Emanzipation Der Feminismus scheint sich aufzusplittern

So stellen sich die Autorinnen die Haltung der Tussi vor. Sie fühlt sich immer und überall als unterdrückte Frau, kämpft stets gegen Diskriminierung an - ganz egal, ob die wirklich vorhanden ist. "Damit macht man das Geschlecht unnötig zu einem Riesenthema", sagt Knüpling. Es sei hinderlich, jede Frage aus dieser Perspektive anzugehen. "Oft passt es einfach nicht. Weil es eigentlich gar nicht um Männer und Frauen geht, sondern vielleicht um zwei erwachsene Menschen, die beide nicht gern die Spülmaschine ausräumen."

War es das also jetzt? Der Feminismus scheint sich in Interessengemeinschaften aufzusplittern. Immer mehr Frauen distanzieren sich von einer Bewegung, der sie sich nicht mehr zugehörig fühlen. Andererseits: Auch Bäuerlein und Knüpling wollen irgendwie Feministinnen sein. Den Begriff greifen sie nicht an - obwohl sie in einem eher wirren Kapitel über eine Frau, die ihr Geschlecht verändert hat, auch mal das Konzept Frau als solches infrage stellen.

"Wir sind uns natürlich bewusst, dass nicht alles gut ist", sagt Bäuerlein. Den Kampf der Geschlechter für beendet erklären, die gleichberechtigte Gesellschaft ausrufen: dass das naiv wäre, ist den Autorinnen bewusst. Dass sie Beifall aus der falschen Ecke bekommen werden, ebenfalls.

Ist es nicht schon wieder 'typisch Frau'?

Eigentlich ist es total bescheuert. Zwei junge Autorinnen wehren sich gegen Frauenquoten, gegen eine Bewegung, die findet, dass ihnen mehr Geld zusteht, gegen eine große Gruppe von Menschen, die sie nur aufgrund ihres Geschlechts unterstützen würde.

"Ist es nicht schon wieder ,typisch Frau', dass wir uns gegenseitig anzweifeln? Dass Sie also diejenigen, die Frauen fördern wollen, kritisieren, statt sie zu unterstützen?" - diese Frage wurde beiden im Interview mit der Zeitschrift Brigitte gestellt. Die Antwort kam ein bisschen schwerfällig, nein, ja, Frauen sollten sich nicht ständig als "Repräsentantin des gesamten Geschlechts" betrachten. Nun ja.

Was hier geschehen ist, ist wohl das, was jeder erfolgreichen Bewegung irgendwann passiert: Es gibt keine Antwort mehr, die für alle passt. Auch diejenigen, die von der Bewegung profitieren, wollen sich von ihr nicht vorschreiben lassen, was sie zu denken haben. Das Individuum, so scheint es, siegt über kurz oder lang über die Gemeinschaft - auch, weil die große Bewegung im Alltag oft nur schwer Platz findet. Weil Männer dort nicht immer Vorteile haben, weil es, um mit den Worten der Autorinnen zu sprechen, sehr oft "künstlich" wirkt, wenn Privates und Politisches miteinander vermischt werden.

Als Angela Merkel vor etwa einem Jahr mit der Brigitte sprach, sagte sie etwas sehr Banales: "Wenn ich im Kochtopf rühre, denke ich nicht jede Sekunde: Die Kanzlerin rührt im Kochtopf." Vielleicht war das auch ein Art Debattenbeitrag.