Dokumentation über Beyoncé Knowles Entfaltung weiblicher Wucht

Es ist viel harte Arbeit zu sehen, Studioaufnahmen, Tanzproben, Tourmanager am Rande des Nervenzusammenbruchs, der Alltag eines perfektionistischen Hochleistungs-Unterhaltungsbetriebes. Ein paar Bilder aus der Zeit mit Destiny's Child, ein paar Bilder mit dem Privathubschrauber oder auf einer Yacht mit ihrem Ehemann Jay Z, dem Rapper. Dann: Plattenbosse, die beim ersten Hören rhythmisch mit den Köpfen vor- und zurückzucken, was an engagierte Hiphopper denken lassen soll, tatsächlich aber an Straßentauben erinnert. Und, besonders beeindruckend, die Rechennerds, die in riesigen Fabrikhallen, die digitalen Grafikeffekte basteln, aus denen Bühnenshows heute im Wesentlichen bestehen.

Ansonsten wird eigentlich nur von zwei Dingen erzählt, erstens kurz vom Bruch mit dem dominanten Vater, der die Tochter von klein auf für das Musikbusiness trainiert hatte; zweitens und ausführlicher von der Geburt ihrer Tochter, die, Weltpremiere, in dem Film schließlich erstmals kurz in die Kamera gehalten wird. Das Thema ist aber letztlich das gleiche: erst Emanzipation, Entfaltung weiblicher Wucht, schließlich sozusagen sogar deren Verdopplung: Die Schwangerschaft mit ihrer Tochter ist der einzige rote Faden, den der Film hat. Es gibt auch eine anrührende Passage, in der Beyoncé vom Scheitern einer vorangegangenen Schwangerschaft erzählt, und ihr Regieeinfall für solche Momente ist die Webcam ihres Computers, dem sie sozusagen vor dem Schlafengehen das Private beichtet.

Es ist dann erstaunlich zu sehen, wie lange sie trotzdem ihre akrobatischen Shows durchzieht. Aber in Amerika wird generell bis fünf Minuten vor der Entbindung gearbeitet, und zwei Wochen später geht es wieder los. Kaum ist das Mädchen da, sieht man Beyoncé mit ihrer Mähne wieder den Bühnenboden feudeln. Die Choreografen müssen etwas mit Hausfrauen und Porno im Sinn gehabt haben. Sie hat nicht viel mehr dabei an als eine minderjährige Bodenturnerin aus Rumänien, eher weniger, sie sagt: "Antreten und so hoch hinauswollen, wie es nur geht - das ist meine Philosophie", und sie singt "I was smart enough to make a million". Wie nennt sich so was? Bling Feminism?

Das, was einmal die Girls-Reihe war, bildet einen Keil, mit ihr an der Spitze, ansonsten ist es immer noch exakt so, wie das Siegfried Kracauer in "Ornament der Masse" über die amerikanischen Revuetänzerinnen der Zwanzigerjahre gesagt hat: Sie sind in ihrer maschinenhaften Präzision und geometrischen Aggressivität selbst eben nicht Erotik, sondern beschreiben nur ihre Stelle.

Gar nicht so schlimm wie erwartet

Jedenfalls konnten die Fans von Beyoncé Knowles lernen, dass sie von allen amerikanischen Superstars sicherlich der sympathischste, warmherzigste und unkomplizierteste ist. Der Autor fand die Musik am Ende gar nicht so schlimm wie erwartet, auch wenn unbegreiflich bleibt, warum der Gesang immer so gepresst sein muss, als ob die Künstlerin bei der Arbeit auf dem Klo hocken würde.

Und was das Ergebnis so eines filmischen Selbstporträts betrifft: Es ist ein bisschen wie mit den Fotos, die junge Mädchen gern auf Facebook von sich einstellen - mit Schmollmund, und der Arm, der das Handy hält, drückt gleichzeitig noch ein bisschen das Dekolleté nach oben. Das ist nicht unbedingt immer gelungen, das ist auch nicht unbedingt so sexy, wie es tut. Aber es ist immerhin sehr selbstbestimmt, und offensichtlich ist das Handyfoto aus dem gestreckten Arm nun einmal die Art, in der wir uns heute Bilder von uns selbst machen. Insofern war Frau Knowles nur mal wieder ganz vorne dran und oben dabei.