Seit sieben Jahren sitzt Michail Chodorkowskij in Haft. Ist er schuldig, oder hat er in einem archaischen Männerkampf den Kürzeren gezogen? Der Dokumentarfilm "Khodorkowsky" feiert in Berlin Weltpremiere.
Die Frau steht unschlüssig auf der Premierenparty in den Berliner Sophiensälen. Soll sie noch bleiben? Ein Fernsehteam aus Moskau nimmt ihr die Entscheidung ab, grelles Kameralicht knallt auf das blasse Gesicht der Frau. Sie muss jetzt reden. Der Reporter sagt hinterher einen komischen Satz: "Die Russen interessieren sich nicht so stark für Chodorkowskij, das tut nur ihr noch, im Westen."
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Berlinale-Dokumentarfilm über Chodorkowski gestohlen (© reuters)
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Im Westen also, in Berlin-Mitte, hat am Montag nicht viel gefehlt, und die Menschen hätten sich um Karten geprügelt im Kino International. Hier hatte am Montagabend der Dokumentarfilm "Khodorkowsky" von Cyril Tuschi Weltpremiere. Es wurde gebrüllt, diskutiert, geschrien, die Premiere um eine Viertelstunde verschoben. Vor dem Kino stand ein Mannschaftswagen der Polizei, und die russischen Gäste wurden von Leibwächtern begleitet. Wenige Tage zuvor waren Unbekannte in das Studio von Tuschis Filmfirma eingebrochen und hatten vier Computer gestohlen. Verfassungsschutz und Kriminalpolizei ermitteln. Tuschi will nicht spekulieren, wer die Diebe sein könnten, lieber zitiert er Spekulationen seiner russischen Freunde: "Viele halten es für möglich, dass der Kreml oder der russische Inlandsgeheimdienst hinter den Diebstählen stecken könnten." Auf den Computern war die Endfassung des russlandkritischen Films über den Öl-Oligarchen Michail Chodorkowskij gespeichert. Nur wenige Stunden zuvor hatte Tuschi der Berlinale eine Kopie seines Films zugesendet.
Der Film fängt grandios mit einer sehr langsamen 360-Grad-Drehung an, man sieht erst nur Himmel und Wolken und eine Schneelandschaft, das harmlose Russland also. Dann kommen eine orthodoxe Kirche ins Bild und schließlich Jugendliche. Kennen sie Chodorkowskij? Ein Mädchen schüttelt den Kopf: "Njet." Ihr Freund sagt: "Klar, das ist doch der, der Russland viel Geld gestohlen hat."
Vor allen Wladimir Putin hat dafür gesorgt, dass die Menschen in Russland so denken. Bei einem zweiten Prozess ist Chodorkowskij vor wenigen Wochen erneut verurteilt worden, bis 2017 bleibt er inhaftiert, weil er 218 Millionen Tonnen Öl von seiner Jukos-Firma gestohlen haben soll. Tuschis Film zeigt auch, dass es nicht empfehlenswert ist, sich mit Putin anzulegen.
Ist Chodorkowskij nun ein ruchloser Geschäftsmann, der, wie Putins Administration behauptet, Steuern hinterzogen hat? Oder statuiert Putin an ihm ein Exempel, um zu zeigen, wer sich ihm nicht unterwirft, in sibirischen Gefängnissen landet? Fünf Jahre lang hat Tuschi weltweit Chodorkowskijs Weggefährten und Widersacher interviewt, Familienangehörige, Freunde und Feinde. Aus 180 Stunden Material hat er 111 spannende Minuten kondensiert. Joschka Fischer ist darin zu sehen, entspannt in einem Garten im harmlosen Berlin.
Er sagt, Putin sei "hart und emotional gewesen in seiner Ablehnung", ob man das Verfahren gegen Chodorkowskij außergerichtlich regeln könne. Ehemalige Jukos-Mitarbeiter, die von Interpol gesucht werden und jetzt in goldenen Käfigen in Tel Aviv und London leben, werfen Chodorkowskij vor, es sei "idiotisch" gewesen, dass er 2003 von einer USA-Reise nach Russland zurückgekehrt ist, obwohl er wusste, dass er verhaftet werden würde. Chodorkowskij fasziniere ihn, sagt Tuschi: "Wie kann jemand so reich werden in einer Zeit, in der in Russland alle arm waren?" In seinem Film liefert er die Antwort: Chodorkowskij war pfiffig und schnell, als das Sowjetimperium kollabierte. Schon 1987 nutzte er als Funktionär des Jugendverbands Komsomol seine Verbindungen, um eine erste Privatfirma zu gründen: Sie handelte mit Computern und Alkohol. Mit dem Gewinn baute er eine der ersten Privatbanken Russlands auf, bald darauf erwarb er 78 Prozent der Aktien der Ölfirma Jukos.
Lesen Sie auf Seite 2, was genau Putin befürchtet hat.
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Endgültiger DFB-Kader für EM
"Man kann jedoch die Vermutung äußern, dass es Putin sicherlich nicht ungelegen ist, wenn kritische Stimmen bzgl. seiner Politk und seiner Person für immer verstummen, oder?"
Der Mord an Politkowskaja hat niemand so sehr geschadet, wie der russischen Staatsführung, denn immerhin wurde im gesamten Westen gegen diesen Mord protestiert und selbstverständlich sofort mit dem Finger auf Putin gezeigt.
Gleiches gilt auch für den ermordeten Letwinenko. Wem hats geholfen? Putin und seinen Banausen garantiert nicht. Denen haben die Morde viel mehr geschadet, als ihnen lieb war.
Die Vermutung das der lupenreine Demokrat Putin, Anna Politkowskaja beseitigen lassen hat, habe ich doch gar nicht geäußert. Aber er ist doch zumindest für das politische Klima verantwortlich in dem soetwas möglich ist (Mord und mißglückte Aufklärungsversuche). Man kann jedoch die Vermutung äußern, dass es Putin sicherlich nicht ungelegen ist, wenn kritische Stimmen bzgl. seiner Politk und seiner Person für immer verstummen, oder? Womöglich hätte sie sonst eines Tages darüber berichtet, dass Putin sogar noch irgendwo ein dritten alten Wagen besitzt (reine Spekulation meinerseits), den er bei der Vermögensauflistung nicht angeben hat und Russlands Held deswegen noch ein Verfahren an den Hals bekommt, indem er von Russlands unabhängiger Justiz eine Strafe aufgebrummt bekommen hätte.
Der Beitrag gibt leider nicht an, dass selbst dieser Putin-feindliche Film Chodorkowski zitiert mit: "Indem wir die Staatsmacht korrumpieren, schaffen wir es, dass sie verfault, und wir sie gegen einen neue auswechseln." - Das ist der Musterdemokrat der SZ ;)
Kurz: Ein Viertel der Duma-Abgeordneten stand auf der Gehaltliste der Mafia-Clique um Chodorkowski und Beresowski und die SZ wird nicht müde, einen Kriminellen hochzujubeln.
Der Hauptfehler dieser Mafiosi war, dass sie glaubten, sie seien clever.
Einer davon wenigstens sitzt in Russland im Knast - man würde sich für manchen Bank-Räuber hierzulande Ähnliches wünschen. Aber hier hängt man ihnen Orden um den Hals und lädt sie ins Kanzleramt ein. Und die SZ schreibselt brav darüber.
Zitat
"Natürlich ist Anna Politkowskaja sicher nur aus versehen in eine umherirrende Kugel gerannt..."
Dann sag uns doch mal bitte, was Putin dazu veranlasst haben könnte Politkowskaja beseitigen zu lassen? Welches Motiv sollte Putin gehabt haben? Dass Kriegsverbrechen in Tschetschenien ans Licht kommen? Die waren und sind jedem bekannt auch durch französische Dokumentationen in Bild und Ton belegt.
Dass Putin Politkowskaja "entfernt" hat ist pure Spekulation. Wir wollen an dieser Stelle auch nicht vergessen, wem dieser Mord in die Hände gespielt hat. Zu nennen ist da vorallem ein russischer Olligarch im britischen Exil.
Da schikanieren sich Kriminelle gegenseitig. Einer war unterlegen. Pech gehabt. Was mich an der Sache stört ist, dass Putin und einige andere nicht im Gefängnis sitzen. Aber eigentlich ist es wie mit dem Sack und dem Draufschlagen: Man trifft nie den Falschen, das Risiko besteht lediglich dass einer nicht genug abbekommt.
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