Kein Hochdeutsch in Zürcher Kindergärten Schwyzerdütsch per Gesetz

Schweizer Kinder sollen Schwyzerdütsch sprechen. Deshalb ist in Zürcher Kindergärten künftig nur noch Mundart erlaubt. 53,9 Prozent der Wähler stimmten einer entsprechenden Volksinitiative zu - und andere Städte könnten folgen.

Von Maria Holzmüller

Es reicht schon, wenn immer mehr Deutsche in der Schweiz arbeiten - ihre Sprache sollen sie dem Land nicht auch noch aufzwingen. Um das Schwyzerdütsch vor äußeren Einflüssen zu bewahren, dürfen Kindergärtner in Zürich mit ihren Schützlingen künftig nur noch Mundart reden.

Das ist das Ergebnis der Volksinitiative "Ja zur Mundart im Kindergarten". 53,9 Prozent der Wähler in der größten Schweizer Stadt nahmen den Vorschlag an. Wie die Neue Zürcher Zeitung berichtet, betrug die Wahlbeteiligung am Sonntag 34 Prozent.

Bisher darf in Zürcher Kindergärten teilweise Hochdeutsch und teilweise Mundart gesprochen werden. Die weniger oft verwendete Sprache soll dabei mindestens ein Drittel der Zeit verwendet werden. Gerade nach mäßigen Pisa-Ergebnissen, war das Lehrpersonal bislang angehalten, frühzeitig auch Hochdeutsch mit den Kindern zu sprechen.

Das soll sich künftig ändern. Ein Drittel der Zeit Hochdeutsch zu sprechen, sei zuviel, sagt Gabriella Fink, selbst seit 22 Jahren Kindergärtnerin und Mitinitiatorin der Volksinitiative. Sie betont im Interview mit dem Tages-Anzeiger jedoch, dass Hochdeutsch nicht gänzlich aus Zürcher Kindergärten verbannt werden soll: "Gemäß unseres Initiativ-Textes sollen im zweiten Kindergartenjahr hochdeutsche Sequenzen möglich sein", sagt sie. Im ersten Unterrichtsjahr sei es denkbar,"zum Beispiel ein hochdeutsches Lied einzuüben oder eine Geschichte auf Hochdeutsch vorzulesen." Kontrolliert werde das nicht.

Nach Ansicht der Initiatoren, die überwiegend aus bürgerlich-konservativen Kreisen kommen, wird die Mundart im Bildungssystem bislang systematisch unterdrückt und marginalisiert. Hochdeutsch im Kindergarten führe nicht zu besseren Resultaten in der Schule, argumentieren sie. Auch ließen sich Immigranten besser integrieren, wenn sie Schwyzerdütsch sprächen.

Ungewisse Zukunft

Welche berufliche Zukunft nun die etwa zehn deutschen Kindergärtnerinnen im Kanton Zürich haben, darauf wollte sich Fink nicht festlegen. "Wenn man von den Kindern erwartet, dass sie Hochdeutsch reden, dann kann man auch von ausländischen Kindergärtnerinnen erwarten, dass sie sich unserer Sprache so gut wie möglich annähern." sagte sie dem Tages-Anzeiger. Angesichts des Spracherwerbs von 20.000 Kindern müssten die Lehrpersonen hinten anstehen.

Mitinitiator ist der ehemalige Kantonsrat Thomas Ziegler - er sieht für die Kindergärtnerinnen kein Problem, sofern sie irgendeinen Dialekt beherrschen: "Wichtig ist, dass Mundart gesprochen wird. Ob dies nun Berndeutsch oder Bayrisch ist, spielt keine Rolle. Falls eine Kindergärtnerin nur Hochdeutsch spricht, wird sie wohl einen anderen Job im Bildungswesen finden", sagte er dem Tages-Anzeiger.

Schweizer Trend

Die Zürcher Kantons-Regierung und der Lehrerverband hatten die Initiative zur Mundart in Kindergärten im Vorfeld abgelehnt.

Die Entscheidung in Zürich scheint jedoch einen Trend vorzugeben. Auch in Basel setzten die Wähler durch, dass der Dialekt in Kindergärten nun gesetzlich geschützt wird. Im Kanton Luzern werden derzeit noch Unterschriften für Mundart im Kindergarten gesammelt.

Mit der immer wieder thematisierten Deutschen-Feindlichkeit der Schweizer habe diese Bewegung aber nichts zu tun, sagte die Zürcher Initiatorin Fink: "Ich wurde in persönlichen Gesprächen beim Unterschriftensammlung nie auf dieses Thema angesprochen", sagte sie.

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