Die Istanbuler Psychologin Ilknur Ustunucar erzählt von ihrer Überraschung: "Wir erwarteten nach dem Gesetz vom letzten Jahr eine Trotzreaktion - aber das Gegenteil ist passiert." Sie und ihr Mann leiten eine Klinik, in der sie die Türken zu Nichtrauchern machen. Und sie sind vom Ansturm überwältigt: 4000 Kunden in drei Jahren. "Die Zahl der Leute, die zu uns kommen, hat sich jedes Jahr verdoppelt", sagt Ilknur Ustunucar, die selbst noch bis vor fünf Jahren zwei bis drei Schachteln am Tag rauchte: "Viele nehmen das Gesetz nun zum Anlass, aufzuhören."
Altkanzler Helmut Schmidt qualmt trotz Rauchverbot weiter. Doch er da ist er nicht allein: Promis, die nicht vom Glimmstengel lassen können. (© Foto: dpa)
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Für Türken, so Ustunucar, sei das vielleicht noch ein Stück schwieriger als für andere: "In Deutschland musst du um eine Zigarette schnorren. Hier aber bietet jeder, der selbst rauchen will, erst einmal allen anderen auch eine an. Du bekommst Zigaretten hier ja aufgedrängt." Dann sei da noch der Fatalismus ihrer Landsleute: "Die Leute hier benutzen auch keine Kondome gegen Aids. Sie sagen: 'Mir passiert nichts. Und wenn's passiert, dann sollte es ohnehin passieren'."
Ein ähnlicher Mechanismus scheint nun bei den Besitzern mancher Cafés am Werke. "Wir haben klare Instruktionen", sagt ein Angestellter der Kaffeehauskette "Café Nero": "Einfach ignorieren. Wir tun so, als ob nichts wäre, wenn unsere Kunden rauchen." Ob sie damit durchkommen? Die Strafen sind happig: 560 bis 5600 Lira, also 260 bis 2600 Euro. Die Cafés und Restaurants einer großen Shoppingmall, hört man, hätten einen Solidarbund vereinbart: Man lässt rauchen - und teilt sich die Strafen. Andere setzen darauf, dass es diesem Gesetz so geht wie vielen Gesetzen in der Türkei: Klingt schön, ist in der Praxis nicht viel wert.
Ich komme seit fünf Jahren hierher, um Nargile zu rauchen und meinen Alltagsstress loszuwerden", sagt Fatih Cicek, ein Wirtschaftswissenschaftler: "Mich erinnert das alles sehr an Sultan Murat IV." Besagter Sultan ließ 1633 den Genuss von Tabak bei Todesstrafe verbieten. Raucher, die ihm unter die Augen kamen, unter ihnen auch Offiziere seiner Janitscharen, ließ er aufknüpfen. "Es sind Leute auszuschicken, die öffentlich und im Geheimen in den Zimmern spionieren", hieß es damals in seinem Erlass. Der Sultan ließ auch den Wein und den Kaffee verbieten - alles Verbote, die seinen Tod nicht lange überlebten. Wird Premier Erdogans Gesetz ein ähnliches Schicksal ereilen? Kellner Servet Ergül setzt darauf: "Schau mal, Bruder: Fremdgehen und Ehebruch sind auch Dinge, die man nicht tun soll. Und trotzdem gibt es Bordelle, oder? Wo sollen wir Kellner denn hin? Sollen wir Haschisch verkaufen oder Autoradios klauen?"
Nichtraucherpädagogin Ilknur Ustunucar glaubt hingegen an das Ende einer Ära: "Die Regierung ist ungewöhnlich konsequent. Da gibt es kein Wenn und Aber." Und wenn nun alle das Rauchen einstellen? Gehen ihr bald die Kunden verloren? Allein in Istanbul gebe es zehn Millionen Raucher, sagt die Psychologin: "Selbst deren Enkel werden noch rauchen. Uns geht das Geschäft nicht aus."
Vor allem eine Institution will noch nicht so recht glauben, dass ihr Ende gekommen sein soll: die Nargile-, die Wasserpfeifen-Cafés. "Das kann nicht sein", glaubt Servet Ergül, Kellner in einer der bekannten Nargile-Kneipen im Stadtteil Tophane: "Wir sind doch berühmt. Wir sind eine alte Kultur. Die Touristen kommen wegen uns." Allein, das Gesetz ist gnadenlos. Selbst den Ersatz des traditionellen aromatisierten Tabaks durch ein aus Zuckerrohr gewonnenes, nikotinfreies Ersatzkraut namens "Binar" wollen die Behörden nicht dulden. "
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(SZ vom 17.07.2009/vs)
Voreiliges Buch "Der Pott ist dahoam"
Ich hätte dazuschreiben sollen "im heutigen Englisch" denn da muss man ja schon froh sein, daß es "smoke like a chimney" heißen darf; nicht daß sich die Vereinigung der Schlote diskrminiert fühlt ... von Türken (daran anschließend Muslims, weiter auf Pakistanis ...) ganz zu schweigen, in einem Land, wo schulische Sportwettkämpfe abgeschafft wurden, damit kein Kind vom Nichtgewinnen frustriert wird.
gibt es sehr wohl.Habe erst neulich in einem Roma von Trollope diesen Ausdruck gefunden.
"Seit wann gibt es den ein Rauchverbot im Scharia Recht? Selbst in vielen Ditib/ F.Gülen Moscheen ist das Rauchen nicht Verboten, nur unerwünscht. Sie sollten sich vorher besser informieren bevor Sie solche behauptungen in den Raum werfen."
In welchen Ditib Moscheen darf man denn rauchen (Türkei + Deutschland)? Nennen Sie mir doch mal ein paar Beispiele. Abgesehen davon hat dies nichts damit zu tun, dass man in Ditib Moscheen rauchen darf.
Dieses Gesetz ist ein Teil der "Fundamentalisierung", was auch gleichzeitig eine ultra-konservative Staatsordnung bedeutet.
"Sie sollten sich vorher besser informieren bevor Sie solche behauptungen in den Raum werfen."
Ihren Vorschlag sollten Sie vielleicht erstmal bei sich anwenden, bevor Sie andere damit belehren.
"Irgendwann ist der Alkohol dran. Das alles hat keinen gesundheitlichen Hintergrund, sondern dient nach und nach zur schleichenden Umsetzung des Shariarechts. "
--- Seit wann gibt es den ein Rauchverbot im Scharia Recht? Selbst in vielen Ditib/ F.Gülen Moscheen ist das Rauchen nicht Verboten, nur unerwünscht. Sie sollten sich vorher besser informieren bevor Sie solche behauptungen in den Raum werfen.
Das der Alkohol komplett Verboten wird, ist nicht zu erwarten und wird auch so schnell nicht passieren. Aber "Reklamverbote" in bestimmten TV Zeiten/ Sendungen oder auch Alkohol verbot auf bestimmte Platze ( Familienparks etc) ist nicht auszuschliesen/ erfreulich. Selbst in der Formel 1 gibt es soviel ich weis Werbe Verbot fur Alkoholische Getranke, wollen Sie den Eclestone auch unterstellen das er sich nach den Scharia Recht sehnt?
Alkohol ist eine Droge übelster Sorte (meine Meinung). Sie macht viele Menschen abhängig und tötet zehntausende Menschen allein in Deutschland, ganz zu schweigen von den vielen Alkoholisierten Autofahrer die eine der Grösten Gefahr im Strasenverkehr stellen.
Ich finde fur Alkohol gibt es eine viel zu lockere Regelung (in D, TR).
Es sollte nicht jeden erlaubt sein Alkohol zu verkaufen/kaufen, und bessere Kontroller wäre dringend erforderlich. Ich würde vorschlagen Leute die nachweislich Alkohol abhangig sind, oder Alokohol schon mal missbraucht haben ins Perso einzutragen, und beim kauf von Alkohol halt immer Perso verlangen, sowürde man die Probleme zwar nicht ganz verhindern, aber ein Grösteil der Alk. Probleme würde man dadurch in den Griff bekommen.
"Seither ist Rauchen in öffentlichen Gebäuden und Verkehrsmitteln verboten. Von Sonntag an auch in allen Cafés, Bars und Restaurants. Ohne Ausnahme. Raucherzimmer nicht gestattet."
Irgendwann ist der Alkohol dran. Das alles hat keinen gesundheitlichen Hintergrund, sondern dient nach und nach zur schleichenden Umsetzung des Shariarechts.
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