Frauen im Film Frauen im deutschen Film - nur Männer im Kopf

Der Schuh des Manitu, Keinohrhasen, Der bewegte Mann: Die SZ hat die 15 erfolgreichsten deutschen Filme angeschaut und gefragt: Bestehen sie den Bechdel-Test?

Von Luise Checchin

Zwei Frauen in einem Zelt, die stöhnen. Das ist die Eingangsszene von "Der Schuh des Manitu", dem erfolgreichsten deutschen Film der vergangenen Jahrzehnte. In sich ist die Szene schlüssig, immerhin bringt hier eine amerikanische Ureinwohnerin - gespielt von Anke Engelke - unter nicht gerade bequemen Bedingungen Zwillinge zur Welt. Die Frau hat also allen Grund zu stöhnen und ihre Hebamme, die sich mit der Patientin solidarisiert, ebenfalls. Wo also ist das Problem?

Das Problem ist, dass die Szene in den gut 90 Filmminuten die einzige ist, in der zwei Frauen miteinander interagieren. Man muss interagieren sagen, denn als Gespräch kann man diese Stöhnorgie kaum bezeichnen. Will man ganz genau sein, muss man außerdem erwähnen, dass die Anke-Engelke-Szene nur in der Extended Version des Films enthalten ist, in der Originalversion von 2001 gibt es keine einzige Szene, in der zwei Frauen miteinander zu tun haben.

Der Bechdel-Test: ein populäres Werkzeug

"Der Schuh des Manitu" ist damit ganz klar durch den sogenannten Bechdel-Test gefallen. Dabei braucht es wirklich nicht viel, um diesen Test zu bestehen. Drei sehr einfache Kriterien muss ein Film dafür erfüllen. Erstens: Es kommen mindestens zwei Frauen darin vor. Zweitens: Die Frauen sprechen miteinander. Drittens: Sie sprechen über etwas anderes als über einen Mann.

Der Bechdel-Test ist kein wissenschaftlicher Test, überhaupt kam er eher zufällig in die Welt. 1985 ließ die Zeichnerin Alison Bechdel in ihrem Comicstrip "Dykes to watch out for" zwei Frauen an einem Kino vorbeigehen und sich darüber unterhalten, dass sie keinen Film mehr sehen möchten, der die drei erwähnten Kriterien nicht erfüllt. Aus diesem beiläufigen Dialog ist über die Jahre ein populäres Werkzeug geworden, mit dem gezeigt werden soll, wie sehr Filme noch immer von Stereotypen durchzogen sind. In Schweden haben vor drei Jahren einige Kinos und ein Fernsehsender den Test sogar als eine Art Gütesigel für Filme eingeführt - mit der Unterstützung des Schwedischen Filminstituts.

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Mehr als ein Drittel der untersuchten Filme fällt durch

Das Kulturressort von SZ.de hat sich nun die 15 meistgeschauten (west-)deutschen Film- und Koproduktionen der vergangenen 50 Jahre angesehen und gefragt: Bestehen sie den Bechdel-Test?

Das Ergebnis: Sechs Filme, also 40 Prozent, fallen klar durch. Dazu gehören neben "Der Schuh des Manitu" die ersten beiden "Otto"-Filme, "Der bewegte Mann", "Zur Sache, Schätzchen" und "Mein Name ist Nobody". Nur der letztgenannte erfüllt keines der drei Kriterien. Die meisten der durchgefallenen Filme lassen dagegen an irgendeinem Punkt zwei Frauen miteinander sprechen. Allerdings haben die Frauen dabei eben nichts anderes als Männer im Kopf - ob das nun Katja Riemann ist, die sich in ihrer Rolle als Doro in "Der bewegte Mann" nach ihrem Ex-Freund Axel sehnt, oder in "Otto - Der Film" ein Mutter-Tochter-Streitgespräch über die Qualitäten der männlichen Hauptfigur.

Es lohnt sich, noch einmal kurz darauf zu beharren: Um den Test zu bestehen, würden zwei Frauen in einem neunzigminütigen Film ausreichen, die über irgendetwas anderes als einen Mann reden - fünf Sekunden über das Wetter, das Frühstücksei oder den Busfahrplan wären genug. Aber in sechs der 15 untersuchten Filme gibt es keine solche Szene.

Natürlich lässt sich einwenden, dass 15 Filme eine sehr kleine Stichprobe sind. Im Netz findet sich eine sehr viel breiter angelegte Untersuchung von 4000 US-amerikanischen Filmen der vergangenen 20 Jahre. Danach fallen 37 Prozent der Filme durch, also in etwa die gleiche Größenordnung wie in unserer Stichprobe.