Internetnutzung Kinder, was geht auf Youtube?

Ein Foto aus dem Video, mit dem Deutschlands erfolgreichste Youtuberin, Bianca Heinicke von "Bibis Beauty Palace", gegen Homophobie eintritt.

(Foto: Bianca Heinicke / Bibis Beauty Palace)

Kinder sehen nicht mehr fern, sie sehen Youtube. Ein Gespräch mit jungen Nutzern und einem Youtube-Star über Videos, zweijährige Fans und Vorbilder, die Werbung machen.

Von Hannah Beitzer, Köln

Nele, Luna und Bibi begrüßen sich: Umarmung, Lächeln, hi, kommt rein! Als wären sie Freundinnen. Dabei sehen sie sich zum ersten Mal und sind sehr unterschiedlich. Nele ist 13 Jahre alt, geht in die achte Klasse. Luna (Name von der Redaktion geändert) ist elf Jahre alt. Sie geht in die siebte Klasse. Und Bibi heißt eigentlich Bianca Heinicke, ist 22 Jahre alt und eine bekannte Filmemacherin. Fast zweieinhalb Millionen Menschen haben ihren Youtube-Kanal "Bibis Beauty Palace" abonniert, die meisten davon Mädchen im Alter von Nele und Luna.

Die meisten Eltern wissen inzwischen, dass es Youtube-Stars gibt, dass ihre Kinder lieber auf der Online-Videoplattform unterwegs sind, als Fernsehen zu gucken. Was viele Erwachsene allerdings nach wie vor nicht verstehen: Was zum Teufel finden die Kinder daran, ganz normalen Mädels und Typen zuzuschauen, wie sie ganz normale Dinge tun: rumblödeln, sich schminken, Spiele spielen? Wir haben mit Nele, Luna und "Bibi" darüber gesprochen.

360°: Digitalisierung der Kindheit Schon die Kleinsten wischen auf Tablets, die Größeren können sich ein Leben ohne Smartphone nicht mehr vorstellen. Ihre Kindheit verläuft ganz anders als die ihrer Eltern, aber muss das schlecht sein? Bietet nicht gerade der frühe Umgang mit neuen Medien auch Chancen? Wie Eltern ihren Nachwuchs auf dem Weg in die interaktive Welt begleiten, was sie selbst dabei lernen können - ein Schwerpunkt.

Immer was Neues - die Faszination Youtube

SZ: Was ist so toll an Youtube?

Nele: Es gibt dort ziemlich alles. Ich klicke auf ein Video, dann wird darunter ein anderes empfohlen. Oft finde ich dann neue Dinge, die mir gefallen. Wenn ich eine Sendung durchgeguckt habe, geht es danach immer weiter. Ich finde es auch wichtig, dass die Youtuber noch so normal sind - anders als Filmstars. Das sind einfach Leute, die eine Idee hatten und damit etwas aufgebaut haben. Mir gefällt es, wenn man trotzdem das Gefühl hat: Die sind auf dem Boden geblieben.

Was guckt ihr am liebsten?

Nele: Ich gucke am liebsten Comedy. Meistens schaue ich amerikanische Youtuber. Beauty-Videos gucke ich eher, wenn ich etwas Konkretes wissen möchte.

Luna: Ich gucke auch am liebsten Comedy, Beauty fast gar nicht.

Und die Jungs?

Nele: Generell gucken die Jungs eher "Let's plays", also Videos, in denen Youtuber Computerspiele spielen. Allerdings kennen sie auch die anderen Youtuber. Gerade schauen sie oft die Jungs von "Apecrime" (deutsches Musik- und Comedy-Trio, Anm. d. Red.). Da sehen sie, was die den Tag über so machen. Ob es einen Sinn ergibt, ist nicht so wichtig, sie finden das einfach lustig.

Frau Heinicke, heute sind Youtube-Stars wie Sie bei Jugendlichen beliebter als jede Seifenoper - wie hat das alles bei Ihnen angefangen?

Bianca Heinicke: Ich habe meinen ersten Computer in der achten Klasse bekommen. Bei Youtube war ich meistens, um Musik zu hören. Tatsächlich habe ich erst ganz kurz, bevor ich selber angefangen habe, die ersten Menschen auf Youtube entdeckt, die einfach so selbst Videos machen. Ich wusste gar nicht, dass es das gibt. Dann habe ich irgendwann eine Anleitung für eine Zopffrisur gesucht und keine gefunden. Und gedacht: Ach, dann probierst Du es eben selbst. Das war 2012.

Wie viele Klicks hatte ihr erstes Video?

Heinicke: Am ersten Tag gar keinen (lacht). Ich habe es dann ein paar Freunden geschickt, irgendwann hatte es zehn Aufrufe. Das ging alles superlangsam.

Nele, Luna - habt ihr schon einmal darüber nachgedacht, selber ein Video zu machen?

Nele: Ich schon. Aber im Moment sind das so viele Leute, die das machen ... Und ich denke auch, dass ich noch zu jung bin.

Warum?

Nele: Na, 13-jährige Youtuber finde ich einfach komisch. Viele haben gar nicht so die Ahnung, dass das Video später noch im Internet ist, auch wenn man erwachsen ist. Wenn man später zum Beispiel einen Beruf sucht, dann gucken die Chefs doch auch im Internet. Und wenn da so ein Video ist, das man mit zwölf oder 13 gedreht hat, dann ist das nicht so vorteilhaft - auch wenn man es heute vielleicht gut findet.