Ist es erstrebenswert, wie Heidi Klum zu sein? Casting-Sendungen lehren Jugendliche sich anzupassen, kritisiert Medienpädagogin Maya Götz. "Germany`s Next Topmodel" schaffe falsche Vorbilder.
Am morgigen Donnerstag findet das Finale der fünften Staffel von Germany's Next Topmodel auf Pro Sieben statt. Maya Götz, Leiterin des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI), hat in einer Studie untersucht, wie Casting-Sendungen das Selbstbild von Jugendlichen beeinflussen.
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Wie viele Heidi-Klum-Doppelgängerinnen brauchen wir? Hier stellt das deutsche Topmodel bei Madame Tussauds in Berlin seine Wachs-Figur vor. (© ag.ap)
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sueddeutsche.de: Frau Götz, der Modelberuf ist sehr anstrengend. Man wird mitunter wie eine Ware behandelt und mit 35 Jahren gehört man zum alten Eisen. Was macht eine Modellaufbahn für viele Mädchen trotzdem so erstrebenswert?
Maya Götz: Die jungen Frauen reizt die Vorstellung, einen aufregenden Beruf zu haben, in dem sie interessante Menschen kennenlernen und ständig mit neuen Herausforderungen konfrontiert sind. Der Großteil ist überzeugt, dass die Sendung das Modelleben real abbildet. Außerdem glauben die jungen Frauen, es sei gerade im Modelberuf möglich, seine Identität nach außen zu tragen und zum Leuchten zu bringen. Die Menschen würden endlich erkennen, wie vielfältig und schön man ist. Die Inszeniertheit der Show wird dabei häufig nicht durchschaut, etwa dass die Modelanwärterinnen zu Typen stilisiert werden, die gar nicht deren wahrer Persönlichkeit entsprechen.
sueddeutsche.de: Eine Umfrage unter britischen Mädchen hat ergeben, dass 60 Prozent gerne Model werden würden. Gibt es vergleichbare Zahlen für Deutschland?
Götz: In unseren Befragungen haben 63 Prozent der Neun- bis Elfjährigen angegeben, sie könnten sich vorstellen, Model zu werden, seitdem sie GNTM sehen. Es ist also ganz klar eine Berufsperspektive. Die Tendenz geht bei den etwas älteren Mädchen, die also theoretisch den Beruf auch ausleben könnten, etwas zurück. Bei ihnen ist es immerhin noch knapp die Hälfte, für die dieser Beruf wegen der Sendung in Frage kommt.
sueddeutsche.de: Führen Sie den Zuwachs direkt auf Germany's Next Topmodel zurück?
Götz: Ich vermute einen engen Zusammenhang. Die Marktanteile der Show liegen zum Teil bei mehr als 60 Prozent unter jungen Frauen, die Show ist Gesprächsthema Nummer eins auf dem Schulhof. Die Bilder im Fernsehen beeinflussen die Vorstellungswelt von Kindern und Jugendlichen sowie deren Selbstwahrnehmung ganz massiv. Auch, weil sie sich von den Charakteren und den Situationen, in denen diese sich befinden, sehr angesprochen fühlen. Von Schülern wird oft erwartet, die richtigen Antworten zu finden, unabhängig davon, ob sie an sie glauben oder für sinnvoll halten, sie müssen fremden Anforderungen genügen.
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Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...
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sie tun mir leid.
..ist das nicht ein bisschen doppelt gemoppelt?
Ich finde es sehr schlimm, Mädchen, die wohl noch auf der Suche nach "sich selbst" sind, eine derart hohle, unbefriedigende und gefährliche "Lösung" wie diese Pseudo-Modelsuche zu präsentieren, bei der es doch nur um Einschaltquoten geht.
Bin gespannt auf die nächste Essstörungs-Rate...
Grundsätzlich gilt mehr denn je: intellektuell dumme Mutter und eventuell vorhandener dummer Vater = dummes Kind. Wer will sich da noch künstlich wundern?
Über 60% der jungen Mädchen möchten also modeln. Schlimm, ganz schlimm so was. Sollte man unbedingt was dagegen unternehmen. Zuerst mal verbieten wir, dass die was angucken, was ihnen Appetit macht, der ideologischen Einstellung ihrer Eltern aber widerspricht. Trimmen wir sie auf Karrierefrau, das ist doch viel besser, oder wie? Denn Hausfrau und Mutter geht ja auf gar keinen Fall. Denn das ist ja was Verruchtes und gehört auch verboten.
Fakt ist: Die meisten Mädchen mit Talent werden nebenher modeln und Laufstege in Mailand, Madrid oder Paris nur als Zuschauerin sehen. Dennoch können sie Spaß bei ihrem Nebenjob haben und sich den einen oder anderen Luxus dadurch gönnen.
Das Interview möchte aber Absolutismen suggerieren. Als könnte es nur das Profimodel geben - und das ist dann: magersüchtig, oberflächlich und hat natürlich keinerlei andere Reize. Und "willig" ist das Model. Nur mit sehr viel boshaftem Mutwillen kann man Models unterstellen, sie würden sich gleichsam prostituieren; der penetrant moralische Unterton, sie - Models wie Prostituierte - seien verkommen, zeigt wohl eher die verklemmte Selbstgefälligkeit der Autorinnen.
Worauf wurde diese "Studie" geschrieben: auf Bierdeckeln vermute ich, welche die Autorin unter Stammtischen zusammengesammelt hat. Geist war zur Verfertigung dieser "Studie" sicher nicht nötig, höchstens eine Feder. (Geklaut von Lessing.)
Ein hervorragender Artikel, wie ich finde, der mich sehr nachdenklich gemacht hat. Regelrecht geschockt war ich über den extrem hohen Prozentsatz sehr junger Mädchen, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen.
Ganz wichtig, auch meiner Meinung nach, dass die Eltern hier Einfluss nehmen.
"Sendung einfach verbieten" ist meiner Erfahrung nach für die Eltern heute ja eher keine Option mehr (obwohl ich persönlich diesbezüglich systemad zustimmen würde). Aber den Kindern beim Fernshen mal über die Schulter schauen und deutlich machen, dass Äußerlichkeiten sicher wichtig, aber nicht alles sind, das sollte schon drin sein!
Wie wäre es überhaupt, wenn Väter auch mal zu dem Thema Stellung nähmen? - Die meisten Männer finden klapperdürre, aufgestylte "Plastikpüppchen" doch gar nicht toll und haben sich ihre Frau (und Mutter ihrer Kinder) wegen ganz anderer Vorzüge "ausgesucht". Ich denke da an Persönlichkeit, Natürlichkeit, Humor, Intelligenz... Das könnten sie ihren Töchtern gegenüber ja mal erwähnen und damit gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: tolles Kompliment an die "Mutti" und Denkanstoß für die Mädels, die Heidi Klum als "Model-Mami" anhimmeln. ;-)
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