USA: Sparzwang an Schulen Vier-Tage-Woche für Schüler

Sparen an der Bildung mal anders: In den USA streichen Schulen einen Unterrichtstag - aus Kostengründen. Viele Lehrer und Schüler sehen darin ein Erfolgsmodell für die Zukunft.

Montags spielen die Schüler in Peach County im US-Bundesstaat Georgia den lieben langen Tag Videospiele. Oder sie statten ihren Omas einen Besuch ab. Zuweilen sind sie auch im örtlichen Jugendzentrum zu finden. Denn wer wie anderswo montags zur Schule will, steht vor verschlossenen Türen.

Mehr Freizeit: Amerikanische Schulen führen aus Kostengründen immer häufiger die Vier-Tage-Woche für ihre Schüler ein.

(Foto: AP)

Peach County ist einer von 120 Schulbezirken in Georgia, in dem die Schüler nur vier Tage pro Woche zur Schule gehen müssen. Der Grund: die leeren Kassen der Kommunen. Um das Haushaltsdefizit von einer Million Dollar (etwa 840.000 Euro) auszugleichen, begann der 4000 Schüler zählende Bezirk damit, einen Schultag zu streichen. Ansonsten hätten 39 Lehrer entlassen werden müssen, erklärt die Leiterin der Schulaufsichtsbehörde, Susan Clark. "Wir standen mit dem Rücken zur Wand", sagt sie. "Uns blieb keine andere Wahl."

Den schulischen Leistungen hat die Vier-Tage-Woche aber offenbar keinen Abbruch getan. Im Gegenteil: Die Schüler sind besser als vorher. Das gilt auch für die Anwesenheit. Die Schulbehörde gebe jetzt ein Drittel weniger für Vertretungslehrer aus als vorher, sagt Clark. Die Quote der Schulabgänger mit Highschool-Abschluss werde zum ersten Mal seit vielen Jahren mehr als 80 Prozent betragen. Auch bei den Lehrern ist die verkürzte Woche beliebt. Sie hätten nun mehr Vorbereitungszeit. Zudem schliefen die Schüler am Dienstagmorgen im Unterricht nicht mehr ein, erklärt Clark.

Die Betreuung am freien Tag kostet

Deshalb wird es die Vier-Tage-Woche nach Angaben Clarks auch im kommenden Schuljahr geben. Durch die Regelung würden jährlich 400.000 Dollar (etwa 330.000 Euro) eingespart. Während der Vier-Tage-Woche sind die Schultage nun etwas länger. Nach dem Unterricht können die Schüler Nachhilfe in Anspruch nehmen. An ihrem freien Tag gibt es in Kirchen oder im Jugendzentrum die sogenannte Montagsbetreuung, bei der Lehrer den Schülern bei den Hausaufgaben helfen. Die Betreuung kostet für jeden Schüler nur ein paar Dollar.

Es gibt aber auch kritische Stimmen. So steht vielen Behörden nach eigener Aussage zwar nun mehr Geld zur Verfügung. Viele Schüler hätten aber Defizite, weil ihnen Unterrichtszeit fehle, berichten etliche Schulen. Eine Schulaufsichtsbehörde in Oklahoma hat nun nach einer Testphase umgeschwenkt und wieder die Fünf-Tage-Woche eingeführt. "Für die Lehrer war das hart", erklärt Behördenleiter Bennie Newton.

Newton hofft, dass es im kommenden Schuljahr nicht zu einer Neuauflage der Kurzwoche kommt. Auch so manche Eltern machen sich Sorgen um die schulischen Leistungen ihrer Kinder. "Ich glaube nicht, dass sie dadurch genügend Unterrichtszeit bekommen", sagt Heather Bradshaw, deren Sohn in eine Grundschule in Peach County geht. "Der neue Stundenplan hat seine Entwicklung beeinträchtigt", erklärt sie.

Andere Eltern hingegen sprechen sich für die viertägige Schulwoche aus. "Dadurch wird für die Kinder das Wochenende schöner, weil sie sich länger ausruhen können", findet LaKeisha Johnson. Sie schickt ihre Tochter jeden Montag ins Jugendzentrum.

In den Siebzigern fing alles an

Wäre die Vier-Tage-Woche an Schulen also auch ein Modell für die klammen Kassen in Deutschland? Roland Koch setzte in Hessen bereits einen Sparplan für der Bildungspolitik durch - die Schulzeiten betrifft der bislang aber noch nicht. Und das große Sparpaket der Bundesregierung will die Bildung sowieso verschonen. Deutsche Schüler werden also wohl weiterhin fünf Tage die Woche die Schulbank drücken.

In den USA ist der Trend zur kürzeren Schulwoche dagegen nicht neu. Er begann bereits in den siebziger Jahren in New Mexico, als die Ölkrise ausbrach. Seitdem hat die Vier-Tage-Woche vor allem in ländlich geprägten US-Staaten Schule gemacht, wo Kinder oft lange Wege zurücklegen müssen. Hauptgrund für die Einführung war aber die prekäre finanzielle Lage in vielen Gemeinden. Der Sparkurs fiel auf Hawaii am drastischsten aus: Dort fällt zusätzlich zur Vier-Tage-Woche jeden zweiten Freitag der Unterricht aus. Damit ist das Schuljahr auf Hawaii kürzer als in allen anderen US-Staaten.