Plattenkabinett Hauptsache, der Beat stampft

Adam Levine von Maroon 5 bei der Album-Release-Party von "V" im iHeartRadio in Burbank, Kalifornien.

(Foto: REUTERS)

Das "People's Magazine" kürte Adam Levine von Maroon 5 zum "Sexiest Man Alive" 2013. Dummerweise fehlt dem Frauentraum aber die sexy Stimme. Neue Alben im Plattenkabinett.

Von Felix Reek

Nicht einmal eine Sekunde gönnen Maroon 5 dem Zuhörer. Schon ist sie da, diese schrille, quäkige Stimme von Adam Levine. Laut "People's Magazine" der "Sexiest Man Alive" des vergangenen Jahres. Der aber dummerweise nicht die "Sexiest Stimme Alive" besitzt. Ein paar Sekunden später im gleichen Song, der gleichzeitig die erste Single ist, klauen Maroon 5 bereits hemmungslos bei Police, Bruno Mars und Rihanna. Und da ist "Maps" gerade einmal eine Minute alt.

Mit dem College-Rock von Kara's Flowers, der Band mit der Levine in der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre begann, hat das schon lange nichts mehr zu tun. Dort sang der begehrte Frontmann, der seine Freundinnen gerne aus der Modelbranche rekrutiert, noch tief und kraftvoll. Nachdem die Band Elemente aus R'n'B und Pop integrierte, änderte sich auch die Stimme Levines - Maroon 5 waren geboren. Der Wechsel zahlte sich aus: Die Band landete Hits wie "This Love" und "Moves Like Jagger". Immer im Vordergrund: der hohe Gesang Levines.

Für die Großraumdisse

Das scheint auch zu erklären, warum man von den restlichen Musikern auf "V" nur wenig hört. Mit Pop, Rock oder was auch immer hat das nur noch wenig zu tun. Das aktuelle Album von Maroon 5 ist vor allem für die Großraumdisse entworfen: Hauptsache, der Beat stampft. Im besten Fall kommt dabei ein moderner Aufguss des 80er-Jahre-Stadionsounds von Duran Duran oder den Simple Minds heraus ("It Was Always You"), oder Adam Levines Version von Justin Timberlike, mit diesen hohen Tönen, die klingen, als habe ihm gerade jemand kräftig in die Kronjuwelen gekniffen ("Sugar"). Im schlimmsten Fall hat man die Songs schon während des Hörens wieder vergessen. Was aber auch das Beste am ganzen Album ist. Denn die Texte sind vernachlässigungswürdig. Es dreht sich immer nur um die Dreifaltigkeit des Pop: kennenlernen, lieben, verlassen.

Was Maroon 5 wirklich können, bleibt den meisten Zuhörern verborgen. Die besten Songs hat die Plattenfirma als Bonustracks auf die "Deluxe"-Variante des Albums verbannt. "Sex And Candy" etwa, eine Coverversion des 90er-Jahre Hits von Marcy Playground, den Maroon 5 als schmierigen Soul spielen, bei dem auch Adam Levines spezielle Stimme endlich Sinn macht. Al Green hätte seine wahre Freude gehabt. Oder "Lost Stars" vom "Begin Again"-Soundtrack, eine zurückgenommene Ballade im Stil von U2s "One". Dummerweise muss man dazu das komplette Album durchhören. Und das möchte man nun wirklich niemanden zumuten.

Wäre das Album ein Auto, welches Auto wäre es? Eine Corvette. Sieht spektakulär aus, andere sind aber besser.

Was würde Ozzy Osbourne sagen? Sharon??? Bring mir den Whisky! Aber schnell!

Wäre das Album ein Schauspieler, dann wäre es... Brad Pitt. Der ist auch am besten, wenn er hässliche Rollen spielt.

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