Es geht um die Wurst, um Ratten und beschnittene Bäume: RTL startet ein Lebensberatungs-Format, das den Krieg am Gartenzaun feiert.
Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt. Und es ist schon erstaunlich, dass ein so alter Spruch bei RTL immer noch ein paar Programmplaner hinterm Ofen hervorlockt, die damit Quote machen wollen.
Rechtsanwalt Ernst Andres Kolb greift ein, wenn es an der Hecke brennt. (© Foto: RTL)
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Nachbarschaftsstreitigkeiten, sollte man meinen, sind inzwischen derart oft multimedial beleuchtet worden, dass spätestens nach Abklingen des Booms um Regina Zindlers Maschendrahtzaun der gute Ton verbieten sollte, an das Wort Nachbarschaftsstreit in Zusammenhang mit Fernsehunterhaltung auch nur zu denken.
Als hätten wir den guten alten Gartenzaunstreit nicht schon in allen unschönen Facetten seit Jahren serviert bekommen. Wenn nicht am eigenen Gartenzaun, dann garantiert im TV, wo das Gekeife von Erzürnten vom Frühstücksfernsehen über das regionale Vorabendprogramm bis zur nächtlichen Exklusiv-Reportage die Bildschirme füllt.
Und seit das so ist, dürfen sich auch die Gerichte freuen über immer mehr Menschen, die ihre Gartenzwerg-Kriege hochoffiziell und nur noch unter Einbeziehung einer möglichst großen Öffentlichkeit und mindestens eines Richters bis aufs Blut austragen wollen. Was also ist neu am neuen Doku-Format von RTL?
Na klar: die Lebensberatung. In der nun mittwochs um 20:15 Uhr ausgestrahlten Sendung "Nachbarschaftsstreit - Kolb greift ein" stellt sich ein Rechtsanwalt mit Namen Ernst Andres Kolb und einem Erscheinungsbild zwischen Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg und "Zimmer frei"-Moderator Götz Alsmann als "Mediator" zur Verfügung.
Hier werden sie also endlich geholfen, die verfeindeten Parteien, die ansonsten noch Jahrzehnte in ihrer gallig-giftrasengrünen Suppe schwimmen würden, bis einer von ihnen als Gewaltopfer doch wieder in irgendeiner Privatsender-Berichterstattung enden würde.
Wir können Kolb also wahrhaft dankbar sein, dass er all diese Leute aus ihren Gärten und ans Licht der Öffentlichkeit zerrt, um sie - selbst im feinen Zwirn - an den runden Tisch zu bringen, eine unnütze Klage abzuwenden, die Gewaltspirale aufzuhalten und Peace and Happiness in die Reihenhäuser einziehen zu lassen. Wer dabei allerdings aggressiv werden kann, ist der Zuschauer.
Dass Familie Weißmann in Andernach bei Koblenz nicht mehr ruhig schlafen kann, seit Familie Faulhaber-Cera vor ein paar Jahren nebenan eingezogen ist, weil dort ständig gegrillt wird, weil der Komposthaufen stinkt und sich der Nachbar ganz klassisch an den schönen Tannen vergeht, ist die eine Sache. Dass RTL hier das Krisengebiet erkannt hat, auf dem es sich am besten auskennt und mit dem es seit Jahrzehnten seine Brötchen verdient, eine andere: Hier trifft das spießbürgerliche auf das Hartz-IV-Idyll, und wenn dann noch so richtig die Fetzen fliegen, ist sie Sendung auch schon im Kasten.
Nichts zu holen
Der Zuschauer muss mit ansehen, wie Frau Weißmann Strichlisten von Rattenbesuchen in ihrem Garten führt, wie Familie Faulhaber-Cera sich als "Menschen zweiter Klasse" behandelt fühlt und deshalb einen zweifelhaften dritten Nachbarn ins Spiel bringt, der bezeugt, den Wurstgeruch in der Wäsche richtig gerne zu riechen. Wie Rechtsanwalt Kolb den ehemaligen Konditorei-Inhabern klarmacht, dass sie den Schaden an den Bäumen bitteschön selbst tragen können, weil bei den Nachbarn schließlich nichts zu holen sei. Und wie der Nachbar, der die Bäume geschändet hat, sich ganz zum Schluss am runden Tisch dazu durchringt, prima gelaunt zu versprechen, dass er das nie wieder tun wird.
Das ist das große Zugeständnis des Abends, die frohe Botschaft, mit der Kolb seine Zuschauer entlassen will. Abgesehen davon, dass Faulhaber-Ceras gar keine Gelegenheit mehr haben werden, die Bäume zu beschneiden, weil diese nämlich gefällt werden müssen, und die Erhaltung mindestens 10.000 Euro kosten würde, was sie niemals bezahlen könnten. Abgesehen davon, dass die Familie Weißmann ursprünglich mal der Bäume wegen in dieses Haus gezogen war. Abgesehen davon also, dass sich hier ein Rechtsanwalt mit einer doch recht einseitigen Sicht der Dinge als unabhängiger Retter in Barack-Obama-Manier geriert und die Flodder-Nachbarn happy-happy in Windeseile einen Plastik-Komposthaufen aufstellen, um den Frieden zu besiegeln - abgesehen davon hat der RTL-Fan gelernt, dass der Mittwoch nun sein Wochenhöhepunkt ist.
Weil das Schwarzweißmuster, das der Sender so lange zu seiner Erfolgsmarke gemacht hatte, das Aufeinanderprallen zweier Parteien mit unterschiedlichen Interessen und unter ordentlich viel Krawall, beim Zuschauer entweder für gute Laune sorgt - oder für schlechte. Die zunehmende Tendenz der Privatsender aber, sich als Heilsbringer zu geben und seinem Publikum eine vermeintliche Lebenshilfe anzubieten, ist nur noch scheinheilig.
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(sueddeutsche.de/rus/korc)
Whitney Houston ist tot
Der Mediator des Schreckens könnte nicht anders aussehen als dieser....ähm, Kalb? ..... Kopp? Ich habe den Namen vergessen und keine Lust, hoch zu scrollen. Das ist aber auch egal. Ich freue mich auf diese GEILE Serie. ja, ehrlich. Hat sie doch zur Folge, das ich noch mehr Zeit NICHT vor dem Fernseher verbringe. Ich werde nicht einmal in Versuchung geführt...Danke, Herr Kapp....Klob? Kollo?
ist hierzulande überfällig. Wieviele Situationen, wieviele Streitereien geschlichtet, wieviele sinnvolle Beratungen zum Wohle der Klienten, wieviele glücklich geschiedene Ehen, etc. wären ohne den selbstlosen Einsatz unserer polofahrenden und reiscracker essenden Juristen zu solch einem positiven Ende gekommen? Tränenggerührt und in tiefer Dankbarkeit wische ich dies mit einer Hand an der sich 4 Finger tummeln (Tischlerunfall!) weg!
hat das viel eleganter und mit viel mehr Echo geregelt. Oder habt ihr den "Maschendrahtzaun" schon vergessen? War doch viel lustiger und einträglicher.
Nachbarschafts-Kr.ak.el.ere.ien werden seit neuestem ins TV übertragen............
"Förderung der Aufmerksamkeit-Bedürfnisse"........ ?
Der hier von RTL hochgelobte "Mediator und Rechtsanwalt" war mit "seinem" Fernsehteam auch bei unseren guten Freunden (ich halte alles einmal etwas allgemeiner) und wollte "schlichten".
Berichtet wurde mir dann aber aus eben zuverlässiger Quelle, daß von vornherein keine Mediation geplant war, sondern eine rufmäßige Vernichtung der schwächeren Partei: Die Mehrheit gewinnt, RTL hat Quote, und wen kümmert schon das soeben fertiggemachte Häufchen Elend, dem Hilfe vom Fachmann versprochen wurde?
Um mich selbst zu überzeugen, ob meine Freunde mich verkohlen oder ob etwas moralisch unglaubliches im TV heranrollt, sah ich mir den Pilotfilm mit der Familie Weißmann an. Schon nach Minuten war ich überzeugt:
Das Opfer war auserkoren. Familie Weißmann hat gesellschaftlich rücksichtsvolle Ansichten und reifes Verhalten. Aber sie waren offensichtlich die "10" in der Schützenscheibe. So wurden sie vom Mediator zügig verbal angekarrt und schnell verunsichert, insbesondere, was die Kosten, auf denen sie selbstverständlich sitzenzubleiben hätten, angeht.
Die Gegenpartei lebt sehr freizügig ihr offensichtlich spaßiges Leben, ohne an andere zu denken, die direkt um sie herum sind. In einer Gesellschaft, die platzmäßig immer dichter zusammenrückt, ist das unmöglich,..... es sei denn, der Mediator, der mir aus angewählter Kameraperspektive wie ein gewichtig schreitender Gott vorkam, greift ein und weist die letzten der noch wenigen sich vernünftig verhaltenden Menschen in die Schranken.
Auffällig war besonders, daß der Mediator vielerlei auf seine (leicht kindisch wirkenden) Zettelchen geschrieben hat, das berechtigte Verlangen der Familie Weißmann jedoch, die Nachbarn mögen sich nach dem Gesetz verhalten, war darauf nicht zu sehen. Dabei steht das Wort "Gesetz" doch bei Anwälten allein von Berufswegen her hoch im Kurs, oder nicht?
Ich habe bis zum Ende der Sendung durchgehalten, obwohl ich mehrmals zur Fernbedienung griff: Die Guten haben den Spott und den Schaden, die attraktiven Lebemänner machen weiter wie bisher.... Es lebe die Anarchie. Das zumindest war für mich die gezielt gewollte Aussage. Dem kritischen Zuschauer werden auch die kleinen Handlungsfehler in dieser einseitigen Versöhnungssendung nicht entgangen sein.
Fazit: Meine Freunde haben eher noch untertrieben, als sie ihre Geschichte zum Besten gaben.
Mein Tipp: Nur ansehen, wenn man weiß, was mit Schnitt-Technik zu machen ist und später lachen....über die Leute hinter der Kamera.
Paging