Kabarettist Georg Schramm in Berlin Arm gegen Reich

"Was wir hier an Schlamassel erleben mit dieser Habgier unglaublichen Ausmaßes, das ist historisch gesehen ein Sonderfall und nicht der Normalzustand", ereifert sich Dombrowski. Das Publikum dürfe nicht hereinfallen auf die Mär von der "Alternativlosigkeit", die die Bundesregierung in Bezug auf die Bankenrettungen ausrufe. Seit es den Kapitalismus gebe, würden Spekulationsblasen platzen, nur sei früher vernünftiger damit umgegangen worden.

Kein Spaß

Das ist das Besondere: Wo anderswo politisches Kabarett endet und dem Zuschauer das Weiterdenken selbst überlässt, da bestimmt Schramm, dass das Ganze kein Spaß ist. Und Deutschland sich in einem nur mühsam verdeckten Krieg befinde. Die Gegner heißen nicht Jung gegen Alt, Links gegen Rechts oder Merkel gegen Steinbrück, sondern: Reich gegen Arm. Weshalb es höchste Zeit werde, in diesem Krieg eine Haltung einzunehmen.

Und sei es nur, dass Rentner bei Demonstrationen als "lebende Schutzschilde" agierten. Denn sowohl in Stuttgart als auch in Istanbul habe sich gezeigt, dass die Polizei noch härter durchgegriffen hätte, wenn nicht so viele Senioren unter den Demonstranten gewesen seien. Das sei doch zumindest eine sinnvolle Verwendung einer ansonsten unerwünschten und unsichtbaren Masse von Alten.

Die Massen für den Kampf zwischen Gut und Böse aufklären und mobilisieren, das will dieser gealterte Meister Yoda kurz vor seinem eigenen Ende. Denn ihm selbst bleibe nicht mehr viel Zeit - bevor er dem senilen Schwachsinn anheimfalle. Auch deshalb, weil er endlich kapiert habe, dass die Habgier auf der Welt "unausrottbar" sei.

"Denn die Kernenergie des Bösen ist die Habgier", so Dombrowski. "Deshalb wird sie seit Tausenden von Jahren von allen großen Kulturen und ernstzunehmenden Religionsführern geächtet, gejagt und bekämpft. Aber sie ist deshalb unausrottbar, weil die Habgier durch den Besitz nicht gestillt wird, sondern nur durch den Erwerb. Und das ist ein flüchtiger Augenblick. Das ist die Lösung des Rätsels, warum die Reichen immer mehr Besitz anhäufen müssen - auf Kosten der Armen."

Traurige Clowns

Es sind analytische Sätze wie dieser, eingebettet zwischen messerscharfe politische Pointen und ein bisschen Publikumsbeschimpfung zum Spaß, die Georg Schramm so viel Gewicht verleihen. Der Zuschauer schwankt zwischen Ernst und Spaß, Brüllen und eifrigem Nicken, es sieht den lustigen Clown (August) und den traurigen Clown (Dombrowski) auf der Bühne scheitern, und er mag sich darüber amüsieren. Doch die ein oder andere Spitze gegenüber den Regierenden, den politischen Verhältnisse und der Macht des Geldes, die brennt Schramm, der Psychologe, tief ein ins Bewusstsein.

Georg Schramm hatte sich von der erfolgreichen ZDF-Politsatire-Sendung "Neues aus der Anstalt" 2010 verabschiedet, um dem Publikum auf der Bühne wieder näher zu kommen. Mitte 2012 hat er bekanntgegeben, dass er nur noch bis Ende 2013 als Solo-Kabarettist auf der Bühne stehen wird. An diesem Mittwoch wurde nun verkündet, dass auch sein Kollege Urban Priol und sein Nachfolger Frank-Markus Barwasser alias Erwin Pelzig die Anstalts-Show verlassen. Wer ihnen nachfolgt, ist noch ungewiss.