Wirtschaftswissenschaftlerin Frauen sollten öfter Serena Williams zusehen

Frauen meiden Rivalität im Job. Wirtschaftswissenschaftler haben herausgefunden, wie man das ändern könnte - zum Beispiel mit Videos aus dem Tennis.

Interview von Elisabeth Pörnbacher

Höher, schneller, weiter: Während Männer schon als Kinder gerne Wettkämpfe austragen, meiden Frauen Konkurrenzsituationen. Unter bestimmten Bedingungen können sie allerdings dazu animiert werden, an Wettkämpfen teilzunehmen. Was Frauen dazu brauchen, das hat Professor Alexandra Niessen-Rünzi, Wirtschaftswissenschaftlerin an der Universität Mannheim, untersucht.

SZ: Frauen meiden Konkurrenzsituationen - warum?

Alexandra Niessen-Rünzi: Frauen, die ehrgeizig sind, werden oft als unsympathisch wahrgenommen, ihnen werden eher negative Attribute zugeschrieben. Bei Männern hingegen gilt es als angesehen, wenn sie ehrgeizig sind und sich Wettkämpfen stellen. Es gibt auch Hinweise dafür, dass Wettbewerbsfreude sozialisationsbedingt ist. Wird das Experiment in matrilinearen Gegenden, wie etwa in Westbengalen, durchgeführt, dann zeigt sich das gegenteilige Ergebnis: Dort sind Frauen die Entscheidungsträger, sie stellen sich häufiger dem Wettbewerb.

Wie könnte man Frauen motivieren, Konkurrenzsituationen anzunehmen?

In einer Studie haben meine Kollegen und ich festgestellt, dass Frauen eher bereit sind, sich Wettkämpfen zu stellen, wenn sie ein weibliches Vorbild haben.

Wie haben Sie das herausgefunden?

Wir haben 500 US-amerikanische Männer und Frauen eingeladen, Mathematikaufgaben zu lösen - 52 Prozent Männer, 48 Prozent Frauen. Fünf Minuten lang sollten sie so viele Rechnungen wie möglich im Kopf lösen. Für jede richtige Antwort erhielten die Probanden 50 Cent. In der zweiten Runde haben wir Gruppen gebildet - zwei Männer und zwei Frauen sollten gegeneinander antreten. Nur der Beste wurde bezahlt. Er erhielt für jede richtige Antwort das Vierfache des Gewinnes - zwei Euro. In der dritten Runde hatten die Probanden Wahlfreiheit. Sie durften sich entscheiden, ob sie in den Wettbewerb treten oder nicht. Für uns war das der interessanteste Teil des Experiments.

Was konnten Sie feststellen?

Im Kopfrechnen sind Männer und Frauen gleich gut. Allerdings greifen hier Genderstereotype, nach denen Frauen schlechter in mathematischen Fächern sind als Männer - Frauen trauen sich darum weniger Fähigkeiten in diesem Bereich zu. 26 Prozent der Männer entschieden sich für den Wettbewerb. Bei den Frauen waren es nur 13 Prozent. Selbst der Mann, der am schlechtesten rechnete, ging eher den Wettbewerb ein als die beste Frau.

Klingt wie ein unumstößlicher Fakt.

Nein. Denn wir hatten den Gruppen vorab jeweils ein Video gezeigt: von einer Landschaft, von einem männlichen Vorbild oder von einem weiblichen Vorbild. Auf die Männer hatten die Videos wenig Einfluss. Je nachdem wie sie ihre eigenen Fähigkeiten einschätzten, haben sie sich für den Wettbewerb entschieden oder nicht.

Und die weiblichen Teilnehmer?

Wenn sie ein männliches Vorbild sahen, wie etwa den Tennisspieler Roger Federer, entschieden sich weniger Frauen für den Wettbewerb. Es waren nur noch elf Prozent. Sahen die Frauen hingegen Serena Williams, die von ihren Erfolgserlebnissen erzählte, stellten sich ganze 20 Prozent dem Wettbewerb. Erfolgreiche Frauen können also andere Frauen ermutigen.