Sprache "Döner-Morde" ist das Unwort des Jahres

Jahrelang hat der Begriff die Medien beherrscht - dabei ist er falsch: Sprachkritiker haben die Bezeichnung "Döner-Morde" zum Unwort des Jahres 2011 gekürt. Der Ausdruck stehe dafür, dass die politische Dimension der Mordserie verkannt oder willentlich ignoriert wurde, so die Jury.

"Döner-Morde" ist das Unwort des Jahres 2011. Die Jury der sprachkritischen Aktion hat es unter mehreren hundert Vorschlägen ausgewählt, wie Jury-Sprecherin Nina Janich am Dienstag in Darmstadt mitteilte.

Unwort des Jahres 2011: Die rechtsradikal motivierten Morde an acht türkischen Kleinunternehmern und einem griechischen wurden anfangs als "Döner-Morde" bezeichnet. Auch von Süddeutsche.de. Das Bild zeigt einen Polizisten vor einem Dönerstand in Hessen.

(Foto: dpa)

Mit dem Ausdruck werden ganze Bevölkerungsgruppen ausgegrenzt und die Opfer selbst in höchstem Maße diskriminiert, indem sie aufgrund ihrer Herkunft auf ein Imbissgericht reduziert werden, hieß es zur Begründung.

Janich machte auch das Börsen-Unwort 2011 bekannt: Es ist "Euro-Gipfel". Diese Entscheidung wurde gemeinsam mit der Börse Düsseldorf getroffen.

Mehr als 2400 Vorschläge wurden für die Wahl des Unwortes 2011 eingereicht. Am häufigsten nannten die Einsender neben "Döner-Mord" die Worte "Stresstest" und "Rettungsschirm". "Stresstest" wurde im Dezember bereits von der Gesellschaft der Deutschen Sprache zum Wort des Jahres gewählt.

Das Unwort 2010 war "alternativlos", womit Politiker die von ihnen bevorzugten Lösungsansätze bezeichneten. Der Jury gehört in diesem Jahr auch der CDU-Politiker Heiner Geißler an. Janich trat zum ersten Mal als Jury-Sprecherin auf, nachdem der Frankfurter Uni-Professor Horst Dieter Schlosser nach zwanzig Jahren sein Amt an die Darmstädter Linguistik-Professorin und langjährige Kollegin in der Sprachrichterrunde übergeben hatte.