#OscarsSoWhite Wen die Oscar-Jury übersehen hat - und warum das gar nicht so schlimm ist

Ryan Coogler FILE - In this Tuesday, Jan. 5, 2016 file photo, director Ryan Coogler attends The National Board of Review Gala, honoring the 2015 award winners, at Cipriani 42nd Street in New York. “Creed” helmer Coogler is set to direct Marvel and Disney’s “Black Panther” movie, the studio announced on Monday, Jan. 11, 2016. Chadwick Boseman has already been cast as the titular superhero. (Photo by Evan Agostini/Invision/AP, File)

(Foto: AP)

Alle regen sich über die "weißen Oscars" auf. Aber wer wurde eigentlich konkret übergangen? Ganz vorne auf der Liste steht das Hollywood-Wunderkind Ryan Coogler.

Von David Steinitz

In Hollywood wird noch immer wild über die bevorstehende Oscarverleihung am 28. Februar diskutiert - und warum mal wieder so wenig schwarze Filmemacher nominiert wurden. Dabei sollte man sich inmitten des prominenten Proteststurms gegen die amerikanische Filmakademie, die die Oscars vergibt, auch mal genauer ansehen, wer in diesem Filmjahrgang konkret übergangen wurde.

Neben Schauspielern wie Idris Elba, der im Netflix-Kriegsdrama "Beasts of No Nation" eine durchaus preiswürdige Darstellung eines grausamen Kommandanten hingelegt hat, oder den Hauptdarsteller-Jungs aus dem Hip-Hop-Biopic "Straight Outta Compton", die ebenfalls eine Nominierung verdient hätten, wurde in erster Linie ein schwarzer Filmemacher übersehen, den bislang kaum jemand namentlich auf dem Radar hatte: der Regisseur Ryan Coogler.

Cooglers aktueller Film ist das großartige Boxdrama "Creed", eine kluge, lustige und melancholische Fortschreibung der legendären "Rocky"-Serie mit Sylvester Stallone.

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Coogler ist erst 29 Jahre alt, dreht aktuell aber bereits seinen dritten Kinofilm - und hat sich mit "Creed" als veritables Hollywood-Wunderkind erwiesen, das man künftig dringend im Blick behalten sollte. Dass er aus der alten, weißen "Rocky"-Reihe nicht nur einen würdigen Ableger, sondern ein raffiniertes Update gemacht hat, ist wirklich kein kleines Kunststück - vor allem weil er die Geschichte eines abgehalfterten weißen Boxers (Stallone) weitererzählt und mit seinem neuen Protagonisten Adonis (Michael B. Jordan) trotzdem in ein junges, schwarzes Milieu überführt, ohne dass sich dieser Drehbuchkniff auch nur eine Filmminute lang nach Schraubstock anfühlt.

Coogler, Jahrgang 1986, hat an der berühmten Filmhochschule der University of Southern California studiert, wo bereits Regielegenden wie George Lucas und Robert Zemeckis ihr Handwerk gelernt haben. Nach einigen Kurzfilmen hatte er seinen ersten kleinen Durchbruch 2013 mit dem Drama "Nächster Halt: Fruitvale Station". Darin erzählt er die letzten 24 Stunden im Leben des jungen Afroamerikaners Oscar Grant (ebenfalls: Michael B. Jordan), der in der Silvesternacht 2008/09 von einem Polizisten an der Fruitvale Station erschossen wurde. Dafür wurde Coogler auf diversen Festivals mit Nachwuchspreisen ausgezeichnet, unter anderem in Cannes in der Reihe "Un Certain Regard".

Auf der einen Seite kann man sich jetzt natürlich dem allgemeinen Proteststurm anschließen und empört fragen, warum ausgerechnet so ein außergewöhnlich talentierter Filmemacher nicht für einen Oscar nominiert worden ist. Auf der anderen Seite könnte man zur Abwechslung aber auch mal andersherum denken: Braucht ein leidenschaftlicher, wilder Regisseur und Drehbuchautor wie Coogler, der gerne mit allen Stilmitteln des Kinos experimentiert und nicht für die üblichen Filmpreisdramen, sondern für innovatives Filmemachen steht, überhaupt einen so konservativen und altbackenen Preis wie den Oscar?

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