Kunstakademie in Nordkorea Kim Jong Uns Hofnarren

Hauptsache, es sieht gut aus: Morten Traavik (rechts), der Initiator einer Kunstakademie in Nordkorea, und sein Kollege Henrik Placht rahmen einen nordkoreanischen Soldaten.

(Foto: Morten Traavik)

Der norwegische Künstler Morten Traavik bewundert Nordkoreas Massenspektakel. Mit einem Kollegen plant er nun eine Kunstakademie in Pjöngjang - ungeachtet der Verbrechen, die das Regime begeht.

Von Thorsten Glotzmann

Wie es klingt, wenn norwegisches Liedgut auf nordkoreanische Perfektion trifft, erfuhr die Welt im Februar 2012 durch ein Video auf dem Internetkanal Youtube: Fünf Akkordeonisten einer Musikschule in Pjöngjang sitzen auf weißlackierten Holzstühlen vor einem großformatigen Gemälde, das eine kitschige Winteridylle zeigt, in der Ecke Sonnenblumen aus Kunststoff. Was die Musiker spielen, ist "Take On Me" von der norwegischen Popband A-ha. Das Video wurde fast zweieinhalb Millionen Mal geklickt.

Gefilmt und hochgeladen hat es der norwegische Künstler Morten Traavik. Nun will er mit seinem Kollegen Henrik Placht eine Kunstakademie in Pjöngjang gründen. Die Akademie soll etwa sieben internationale und ebenso viele nordkoreanische Künstler in einer Ausstellung versammeln und sich erst einmal auf zwei Wochen im August 2015 beschränken. Am Telefon in Stockholm sagt Traavik: "Das ist eine Art Realityshow, von der man gar nicht wusste, dass man sie sehen wollte."

Die Big-Brother-Parallele liegt nahe in einem autoritären Überwachungsstaat wie der Volksrepublik Nordkorea, in der nicht nur Kunst staatlicher Kontrolle unterliegt. Wie es um die Meinungs- und Informationsfreiheit bestellt ist, geht aus der Rangliste der Pressefreiheit hervor, welche die Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen herausgibt: Nordkorea belegt den vorletzten Platz vor Eritrea.

Kunstakademie von Einschränkungen umzäunt

DMZ soll die Akademie heißen, benannt nach der demilitarisierten Zone an der Grenze zwischen Nord- und Südkorea. In dieser Geisterlandschaft finden seit 2012 regelmäßig Kunstprojekte statt, im Moment eines unter der Leitung des deutschen Kurators Nikolaus Hirsch (SZ vom 8. Oktober). Wie die Pufferzone mit ihren Sperranlagen und Wachtürmen, so ist auch die geplante Kunstakademie von Einschränkungen umzäunt. Explizite Kritik am nordkoreanischen Regime wäre wenig hilfreich, glaubt Morten Traavik: "Das würde den Konflikt doch nur verstärken." Künstler wie Pussy-Riot, Ai Weiwei und andere sind also ebenso ausgeschlossen wie abstrakte Maler.

"Jedes strenge Regime bevorzugt Kunst, die figurativ und einfach ist, vor allem einfach zu interpretieren", sagt Morten Traavik. Die am sozialistischen Realismus der Sowjetunion geschulte Kunst Nordkoreas habe eine bestimmte Funktion: Sie soll motivieren oder erziehen.

"An den Schulen lernen Nordkoreaner, dass sie positiv und konstruktiv sein müssen und etwas Konkretes darstellen sollen", erzählt Traavik. Die Vielfalt an Motiven ist überschaubar: Landschaften, optimistische Arbeiterinnen, glückliche Bauern und Tiere - nicht zu vergessen die glorifizierenden Darstellungen der ewigen Präsidenten.