller kommt, so schien es. Und auch in den Parteien erhitzte der "Veggie Day" die Gemüter.

Jetzt aber bekommt die grüne Idee Unterstützung aus ganz ungewohnter Richtung: Christian Rauffus, Chef eines der größten Wurstproduzenten des Landes, hält den Vorschlag vom "Veggie Day" für gut. Obwohl die Rügenwalder Mühle als Marke für den Fleischgenuss wirbt, sagt ihr Chef in einem Interview mit dem Handelsblatt, "dass wir zu viel Fleisch und Zucker essen und zu viel Alkohol trinken".

Teewurst, Gutsleberwurst, Schinken, Mett, Würstchen, Frikadelle. Bisher bietet die Produktpalette seines Unternehmens wenig für den Vegetarier. Was den Wurstproduzenten zu dieser geschäftsschädigenden Aussage bringt, darüber kann nur spekuliert werden. Vielleicht weil Rauffus über neue Geschäftsmodelle nachdenkt: Sein Konzern plane angesichts des schrumpfenden Fleischmarktes, demnächst auch fleischlose Produkte wie Sojaschnitzel anzubieten.

Der Wurstkonzern folgt damit einem Trend: Immer mehr Menschen werden Flexitarier, wollen Fleisch in Maßen und mit gutem Gewissen verspeisen. Von diesem Trend will die Bundeskanzlerin allerdings nichts wissen. Geht es um die Wurst, hat Merkel unumstößliche Prinzipien, von denen sie sich vor Kurzem zu einer für sie geradezu drastischen Äußerung hinreißen ließ - schließlich ist Wahlkampf und der Veggie Day eines der Themen, bei dem man auch in Zeiten der Euro-Krise die Masse auf seiner Seite wissen kann.

Und so rief Merkel am vergangenen Samstag bei einer Wahlkampfveranstaltung in Wiesbaden in die Menge: "Leute, die wissen müssen, wann sie Fleisch essen dürfen und wann nicht, die brauchen nicht CDU zu wählen." Mit anderen Worten: Wer den "Veggie Day" braucht, den braucht die CDU nicht.

Mit Material von AFP.