Taktieren im Job Frauen werden anders bewertet als Männer

Die Suche nach Interessenschnittmengen mit Kollegen, die gezielte Kontaktpflege zu Vorgesetzten, die Besetzung von Unsicherheitszonen im Unternehmen und eine kluge Selbstdarstellung gehörten zum A und O der Karriereplanung.

Mit einem solch machiavellistischen Ansatz haben viele Menschen allerdings Schwierigkeiten. Denn er zwingt den Einzelnen zur Auseinandersetzung mit der unangenehmen Frage, wie weit er zu gehen bereit wäre, um seine persönliche Macht auszubauen. Vor allem Frauen tun sich schwer damit. In einem Forschungsprojekt zum Thema "Mikropolitik und Aufstiegskompetenz von Frauen" an der Uni Hamburg befragten Rastetter und ihre Mitarbeiterinnen Doris Cornils und Anna Mucha 30 weibliche Nachwuchskräfte zu ihren machtpolitischen Handlungsfeldern und boten ihnen anschließend ein spezielles Coaching an. Sie stellten fest, dass auffällig viele der Befragten eine ablehnende Einstellung zur Macht an den Tag legten.

"Frauen halten sich selbst in mittleren Positionen, weil sie zu viel Wert auf Beziehungen legen", analysiert Rastetter. "Sie bleiben lieber ihren Kollegen gegenüber loyal als die eigenen Interessen zu verfolgen. Und dann wundern sie sich, wenn sie trotz guter Qualifikationen und hervorragender Soft Skills nicht aufsteigen. Wer weiterkommen will, muss diesen Altruismus ablegen; andere nehmen schließlich auch keine Rücksicht."

Statt also lediglich auf Fachkompetenz zu setzen, rät sie karriereorientierten Frauen, die Spielregeln im Unternehmen genauer zu beobachten, nützliche Allianzen zu schmieden und immer wieder Signale der Aufstiegsbereitschaft auszusenden. Männern fiele dies häufig leichter, da sie schon in ihrer kindlichen Sozialisierung mit Kampfspielen und Teamsport ein natürlicheres Verhältnis zu Rivalität und Wettstreit entwickelt hätten.

Doch selbst wenn Frauen dieselben Strategien wie machtbewusste Männer an den Tag legen, werden sie häufig anders bewertet als ihre männlichen Kollegen. "Unser Führungsbild ist nun mal männlich geprägt", erklärt Rastetter. "Da werden Frauen schnell auf ihre Emotionalität und ihr Geschlecht reduziert. Sind sie ambitioniert, gelten sie als hart oder zickig, sind sie eher ausgleichend, gelten sie als zu weich. Frauen dementsprechend abzuwerten, ist eher eine bewährte männliche Taktik."

Allerdings könnten auch viele Männer in machtpolitischer Hinsicht dazulernen. Denn auch ihnen gehe zuweilen jedes strategische Kalkül ab, längst nicht alle fühlten sich zum Taktierer geboren. "Es hängt stark von der Persönlichkeit ab, ob ein Mensch überhaupt bereit ist, in mikropolitischen Zusammenhängen zu denken", sagt Rastetter. "Vor allem Männer, die keine Lust auf das klassisch maskuline Führungsbild haben, lassen sich auf das Taktieren häufig nicht ein. Und bleiben dann beruflich stecken."