Autoimmunkrankheit Zöliakie Wenn Brot krank macht

Einer von 250 Deutschen reagiert allergisch auf das in Getreide enthaltene Gluten. Betroffene müssen ihr Leben lang auf Brötchen, Pizza und Bier verzichten.

Von Anna-Lena Roth

Getreidekörner sind gesund, fördern die Verdauung und versorgen den Körper mit wichtigen Vitaminen und Mineralien. Für die meisten Menschen mag diese Ernährungsregel stimmen, doch bei einigen führt der Verzehr von Brot, Nudeln oder Kuchen zu Blähungen, Übelkeit, Bauchschmerzen und Durchfall - sie vertragen das im Getreide enthaltene Gluten nicht.

Für gesunde Menschen ist dieses Kleber-Eiweiß vollkommen unbedenklich. Einer von 250 Menschen in Deutschland reagiert jedoch allergisch darauf: Er leidet unter Zöliakie. Bei dieser Autoimmunkrankheit entzünden sich die Zotten der Dünndarm-Schleimhaut, die normalerweise dafür sorgen, dass die Nährstoffe aus der Nahrung gefiltert und an das Blut weitergegeben werden. Wenn Zöliakie-Betroffene Gluten zu sich nehmen, entzünden sich diese Zotten und bilden sich zurück - die Oberfläche des Dünndarms wird immer kleiner, der Körper kann dann nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden.

Neben Mangelerscheinungen gibt es aber noch zahlreiche andere Symptome, die auf die Krankheit hindeuten. Kinder, die von der Krankheit betroffen sind, leiden häufig unter Appetitlosigkeit, sind müde und schlecht gelaunt. Auch ihr Wachstum kann unter Zöliakie leiden. Bei Erwachsenen können Durchfall, Schlaflosigkeit oder Depressionen Anzeichen für die Erkrankung sein.

Eine Therapie gibt es nicht

Da die Symptome so zahlreich und unterschiedlich sind, ahnen viele Betroffene gar nicht, dass ihre Glutenunverträglichkeit der Auslöser ist. Wer sich Gewissheit verschaffen will, muss zuerst sein Blut auf Antikörper testen lassen. Fällt das Ergebnis positiv aus, bringt nur eine Dünndarmbiopsie absolute Gewissheit. Experten vermuten, dass neben erblichen Faktoren auch ein geschwächtes Immunsystem und Umweltfaktoren bei der Erkrankung eine wichtige Rolle spielen.

Gluten, lateinisch für Leim, ist vor allem in Roggen, Weizen, Gerste, Hafer und Dinkel enthalten. In Verbindung mit Wasser sorgt es dafür, dass Brot und andere Backwaren ihre Form behalten. Würden die Bäcker es bei der Herstellung weglassen, könnten sie nur Fladen aus dem Ofen holen. Neben seiner Eigenschaft als Formgeber dient Gluten aber auch als Träger für Aromen.

Eine Therapie für Zöliakie-Betroffene gibt es bislang nicht, sie müssen lebenslang auf glutenhaltige Nahrung verzichten. Nicht nur Brot und Nudeln sind dann tabu, sondern unter anderem auch Pizza, Müsli und selbst Bier.

Seit November 2005 müssen alle Produkte, die Gluten enthalten, entsprechend gekennzeichnet sein. Wer ausschließlich die als glutenfrei gekennzeichnete Ware kauft - mittlerweile gibt es sie in jedem größeren Supermarkt - muss mit hohen Kosten rechnen: Produkte mit dem speziellen Siegel, einer durchgestrichenen Geitreideähre, kosten zwischen 30 und 50 Prozent mehr.

Eine Liste mit Herstellern, Rezepten und Ernährungstipps hat die Deutsche Zöliakie-Gesellschaft (DZG) auf ihrer Internetseite  veröffentlicht.

Besser als ihr Ruf

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