Was tun Menschen nicht alles aus Liebe - sie wandern aus, belegen doofe Tanzkurse oder werden mitunter gar kriminell. Die Sängerin Taylor Swift hat es auf den Punkt gebracht: Wer verliebt ist, macht sich zum Affen. Jeden Freitag nimmt sich unsere Autorin ein Zitat über die Liebe vor und versucht herauszufinden, welche Wahrheit dahintersteckt.
Taylor Swift tat kürzlich etwas ausgesprochen Mutiges: Die US-Sängerin gestand in einem Interview mit der Vogue: "Ich denke, ich bin klug, es sei denn, ich bin wirklich verliebt, dann bin ich geradezu lachhaft dämlich".
(© Sophie Kaiser)
Ohne ihr zu nahe treten zu wollen: Man glaubt ihr diese Worte sofort, wenn man einen Blick auf ihre Songtexte wirft: "Romeo, take me somewhere we can be alone", fleht die 22-Jährige in ihrem Song Love Story und schmachtet weiter: "You'll be the prince, and I'll be the princess ...". Wer, bitteschön, außer Catherine Middleton, hat heute noch ernsthaft Lust darauf, von einem Prinzen entführt zu werden? Eines muss man Taylor Swift zugutehalten: Sie ist sicher nicht der einzige Mensch auf diesem Planeten, der nicht mehr zurechnungsfähig ist, sobald Liebe im Spiel ist. Dafür ist sie eine der wenigen, die sich das auch eingesteht.
Wer sich verknallt, gibt seinen Verstand an der Pforte zum Reich der Besinnungslosigkeit ab. Die Hormone haben die Steuerung übernommen, eiern wie bekiffte Kugelblitze durch die Hirnwindungen und knipsen in sämtlichen intellektuellen Bereichen die Lampen aus. Zumindest vorübergehend hat der Hypophysenvorderlappen nun den Hut auf und tut, was er am besten kann: Sexualhormone produzieren, die bewirken, dass aus einem gestandenen Mann ein Liebeskasper wird, und aus einer vernünftigen Frau ein rosa Luftschiff.
Alles aus Liebe
Was haben Menschen nicht schon alles aus Liebe getan. Fahren wochenlang auf einem abgewrackten Motorrad durch staubige Wüsten, weil sich der angeschmachtete Typ vier Wochen Marokko in den Kopf gesetzt hat. Er hat es zwar nicht direkt gesagt, aber er wäre auch allein gefahren, was soll man also machen? Nun hat er jemanden, der seinen Urlaub finanziert. Manche wandern aus, dem Geliebten hinterher. Dumm nur, wenn der in Australien gar nicht eine neue Existenz zu zweit, sondern nur das Weite suchen wollte.
Andere werden kriminell und schmuggeln Drogen. Sie machen sich in der Öffentlichkeit zum Narren, indem sie Wände oder Dächer mit Liebesbotschaften beschmieren - und landen dafür vor dem Richter statt bei der Angebeteten. Es soll Menschen geben, die belegen sogar Tanzkurse und geben sich lächelnd der Lächerlichkeit preis. Sie pilgern in Karawanen durch Möbelhäuser und unterdrücken tapfer ihren Fluchtreflex. Kurz vor dem Ziel seiner Träume akzeptiert mancher sogar das eifersüchtige Haustier, das sich weigert, das Bett zu räumen - und erduldet, beim ersten, alles entscheidenden Beischlaf von einem übellaunigen, fetten Kater beobachtet zu werden.
Andere entsagen indes der Fleischeslust und nagen an Selleriestangen, weil sie diese bezaubernde Vegetarierin noch mehr begehren als ein paniertes Kalbsschnitzel. Auch bei Tieren schlägt sich Liebe auf das Ernährungsverhalten: Wie Forscher der Wiener Universität herausfanden, konnten alleinstehende Meerschweinchen im Labyrinth deutlich schneller Futter aufspüren als Pärchen. Und warum? Weil die liierten Nager total fixiert waren auf ihr lebendiges Objekt der Begierde - denen war Poppen einfach wichtiger als Essen.
Notfalls als Krokodil
Auch Prominente sind nicht immun gegen Dummheit aus Liebe, insofern befindet sich Taylor Swift in guter Gesellschaft. Dass seine Fähigkeit zur Selbstaufgabe keine Grenzen kennt, hat uns zum Beispiel Seal in den vergangenen Jahren immer wieder bewiesen. Als Brite mit brasilianischen Wurzeln hätte der Sänger mit Hang zu Supermodels den Karneval sicher gern in Rio gefeiert.
Stattdessen zog er im Schlepptau seiner Angebeteten Heidi Klum in einem albernen Schnappi-Kostüm um die Häuser von Bergisch Gladbach und bewarf das Volk mit Fruchtgummis. Genützt hat es ihm auf Dauer zwar nicht - die erschütternde Nachricht von der Trennung sitzt uns noch immer in den Knochen. Kurzfristig hat es ihn jedoch ans Ziel gebracht.
Vermutlich hat Taylor Swift gar nicht geahnt, wie philosophisch ihr Eingeständnis war, sich der Liebe wegen zum Affen zu machen. Denn schon Friedrich Nietzsche hat den Fatalismus akzeptiert, der hinter diesem Zusammenhang steht. Und so ließ er Zarathustra aussprechen: "Es ist immer etwas Wahnsinn in der Liebe. Es ist aber immer auch etwas Vernunft im Wahnsinn."
Oder ist es etwa nicht vernünftig, sich in einem Krokodilskostüm zum Kasper zu machen, wenn man weiß, welche Belohnung da warten könnte?
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(Süddeutsche.de/ddau/holz)
TV-Kritik: Menschen bei Maischberger
Was gibt es Schöneres, als den Festtag der Liebe zu feiern.
Liebe wird durch die wertvollsten Seiten in uns geweckt und durch sie bestätigt.
Liebe öffnet uns die Augen für die wirklichen Werte hinter den Schleiern der Einbildungen. Liebe hilft uns die eher hinderlichen als schützenden Zäune der persönlichen Welt zu überwinden.
Liebe bringt uns in Verbindung mit dem erschauernden Glück der Hingabe.
Heute ist der Tag, die tiefen und großen Verbindungen zu feiern.
Heute ist der Tag, zu danken, für die Nähe, die Zuwendung und die einzigartige Art der geliebten Menschen, zu leben.
Toller Text. Und jetzt schmunzelnd ins Wochenende. Grüße
Heißa, rufet Sauerbrot, heißa, meine Frau ist ... Welch Gefühlsausbruch negativer Liebe, den Wilhelm Busch (Tobias Knopp) da notiert hat! Neinnein, nicht das "Ab"-Leben wollen wir begrüßen, sondern die Geburt einer neuen Kolumne für Ethologie, also Vergleichende Verhaltensforschung und Physiologie. Hierin stellt sich das wohl meist beeindruckende Phänomen interdisziplinärer Kreuzung von Scientia und Artes vor, an dem Autoren, liebe Frau Simon, seit je geradezu virtuos scheitern können: Sei's drum, jede Woche viel Liebe für die Liebe - und wir schmachten gern mit.
Schließlich geht es beim "Schmacht" um Hungern und Dürsten, somit um Grundbedürfnisse - was Gruppenstrukturen, Rollenmuster, Spiel- und andere Triebe mit einschließt, bei Mensch, Schwein, Meerschwein. Ruft Verhaltensbiologe Goethe in Auerbachs Keller: "Uns ist ganz kannibalisch wohl als wie 500 Säuen" - Mephisto nennt den Verursacher: "Das Volk ist frei, seht an, wie wohl's Mann geht ... Gib nur erst acht, die Bestialität wird sich gar herrlich offenbaren". Darauf ein Bewunderer: "Voilá, un homme" - naja, "Napoleon ist an allem schuld", weiß der Titel einer Komödie (Curt Goetz/Valerie von Martens). Das Napoleonforscher-Ehepaar Lord und Lady Cavershoot (heißt wie: " Schieß das Meerschweinchen") streitet sich über Interferenzen: "Sieh da, ein Mensch" (humanistisch) oder "Sieh da, ein Mann" (se.xistisch). Entschieden wird die Frage durch Traumfigur Napoleon: "Voilá, ein Schwein".
Wie der Mensch hat auch das Meerschweinchen mit dem inneren Schweinehund zu kämpfen: Fressen oder Babys machen. Das führte Dichter zum autobiographischen Experimentalroman (Alfred Kerr) oder zu gesellschaftlichen Zwängen des Frauseins (Irmgard Keun), versprach man sich doch von Meerschweinchenzucht finanzielle Sicherheit. Wußte auch Eugen Roth: "Hat es durch seine Zeugungsmacht zum Sinken Schiffe schon gebracht". Warum? Weil fremde Partner promiscue übereinander herfielen - auch und gerade im Kreuz(ungs)dampfer. Nur einer Unterfamilie sind monogame Verhaltensweisen zueigen, der "Galea Monasteriensis". Dafür weist es "female influences on pair formation" (Norbert Sachser) auf und offenbart "male stress responses". Wetten, daß alte Ehepaare des "Münsterschen Meerschweinchens" sich mehr fürs Futter als für sich interessieren? Wiener Forscher - wiederholt eure Versuche an diesen abartigen Meersäuen! Heißa, ruft die Sauerbiest, heißa, mein Männe frißt.