"Twilight - Biss zum Ende der Nacht, Teil 2" Am Ende des Fünfjahresplans

Die große Vampirsaga ist zu Ende, ein Morgen ohne Bella & Edward graut, und der Letzte macht das "Twilight" aus. Aber Hollywood braucht diese epischen Filmreihen, die Investitionen planbar machen und Teenager auf Treue konditionieren. Daher heißt es: Bye-bye, Bella & Edward und Hello ...

Von Doris Kuhn

Themendienst Kino: Breaking Dawn - Biss zum Ende der Nacht, Teil 2 Redaktionshinweis: Verwendung nur im Zusammenhang mit dem Film- bzw. DVD-Start! Keine Archivierung! +++ Kellan Lutz als Emmett und Kristen Stewart als Bella in dem Fantasyfilm 'Breaking Dawn - Biss zum Ende der Nacht, Teil 2' von Bill Condon. Der Film 'Breaking Dawn - Biss zum Ende der Nacht, Teil 2' kommt am Donnerstag (22.11.12) in die deutschen Kinos. (zu dapd-Text) Foto: Concorde/Summit Entertainment/Andrew Cooper/dapd

(Foto: dapd)

Der Anfang ist langsam, er nimmt sich die Zeit, die ihm zusteht, denn eigentlich ist der ganze Film ein Ende, das ewig hinausgezögerte Finale der Teenie-Vampirsaga "Twilight". Schon der Titelschriftzug ist weiß wie die schneebedeckten Wälder des Staates Washington, wo die guten Vampire wohnen, schwarz wie die Mäntel ihrer Feinde, rot wie die Augen der Hauptfigur Bella. Diese Augen füllen schließlich feurig leuchtend die Leinwand, damit eins nicht vergessen wird: Bella ist jetzt Vampir, endlich vom selben Schlag wie Edward, ihr Highschool-Schwarm und mittlerweile angetrauter Ehemann.

"Biss zum Ende der Nacht, Teil 2" bemüht sich zunächst, längst gegebene Versprechen einzulösen. Besonders viele Überraschungen gibt es dabei nicht mehr - die Hochzeit zwischen Mensch und Vampir ist vollzogen, ein Kind geboren. Bleibt Jake, der Werwolf, der versorgt werden muss. Ihm wird Bellas Tochter zugesprochen, was in dieser moralischen Saga nichts Unanständiges ist - die vertrackten Alterungsprozesse, die bei Werwölfen, Vampiren oder deren Mischformen herrschen, machen es möglich. Außerdem gibt es endlich Sex, lange ein enervierendes Tabuthema, jetzt dargestellt als eheliche Beschäftigung, die sich gut über Tage hinziehen kann. Schließlich haben Vampire viel Ausdauer und wenig Pflichten.

Ein Gefühl des Unausweichlichen liegt über allem, das war beim letzten Harry-Potter-Film auch schon so - alles ist vorbestimmt, auf einer längst in Stein gemeißelten Plotlinie, alles schon vor Jahrzehnten beschlossen und festgelegt, Millionen Leser wissen, was passieren muss, und wehe, etwas weicht davon ab. Was jetzt also folgt, das ist Ausführung, Vollstreckung, Malen nach Zahlen.

Und Hollywood will es ja auch so, diese riesigen Handlungsbögen sind längst Programm. Epische Filmreihen bilden die Fünf-, Sieben-, Zehnjahrespläne des Entertainment-Kapitalismus, alles wird planbarer, investitionssicherer, und die jugendlichen Zuschauer, die damit aufwachsen, ihre ersten Phantasien darin spiegeln dürfen, werden wie von unsichtbarer Hand auf Treue konditioniert. Und es wird weitergehen: Bye bye, Bella & Edward. Hello Katniss "Hunger Games" Everdeen. Hello Anastasia "50 Shades" Steele.