Hilde Schramm im Interview "Ich muss aufpassen, dass ich ihn nicht entschuldige"

Hilde Schramm hat bei sich vier Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen. Und sie, die seit 1968 in einer linken Hausgemeinschaft lebt, sagt: "Ich habe selten so gut mit Leuten zusammengelebt wie mit diesen."

(Foto: Oliver Helbig)

Hilde Schramm, älteste Tochter von Hitlers Architekt Albert Speer, spricht über ihre Ambivalenz, die sich ein Leben lang nicht auflösen lässt.

Interview: Lara Fritzsche, SZ-Magazin

SZ-Magazin Sie sind als Tochter eines Kriegsverbrechers aufgewachsen. War Ihr Leben leichter oder schwerer, als man denkt?

Hilde Schramm: Zunächst einmal war es sehr privilegiert. Wir lebten am Obersalzberg im Führersperrbezirk in einem Bauernhaus, mit Sandkasten auf der Terrasse und Kaninchenställen hinterm Haus. Nur Wiese und Luft und Berge. Rundherum herrschte Krieg, wir bekamen kaum etwas davon mit. Meine Geschwister und ich, wir waren sechs Kinder, haben unbeschwert zusammen gespielt.

Sie waren ab dem Kriegsende an der Ostsee untergebracht, im ...