Zum 80. Geburtstag von Dustin Hoffman Meister der Zurückhaltung

Niemand kann Frauenbeine so anstarren wie er: Dustin Hoffman

(Foto: imago stock&people)

Seine Darstellkunst ist so groß, dass man ihm das Spiel kaum noch ansieht und er hinter seiner Rolle allzu unsichtbar wird: Dustin Hoffman, der Inbegriff des "Method Actors", wird 80.

Von Philipp Stadelmaier

"Wäre Dustin Hoffmans Gesicht sein Vermögen, er wäre er zu einem Leben in Armut verdammt." So witzelte das Life-Magazin 1967, als gerade "Die Reifeprüfung" ins Kino kam.

Hoffman war damals dreißig Jahre alt, in der Rolle lief er meist wie betäubt durch die Gegend, aber der Film wurde trotzdem ein Riesenhit und sein Hauptdarsteller schlagartig bekannt - er kam zu einer Karriere und somit auch zu Vermögen.

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Bis zur "Reifeprüfung" gab es in Hoffmans Leben wenig, was ihn für diesen Erfolg prädestiniert hätte. Der Sprössling einer jüdischen Familie wuchs in Kalifornien auf und wollte erst Pianist werden, doch das Talent fehlte.

Also wandte er sich der Schauspielerei zu. Bald lernte er einen anderen Charakterkopf kennen, Gene Hackman, und gemeinsam zogen sie nach New York, wo in den Sechzigerjahren zeitweise auch noch Robert Duvall in ihrer Wohngemeinschaft hauste: Drei künftige Schauspielgranden, aber ein Leben am Existenzminimum.

Hoffman machte ein bisschen Werbung, Fernsehen, Theater. Irgendwann lief er dem Regisseur Mike Nichols über den Weg, der ihm später die Hauptrolle in der "Reifeprüfung" gab.

Frühe Zweifel an seinem Talent

Dort spielte Hoffman Benjamin Braddock, diesen Studenten mit dem dauerstarrenden Blick, der nicht weiß, was er mit seinem Leben anfangen soll und eine Affäre mit der älteren Mrs. Robinson (Anne Bancroft) beginnt.

Die Figur wurde zur Ikone vieler junger Amerikaner, die auch nicht wussten, wohin mit sich. So beeindruckend wie der Erfolg des Films war allerdings Hoffmans Zurückhaltung auf der Leinwand. So kamen bald Zweifel an seinem Talent auf. Konnte er überhaupt spielen, oder war er einfach nur ein Durchschnittstyp, ganz "er selbst"?

Um den Regisseur John Schlesinger von seinen Künsten zu überzeugen, begegnete er ihm bei einer Verabredung auf dem Times Square als Obdachloser. Schlesinger erkannte ihn nicht - und gab ihm eine Rolle in "Midnight Cowboy".

Das Resultat war beeindruckend: Hoffmans kranker und abgehalfterter New Yorker Gauner, der einen Callboy aus Texas unter seine Fittiche nimmt, ist schon mal ziemlich weit entfernt von dem apathischen Jüngling aus der "Reifeprüfung", der aus wohlhabenden Verhältnissen stammt.