"Terminator"-Darsteller Schwarzenegger "Arnold darf altern"

Ungebrochene Fanliebe: Arnold Schwarzenegger bei der Premiere von "Terminator Genisys" in Seoul.

(Foto: AFP)

Arnold Schwarzenegger spielt in seinem neuen Film denselben Maschinenmenschen wie schon vor 31 Jahren. Treffen mit einem Mann, der eine künstliche Hüfte hat - aber keinen Gedanken an den Ruhestand verschwendet.

Von Tobias Kniebe

Das hellblaue Hemd spannt, wo es spannen muss: über der Brust. Ansonsten herrscht Abrüstung, wenn man Arnold Schwarzenegger in diesen Tagen gegenübertritt: Statt seiner schweren Cowboystiefel aus Krokodilleder trägt er diesmal nur Kroko-Slipper, und an den Händen fehlt etwa die Hälfte seiner üblichen schweren Silberringe. Bei der Begegung im Berliner Adlon Hotel huscht manchmal sogar ein Ausdruck über sein Gesicht, der man bisher nicht von ihm kennt: Nachdenklichkeit.

"English, please", war die Ansage vor dem Interview. Früher konnte man auch mal Steirisch mit ihm radebrechen, aber im Vergleich wird klar, dass die Gerüchte stimmen, was seine Ausdrucksmöglichkeiten betrifft: In der Sprache seiner neuen Heimat klingt Schwarzenegger tatsächlich längst eloqenter, lustiger und gelegentlich sogar intellektueller als im Idiom seiner alten.

"Einen vierzigjährigen Action-Hengst würde mir keiner abnehmen"

Im neuen "Terminator: Genisys", den er auf seiner Tour bewirbt, spielt er denselben Maschinenmenschen wie in den Vorgängerfilmen, allerdings kein ganz neues Modell - was der 67-Jährige eine "smarte Entscheidung" nennt. "Arnold darf altern in diesem Film, das ist die Botschaft. Einen vierzigjährigen Action-Hengst würde mir doch keiner abnehmen, die Leute sind ja nicht blöd. Ich glaube sogar, dass sie lieber einem Helden die Daumen drücken, der verwundbar ist und schon ein bisschen was durchgemacht hat."

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"Gute Dinge werden besser, je älter sie werden"

Und: "Menschen auch." Sagt der Schauspieler, Politiker und jetzt auch wieder Terminator Arnold Schwarzenegger. Das große Interview. Interview von Tobias Kniebe mehr ...

Dass er im Film am Ende eisgraue Haare hat, findet er "dramaturgisch wichtig" - im wirklichen Leben würde er aber nie auf seinen satten braunen Kastanienton verzichten: "Nein, warum auch? Die Technologie ist vorhanden, meine Haare zu färben, also nutze ich sie." Was keine Flucht vor dem Alter sein soll - zu seiner künstlichen Hüfte stehe er, "künstliche Knie könnten noch kommen".

Hoffnung machen ihm Freunde aus frühen Bodybuilding-Tagen, die mit über Neunzig verstorben sind, aber praktisch bis zum letzten Tag topfit waren: "Solche Beispiele zeigen mir, dass regelmäßiges Training vielleicht nicht dein Leben verlängert - aber es bedeutet Lebensqualität bis ins hohe Alter."

Ein Mann, der auf Fehler zurückblickt, aber doch alles liebt, was er anpackt

Überhaupt das Alter: "Gute Dinge werden doch besser, je älter sie werden. Wein zum Beispiel, Zigarren, Autos - eigentlich alles. Und Menschen eben auch. Es gibt einfach Dinge, die ein Zwanzigjähriger nicht kann, ein Sechzigjähriger aber sehr wohl - weil er die Weisheit dafür hat, das Wissen, die Persönlichkeit." Dazu passt, dass er in einer Filmsequenz gegen einen jüngeren, digital erzeugten Terminator antritt, der exakt so aussieht wie er selbst vor dreißig Jahren.

"Es war verwirrend. Wem soll ich bitteschön die Daumen drücken, wenn ich mir da selbst in den Arsch trete? Ich schaue mir das an und wechsle innerlich ständig die Seiten: 'Yeah, mach' in platt, super Schlag!' Und dann wieder: 'Oh verdammt, das hat weh getan!'"

Am Ende bleibt der glaubhafte Eindruck eines Mannes, der durchaus auf Fehler zurückblickt, aber doch alles liebt, was er anpackt - und keinen Gedanken an den Ruhestand verschwendet: "Ich wüsste doch gar nicht, was ich sonst machen sollte. Also werde ich weitermachen bis zum letzten Atemzug. Das ist der Plan. Und danach geht es in eine andere Welt."

Im vollständigen Interview, das per Abo oder Tagespass hier zu lesen ist, erzählt Arnold noch einiges mehr, zum Beispiel: welcher Möchtegern-Schauspieler, der später durch einen Mordprozess weltberühmt wurde, ihm beinahe die Rolle des Terminators weggeschnappt hätte; welche Erbkrankheit der Familie seine Großmutter früh das Leben gekostet hat, bei ihm selbst aber durch moderne Medizintechnik korrigiert werden konnte; und warum seine Entscheidung, als Gouverneur von Kalifornien ins Rennen zu gehen, tatsächlich erst in der Tonight Show von Jay Leno fiel.

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