Die männliche Angst vor Kontrollverlust und Impotenz schlug bereits vor knapp hundert Jahren in apokalyptisch begründete Gewalt um. Als "Mörder von Mühlhausen" dachte der schwäbische Lehrer Ernst August Wagner im Jahr 1913 in erstaunlich ähnlichen Kategorien wie Anders Breivik.
Wahn kann rational, sehr methodisch und stringent argumentiert sein. Er formuliert seine Ideen durch die Sprache seiner eigenen Kultur, durch die Ängste seiner eigenen Zeit. Im paranoiden Denken des Massenmörders Anders Breivik sind Muster erkennbar, die anders und doch verwandt in einem Parallelfall aus dem Jahr 1913 auftauchen. Damals war es der Lehrer Ernst August Wagner, der im Kaiserreich als "Mörder von Mühlhausen" traurige Berühmtheit erlangte - und als prototypische Figur in Hermann Hesses Erzählung "Klein und Wagner" aus dem Jahr 1919 einging.
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Ernst August Wagner (hier auf einer Zeichnung) erlangte im Jahr 1913 traurige Berühmtheit - als "Mörder von Mühlhausen". (© dpa)
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Am 4. September 1913 war Wagner, schwäbischer Dorfschuldirektor aus Degerloch bei Stuttgart und hoffnungsvoller Autor mehrerer Versdramen, früh wie jeden Morgen aufgestanden, hatte einen Knüppel und ein Messer genommen und seine Frau und vier Kinder getötet. Dann bestellte er drei Liter Milch für den folgenden Tag und machte sich mit dem Fahrrad auf den Weg zum Stuttgarter Bahnhof und von dort aus mit Zwischenhalten nach Mühlhausen an der Enz.
Auf dem Weg gab er einige Briefe auf und besuchte die Familie seines Bruders. Sein kleiner Neffe zeigte ihm den neuen Kaninchenstall. Dann fuhr Wagner weiter. In Mühlhausen angekommen zündete er vier Häuser an, holte zwei Mauser-Pistolen aus seiner Reisetasche und schoss auf alle Männer, die er auf der Straße sah. Sieben von ihnen und ein zehnjähriges Mädchen wurden tödlich getroffen und zwölf weitere Männer verwundet, bevor ein Polizist ihn überwältigte. Ein weiterer Mann erlag Stunden später seinen Verletzungen.
Wagner war ruhig nach seiner Tat und zeigte keine Reue. Er hatte getan, was getan werden musste. Eine große Apokalypse stehe bevor, warnte er in den Briefen, die er vor seiner Tat verschickt hatte, ein kultureller Endkampf. Seine Familie hatte er aus Mitleid umgebracht um ihnen die Konsequenzen seiner Tat und die kommenden Schrecken zu ersparen. Er wollte ein Zeichen setzen. Sein ursprünglicher Plan war gewesen, alle Männer in Mühlhausen zu ermorden: "Ich werde Würgengel sein". Dann beschrieb er seinen Traum, danach Schloss Ludwigsburg zu stürmen: "Ich töte. Ins Schloss. Ich töte. Ich brenne und verbrenne [...\]. Und ich selbst kann mich dann in der Herzogin Bett verbrennen."
Ideologisch aufgerüstet
Wagner hatte sich jahrelang unbemerkt auf seine Tat vorbereitet. Er hatte Waffen und Munition gekauft, Schießübungen im Wald gemacht, hatte Ziel und Zeitpunkt geplant: im September, am Ende der Sommerferien. Vielleicht wollte er als gewissenhafter Beamter keinen Arbeitstag versäumen. Auch ideologisch hatte er aufgerüstet. In seinem Haus fand die Polizei Hunderte von Büchern, darunter Werke von Maxim Gorki, Ernst Haeckel, Hendrik Ibsen und Friedrich Nietzsche, sowie ein von ihm selbst verfasstes Drama über Kaiser Nero. Seine Bekennerbriefe trugen die Überschrift: An mein Volk.
Der Psychiater Robert Gaupp wurde hinzugezogen - um zu entscheiden, ob der Oberlehrer zum Tode verurteilt werden könne. Er befand auf Schuldunfähigkeit und machte den Fall Wagner zum wichtigsten seiner Karriere, untersuchte den Patienten über viele Jahre. Als er ihn das erste Mal getroffen hatte, war er fast enttäuscht, wie er später gestand: "Ein ernster, gramgebeugter Mann trat mir entgegen, höflich, bereit, sich in alles zu fügen, in seinem ganzen Benehmen ein gebildeter Mensch."
Der gebildete Mörder hatte klare Gründe für seine Taten, wie Gaupp zu seinem Erstaunen fand. Im Zeitalter der Eugenik und der explodierenden Urbanisierung hatte Wagner geschrieben: "Es ist des Volks viel zu viel, die Hälfte sollte man gleich totgeschlagen. Sie ist das Futter nicht wert, weil sie schlechten Leibs ist. Von allen Erzeugnissen des Menschen ist ausgerechnet der Mensch das schlechteste."
Wagners Abscheu gegen die Menschheit bestimmte sein gesamtes Weltbild: "Überall aber täte eine große Sanierung der Menschheit not . . . Ich habe ein scharfes Auge für alles Kranke und Schwache, bestellt mich zum Exekutor . . . 25 Millionen Deutsche nehme ich auf mein Gewissen..."
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Dass Massenmörder signifikant häufig aus problematischen Familien stammen, ist eine Generalisierung, die auch durch die von Ihnen genannten Fakten nicht falsifiziert wird. Ich gebe freilich gerne zu, dass nicht jeder, der aus einer zerrütteten Familie stammt, dazu bestimmt ist, ein Massenmörder zu werden. Aber auch nicht jeder Sarrazin-Leser ist ein heimlicher Bomben-Bauer - wenn auch viele Kommentare der letzten Tage eben dies suggerieren.
was hier verzapft wird... Jetzt muß Vater, Mutter, Großmutter, bald noch Onkel, Cousins und Cousinen herhalten, um einen Massenmord zu begründen.
Allerdings ist hier auch der Artikel schlecht: alle Vergleiche mit ehemaligen Mördern oder irgendwelchen anderen Personen wird dem nicht gerecht und sind abolsut überflüssig. TuMas
dann kann man auch behaupten, das männliche einzel kinder generell gefährlicher sind. hitler und stalin wuchsen als einzel kinder auf. hitler und stalin mit vätern, die aber zur gewalt neigten. also kinder können auch in einer ehe leiden. nur moa zedong ging es besser. also gewalt in der familie ist schlecht. zerüttete verhältnisse sind schade und traurig, aber wie sagt meine nachbarin, aufgewachsen im waisenhaus und zuhause, mit 4 geschwistern von drei vätern, es rechtfertigt keinen mord.... das erklärt jetzt leider nicht warum zetong auch ein großer massenmöder wurde....und warum sind massenmörder, amokläufer und diktatoren fast immer männlich....und das schon vor dem bösen feminismus....fragen fragen fragen
Aber was mich aufregt: deren Taten werden leichtfertig mit der fremdartigen Religion begründet, so dass sich jeder anständige Muslim schämen muß.
Wo steht etwas über Ibsen, Haeckl, Gorki ... in Artikel oder Kommentar, wo etwas über Computerspiele? Nietzsches Werk wurde Opfer nationalsozialistischer Bücherverbrennung? Ich hätte schwören können, Hitler war glühender Verehrer Nietzsches (wofür Letzterer nichts konnte). In welchen Altersgruppen werden viele Computerspiele gespielt? In denen der weniger intelligenten?
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