Von Ulrike Bretz

In den USA feiern immer mehr Menschen "sex parties". Nein, nicht, was Sie denken: Werdende Eltern laden ihre Lieben ein, um feierlich das Geschlecht des ungeborenen Babys zu enthüllen. Warum in aller Welt tun sie das?

Gelb. Gelb ist die Farbe der sex parties. Leuchtend, fröhlich und vor allem: neutral. Also werden für die sex party die obligatorischen Muffins mit gelbem Zuckerguss überzogen, gelbe Girlanden aufgehängt und gelbe Einladungskarten verschickt. An alle Menschen, die unbedingt dabei sein wollen, wenn das Geheimnis enthüllt wird, welches Geschlecht der Nachwuchs im Bauch der Gastgeberin hat. Oder zumindest an die Menschen, von denen die stolzen Eltern dies vermuten.

Babyparty

Mädchen oder Junge? In den USA machen werdende Eltern aus dieser Frage neuerdings ein ganzes Fest: Bei einer sex party wird in Anwesenheit von Freunden und Verwandten feierlich das Geheimnis um das Geschlecht des Babys enthüllt. (© sueddeutsche.de / iStockphoto)

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Die werdenden Eltern fiebern dem Höhepunkt des Abends mit großer Ungeduld entgegen. Sie warten auf den Moment, in dem die einzige Person, die persönlich vom Gynäkologen eingeweiht wurde und den Auftrag an die Kuchenbäckerei erteilt hat, zum Buffet bittet. Mit zitternder Hand knoten das Paar die Finger um das Kuchenmesser. Schnitt - und aus dem Inneren des "Surprise-Gender-Cakes" quillt eine rosafarbene/hellblaue Füllung. Jubel allenthalben, es ist ein Mädchen/Junge!

Sex parties - vom englischen Wort "sex" für Geschlecht - sind in den USA die neueste Entdeckung. Sie wurden erfunden von Menschen, die wieder einmal eine neue Gelegenheit zum Feiern gesucht haben, weil ihnen die Zeit zwischen Junggesellenabschied und Babyshower-Party so endlos lang erscheint. Also machen sie aus der simplen Frage, ob es ein Mädchen oder ein Junge wird, eine eigene Zeremonie. Lassen Freunde und Verwandte an der Enthüllung eines Details teilhaben, das sie sonst, in vertrauter Paar-Intimität, im Behandlungszimmer des Gynäkologen erfahren hätten.

Genau das ist ein Grund für diese Party - sagt jedenfalls der amerikanische Journalist Greg Bluestein. Er hat in einem Artikel über die sex party für sein ungeborenes Kind geschrieben, dass seine Frau den Gedanken, das Geschlecht ihres Kindes im sterilen Behandlungsraum zu erfahren, abschreckend empfand. Dann doch lieber im Kreise der Lieben überrascht werden - und hinterher im Internetblog ausführlich darüber berichten.

Manch ein Gast mag sich allerdings fragen, was er auf so einer Party überhaupt verloren hat. Die sarkastische Antwort könnte lauten: Stell dich schon mal rechtzeitig darauf ein, dass es in Zukunft ausschließlich um das Kind deiner Freunde gehen wird. Nicht mehr um eure Freundschaft, nicht um den Freund, nicht um dich - sondern um das Schlaf-, Ess- und Verdauungsverhalten des Babys. Daran musst du dich gewöhnen, und du kannst nicht früh genug damit anfangen.

Der wahre Grund aber liegt, so der Regensburger Professor für Vergleichende Kulturwissenschaft Gunther Hirschfelder, tiefer. "Menschen brauchen Rituale", sagt er. "Wir haben das Bedürfnis, wichtige Übergänge im Leben zu markieren - also erfinden wir solche Feste." Übergangsrituale gibt es in vielen Kulturen, sie gehören zu den anthropologischen Grundkonstanten. Warum aber nehmen diese Feste immer mehr zu?

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