Union und FDP wollen im Falle eines Wahlsiegs ein bundesweites Stipendien-System einführen. In NRW fließt das Geld schon - eine Hälfte zahlt die Wirtschaft.
Mehr Geld für Studenten: CDU und FDP planen für den Fall einer Koalition nach der Bundestagswahl die Einführung eines bundesweiten Stipendien-Systems für Studierende, das von der Wirtschaft mitfinanziert werden soll. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) begrüßte im Gespräch mit der Berliner Zeitung das entsprechende Programm des nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministers Andreas Pinkwart (FDP), das Grundlage für die bundesweite Regelung werden soll.
Bild vergrößern
Geht es nach CDU und FDP, sollen bis zum Ende der nächsten Legislaturperiode zehn Prozent der Studenten in Deutschland ein Stipendium bekommen. (© Foto: ddp)
Anzeige
Im kommenden Semester bekommen dort erstmals 1400 der begabtesten Studenten ein Stipendium über 300 Euro im Monat. Eine Hälfte davon bezahlt die Wirtschaft, die andere das Land. "Schon jetzt steht die Finanzierung für 1200 Studenten", sagte Pinkwart der Berliner Zeitung.
Pinkwarts Plan für eine bundesweite Regelung sieht dem Bericht zufolge vor, dass 65 Prozent des staatlichen Anteils aus dem Bundesetat kommen. Schon in vier bis fünf Jahren könnten dann zehn Prozent aller Studenten ein Stipendium bekommen.
Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Bundesfraktion, Ernst-Dieter Rossmann, kritisierte den Düsseldorfer Minister. "Es ist frivol von Pinkwart, für das Stipendienprogramm Geld vom Bund zu fordern", sagte er demselben Blatt. Bei der Einführung von Studiengebühren hätten Unions- und FDP-regierte Länder versichert, diese zum Teil durch Stipendien auszugleichen, sagte Rossmann. Das sei nicht passiert. "Bei Pinkwarts Modell geht es darum, die Kosten dafür auf den Bund abzuwälzen."
Die stellvertretende FDP-Vorsitzende Cornelia Pieper sagte der Bild, Deutschland brauche dringend ein nationales Stipendien-Programm. Sie plädierte ebenfalls für ein Zusammenwirken von Wirtschaft und Staat. Derzeit erhielten nur zwei Prozent der Studenten ein Stipendium, sagte Pieper. "Das ist sozial ungerecht und belohnt herausragende Leistungen zu wenig." Eine Quote von zehn Prozent bis zum Ende der nächsten Legislaturperiode sei "machbar, wenn sich der Staat und private Geldgeber zusammensetzen und für jeden Stipendien-Euro aus der Wirtschaft der Staat einen Euro dazutut."
- Thema
- Stipendium RSS
- Hochschule Für jeden ein passendes Stipendium 05.10.2005
- Studium Als Malocher an die Uni 10.08.2009
- Mehr Geld für Stipendien Studium de luxe 29.12.2008
- Stipendien Blender unerwünscht 07.11.2008
- Hochschulen Ringen um Stipendien 26.10.2008
- Studienfinanzierung Endlich mehr Zaster 21.04.2010
- Ärztemangel auf dem Land Verlockungen in der Pampa 08.04.2010
(AP/holz/mikö)
Debatte über Urheberrecht
"Im kommenden Semester bekommen dort erstmals 1400 der begabtesten Studenten ein Stipendium über 300 Euro im Monat."
Die begabtesten Studis brauchen kein Stipendium von NRW. Denn dafür gibt es z.B. (für die "Überflieger") die Studienstiftung des Deutschen Volkes. Auch gibt es einige parteinahe Stiftungen, wie z.B. Adenauer-, Ebert-, Dehler-, Seidel-Stiftung, die zwar auch nach politischer Ausrichtung des Stipendiaten auswählen, aber auch dort muss StudentIn gute Leistungen bzw. soziales Engagement vorweisen. Dazu gibt es noch eine Vielzahl kleinerer Stiftungen.
So wie ich damals die Diskussion um die Studiengebühren in Erinnerung hatte, sollten doch Stipendien vor allem für (natürlich auch gute) Studis gedacht sein, die aus eher einkommensschwachen Verhältnissen kommen, um diesen Nachteil zu kompensieren. Habe ich da etwas falsch verstanden?
Nein die Idee ist doch grossartig:
Um Studiengebühren (oder schöner Studienbeiträge) sozialverträglich zu machen, müssen eben Stipendien her. Und da ist es doch herrlich "jetzt schon" d.h. Jahre nach Einfuhr der Studiengebühren für 1200 der "bagabtesten" Studenten 300 im Monat parat zu haben.
Bei 475 400 Studenten in NRW genießen also demnächst 0,25% der "hochbegabten" die üppige Förderung.
Das ist einfach wirklich nichts, worauf man stolz sein kann, sondern blanker Hohn.
"Pinkwarts Plan für eine bundesweite Regelung sieht dem Bericht zufolge vor, dass 65 Prozent des staatlichen Anteils aus dem Bundesetat kommen."
Erst wollen die Länder die Bildungshoheit unbedingt behalten und nun soll der Bund die von einigen Ländern eingeführten Studiengebühren finanzieren? Alles klar...
Wenn es Studiengebühren gibt, muss es auch Stipendien geben. Aber die sollen die CDU/FDP geführten Länder mit Studiengebühren schön selber zahlen: Wer sich die Suppe einbrockt, der muss sie auch selbst auslöffeln. Alles andere würde darauf hinauslaufen, dass die Bürger in Ländern ohne Studiengebühren die Studiengebühren der anderen Länder finanzieren.
Auch für die Studenten wäre solch ein Bundesfinanziertes Stipendium daher nichts gutes: Es würde letztlich alle Länder zwingen, Studiengebühren einzuführen, um auch ein Stück vom Stipendien-Kuchen zu erhalten. Und ist diese Mauer erstmal durchbrochen, wird wer an populären Standorten wie Berlin studieren will schon sehr tief in die Tasche greifen müssen.
Hm....
Diese Situation kommt mir merkwürdig bekannt vor...
Auf einmal reden alle Parteien von Geld für die Bildung, weil.... die ist ja auch irgendwie wichtig....
Ah, jetzt verstehe ich, es ist bald Wahl, und da die nerfigen jungen Leute nicht nur Studiengebühren zahlen dürfen, sondern auch wählen, muss Herr/Frau XY von Partei ABC das jetzt sagen
Ich bin ja mal gespannt, wie es diesmal nach der Wahl erklärt wird, dass ja eigentlich mehr die ideelle Förderung der jungen Menschen gemeint war, und nicht der schnöde Mammon...
Aber diese Frage kann mir dann ja vielleicht einer der vielen neuen Stipendiaten beantworten .