Meinhard von Gerkan zum 80. Geburtstag Der Weltläufige

Meinhard von Gerkan und Berlin haben einander geprägt.

(Foto: Roland Magunia/Bloomberg News)

In 50 Jahren Berufsleben hat Meinhard von Gerkan 350 Bauten realisiert, darunter Museen, Konzerthallen, Verkehrsbauten, Krankenhäuser, Arenen und Flughäfen. Sein Architekturbüro ist eines der weltläufigsten, die Deutschland hervorgebracht hat - eine Hommage zu seinem 80. Geburtstag.

Von Gerhard Matzig

Wer das Architekturbüro gmp (Meinhard von Gerkan, Volkwin Marg und Partner) anruft und in Hamburg in die Telefon-Warteschleife gerät, hört Möwen. Das ist der Lage des Büros an der Elbchaussee geschuldet
. Dem Blick über den Hafen. Hamburg, Tor zur Welt. Das ist Meinhard von Gerkan, der am Samstag 80 Jahre alt wird und aus Riga von der Ostsee stammt, zu gönnen. Ein Hafen ist nicht das schlechteste Bild, um das von ihm 1965 mitbegründete Büro gmp zu beschreiben.

Es ist eines der weltläufigsten Architekturbüros, die Deutschland hervorgebracht hat. In dem halben Jahrhundert seines Bestehens sammelte es 590 Wettbewerbspreise ein, 350 Bauten wurden realisiert, darunter Museen, Konzerthallen, Verkehrsbauten, Krankenhäuser, Arenen, Flughäfen.

Gebaut wurde Großes und Kleines, Bedeutsames und Alltägliches, in Gelsenkirchen wie in Lingang. 500 Mitarbeiter von gmp arbeiten in Aachen, Doha, Moskau - gmp ist in der Welt zu Hause.

Meinhard von Gerkan, der seine deutsch-baltischen Eltern im Krieg und auf der Flucht aus Posen verloren hat und in einer Hamburger Pflegefamilie aufwuchs, ist, wenn er auf die Elbe-Möwen blickt, angekommen. Doch zugleich: reisefertig. Wenn man ihn trifft, dann ist er stets unterwegs von Baustelle zu Baustelle. Der Hafen, ob einer am Wasser oder einer für die Lüfte, ist ein guter Ort für ihn, Hamburg ist die richtige Adresse für sein Hauptquartier.

Berlin allerdings ist schicksalshafter für den hochdekorierten Architekten. Verteufelter auch. Und wieder hat man es mit Häfen zu tun, mit dem alten Flughafen in Tegel einerseits und dem nie enden wollenden Wahnsinn des neuen Großflughafens BER in Schönefeld andererseits.

Seinem Geburtsort schenkte er eine Hommage an die klassische Moderne

Der eine Flughafen, ein Geniestreich, Tegel, der erste Drive-in-Airport Deutschlands, steht am Beginn der erstaunlichen Karriere des Meinhard von Gerkan. Der andere, Schönefeld, das Desaster, markiert keineswegs das Ende eines Berufslebens, ist aber trotzdem: ein Blick auf einen Hafen, wie er untröstlicher kaum sein kann.

Tegel gilt bis heute als Meilenstein in der Geschichte der Verkehrsbauten. BER dagegen ist eher ein Stein des Anstoßes, der allenfalls für eine Erkenntnis taugt: Wer Architektur machen möchte, sollte sich vor politischen Bauherrn, Managern und Gremien aller Art hüten.

Meinhard von Gerkan trifft kaum Schuld am Debakel in Schönefeld, das doch vom Bauherrn verursacht wurde. Aber dennoch wird er für immer eines bleiben: BER-Architekt - auch wenn er sich längst vom Projekt verabschiedet hat.

Vielleicht sollte er heute von Hamburg aus nicht nach Berlin in die öde Steppe schauen, sondern wieder zurück nach Riga.

Zeichenhaft für Gerkans Architekturverständnis, das immer wieder an das Bauhaus wie an die Raumführungen von Le Corbusier erinnert, steht dort am Rigaer Ostseestrand inmitten mächtiger Kiefern die Villa Guna, die nach seinem Entwurf 2006 fertiggestellt wurde. Sie blickt sehnsuchtsvoll aufs Meer. Das Haus ist eine Hommage an die klassische Moderne und ein beredtes Zeugnis der in dieser Moderne verwurzelten Entwurfskunst eines Architekten, der zuletzt eigentlich nur noch als "Star-Architekt" wahrgenommen wurde. Der aber vor allem ein Architekt ist. Ein guter Architekt. Das ist viel.