Die CDs der Woche - Popkolumne Noch zu retten

Zum Glück gibt es neben den Charts die YouTube-Views. Sie verhalfen der französischen Formation "C2C" zu dem Ruhm, den sie verdient. Die Bands "Karmin" und "Die Orsons" müssen hingegen noch üben. Hören Sie selbst in unserer aktuellen Popkolumne.

Von Jens-Christian Rabe

Enthält rollende Bastelorgien, vor denen kein bekannter Soundschnipsel der Popgeschichte sicher zu sein scheint: Das erste echte Album des DJ-Quartetts C2C namens "Tetr4".

C2C

Die deutschen Charts können eine triste Sache sein, wenn man es etwas genauer nimmt mit der Musik. Wenn es einem also nicht völlig egal ist, was das Hirn von innen ansägt. Die Kastelruther Spatzen standen in der vergangenen Woche mit ihrem neuen Album mal wieder in den Top-Ten. Und die Toten Hosen. Und der Bombast-Synthie-Kitsch von Schiller, der wie zuletzt Joachim Witt und Unheilig offenbar am liebsten Soundtracks für die allgemeine Mobilmachung komponiert. Sogar auf Platz eins.

In dieser Woche wird es am Freitag, wenn die neuen Charts offiziell veröffentlicht werden, wohl kaum besser. Auf dem ersten Platz wird dann Bushidos neues Album "Amyf" stehen (keine Sorge, das sind nur die Anfangsbuchstaben seiner vier bürgerlichen Namen) und das zweite Soloalbum "Wenn der Anker fällt" des einstigen Flippers-Sängers Olaf. Aber gut, wie heißt noch mal das neue Album der Kastelruther Spatzen: "Leben und leben lassen". Argh.

Zum Glück hat sich ja längst auch noch eine andere und - in Zeiten, in denen oft 15.000 verkaufte Einheiten für einen Nummer-Eins-Album reichen - oft viel eindrucksvollere Währung im Mainstream-Pop etabliert: die YouTube-Views. Der Audio-Clip und das Video zur Single "Down The Road" des französischen Sample- und Scratchkünstler-Quartetts C2C etwa wurden bei YouTube zusammengerechnet inzwischen über 10 Millionen Mal angesehen - und zwingender kann man Delta-Blues nicht mit Hip-Hop und Filter-House verbasteln.

Dem in dieser Woche erscheinenden ersten richtigen C2C-Album "Tetr4" (On And On/Universal) fehlen leider ein paar weitere Hits dieses Formats. Man kann sich aber sehr gut vorstellen, dass rollende Bastelorgien wie "Happy", vor denen kein bekannter Soundschnipsel der Popgeschichte sicher zu sein scheint, ein irres Konzert ergeben. Wir wünschen natürlich auch für die deutschen Charts alles erdenklich Gute.

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