Berlinale: "Metropolis" Eine Göttin kehrt zurück

Bei der Berlinale erlebt "Metropolis" eine Renaissance. Doch wer ist die geheimnisvolle Hauptdarstellerin? Die 16-Jährige wurde damals über Nacht zur umjubelten Diva.

Von Christian Mayer

Die Sensation des deutschen Kinos betritt die Bühne mit einem Unschuldsgesicht. Eine riesige Art-déco-Tür geht auf, die Bewohner von Metropolis unterbrechen sofort ihre amourösen Wasserspiele. Alle Blicke sind auf diese schlanke junge Frau gerichtet, in die sich der Sohn des Herrschers sofort unsterblich verliebt.

Die Schöne steht inmitten einer Schar von Arbeiterkindern, eine heilige Maria der Armen; die Augen hat sie weit aufgerissen. Sie trägt ein raffiniert einfaches Kleid und überstrahlt doch den ganzen Pomp von Neu-Babylon. Die perfekte Hülle, die blendende Makellosigkeit wird verkörpert von Brigitte Helm, einer 16-Jährigen ohne Geschichte. Ein Nobody spielt in Fritz Langs Metropolis die Doppelrolle als Heldin der Unterdrückten und als Dämon des Kapitalismus.

Faszinierende Ausdruckskraft

Über die neue rekonstruierte Fassung des Films ist sehr viel berichtet worden, denn am Freitagabend erlebt er in seiner "Premierenfassung" bei der Berlinale eine feierliche Wiederaufführung - Metropolis ist deutsches Kulturgut, cineastische Wertarbeit. Aber wer ist das geheimnisvolle Roboterwesen? Wer ist die Madonna der Maschinenwelt, die ganze Generationen von Science-Fiction-Regisseuren inspiriert hat?

Die Karriere der Brigitte Helm ist kurz, glanzvoll und exemplarisch für den Starkult, der in den zwanziger Jahren im deutschen Kino herrschte. Die Tochter eines früh verstorbenen Berliner Kaufmanns spielt schon in Schüleraufführungen mit, ihre Mutter brennt bald vor Ehrgeiz und reicht ein Mädchenbild der Laiendarstellerin bei der Ufa ein, dem beherrschenden deutschen Filmkonzern.

Regisseur Fritz Lang ist von der Ausdruckskraft der jungen Pensionatstochter fasziniert, er lädt Brigitte Schittenhelm, wie sie damals noch heißt, in die Filmstudios nach Babelsberg ein. Lang glaubt, die ideale Hauptdarstellerin für sein Metropolis-Projekt gefunden zu haben, das nach anderthalb Jahren Produktionszeit die übersteigerten Erwartungen nicht ganz erfüllen kann.

Die Kritik ist hin- und hergerissen: Die einen sehen in Langs Film ein ermüdendes Melodram, das in einem mittelalterlichen Totentanz kulminiert, die anderen bewundern die großartigen Architekturbilder und die visionäre Darstellung eines Terrorsystems, in dem der Mensch zum Apparat degradiert wird.

Brigitte Helm ist bei der Premiere am 10. Januar 1927 im Berliner Ufa-Palast am Zoo noch nicht einmal volljährig, da erhält sie schon einen Ausnahmevertrag: Zehn Jahre lang soll sie für die Ufa Filme machen, der Metropolis-Star, der auch in Frankreich und den USA gefeiert wird, ist somit eine Leibeigene der größten europäischen Produktionsfirma.

Im Video: Die 60. Berlinale bringt internationale Stars und jede Menge Filme in die Hauptstadt. Unter anderem stellen Roman Polanski und Martin Scorsese ihre neuen Werke vor.

Weitere Videos finden Sie hier

30 Minuten mehr Mythos

mehr...