Fehlt nur noch das Popcorn: Amerikanische Hochschulen locken weltweit Zuschauer mit Video-Vorlesungen. Deutsche Studenten haben es da schwerer.
Chris Anderson ist einer der smartesten Denker im Internet. Er ist der Veranstalter der jährlichen TED-Konferenz, in der revolutionäre Konzepte jeder erdenklichen Art vorgestellt werden. Anderson sagte neulich auf die Frage, wie das Internet das Denken verändere, das Netz sei das erste audiovisuelle Medium, in dem Wissen auf hohem Niveau vermittelt werde. "Der Eindruck, den ein Redner auf intellektueller Ebene bei seinen Zuhörern hinterlässt, ist im Video viel höher als in einer gedruckten Version."
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Kommunikation immer und überall, selbst auf einem stillgelegten Bahngleis, ist in einer digitalisierten Welt zum Standard geworden. (© Foto: dpa)
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Wissen per Video
Der Mann muss es wissen. Die TED-Talks, wie die Vorträge auf seiner legendären Konferenz heißen, werden als Videos im Netz veröffentlicht. Auf der Seite des Projekts sind 622 Videos zu finden, die das Wissen von Experten unterschiedlicher Gebiete aus allen Teilen der Welt enthalten - von Wissenschaftlern über Apple-Chef Steve Jobs bis hin zum britischen Starkoch Jamie Oliver.
Wissen online per Video zu vermitteln ist mehr als ein Trend. Das Verfahren ist in der digitalisierten, globalisierten Welt zum Standard geworden. Ganz vorne mit dabei sind amerikanische Universitäten. Von denen gibt es Videos, die sind so spannend, dass man sie wie einen Kinofilm mit Popcorn genießen möchte. Und das kann man auch: zu Hause, vor dem eigenen Rechner.
Der Reiz des MIT
Am populärsten ist dabei die Videoseite Youtube. Auf dem Portal können Nutzer Videos kostenfrei hochladen und anschauen. In einer speziellen Rubrik mit dem Namen Youtube Edu sind sämtliche von Universitäten hochgeladenen Videos gesammelt. Edu ist in diesem Fall die Abkürzung von Education.
Mehr als 54.000 Menschen schauen sich etwa regelmäßig die Videos des Massachusetts Institute of Technology (MIT) an, knapp 1200 Videos haben dessen Administratoren bereits ins Netz gestellt. Die MIT-Videos gehören zu den populärsten Lehrmaterialien auf Youtube, auf den Plätzen zwei und drei finden sich die Stanford University und die University of California in Berkeley.
Kostenloser Sprachkurs
Dabei sind die Vorlesungen nicht nur für Zuschauer interessant, die sehr gut Englisch sprechen, sondern auch für solche, die Englisch lernen wollen. Eine viertel Million Mal wurde etwa eine Seminarübung des Professors Mark Hancock vom MIT angeschaut. Er bringt ausländischen Studenten eine Stunde lang die korrekte amerikanische Aussprache gewöhnlicher Wörter bei.
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Kein Wunder, dass die deutschen Unis bei so was hinterher hinken. An der Technischen Universität München gehen ja schon die Server in die Knie, wenn sich mal mehrere hundert Studenten gleichzeitig für irgendwelche Veranstaltungen anmelden möchten. Kommt z.B. bei Maschinenwesen mit ca. 800 Studienanfängern gar nicht so selten vor. Die ersten haben Glück, dann ist erst mal Schluß, bis sich die Server erholt haben.
Und nun stelle man sich vor, dass diese 800 Studenten auch noch die Vorlesung schauen möchten...