Studie zum Pendeln Bus- und Bahnfahrer sind schlanker als Autofahrer

Alle in die Bahn: Wie hier in München ist der Andrang auf öffentliche Verkehrsmittel zur Rushhour groß, es wird geschoben und gedrängelt.

(Foto: Stephan Rumpf)

Gehetze und Gedränge, dazwischen tummeln sich allerlei Krankheitserreger: Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fährt, empfindet das nicht selten als Belastung für seine Gesundheit. Eine britische Studie belegt jetzt das Gegenteil.

  • Britische Wissenschaftler haben herausgefunden: Pendler, die den öffentlichen Nahverkehr nutzen, haben einen signifikant geringeren Body-Mass-Index (BMI) und niedrigere Körperfettwerte als Menschen, die mit dem Auto fahren.
  • Selbst im Vergleich mit Radfahrern und Fußgängern schnitten Bus- und Bahnfahrer gut ab.
  • Für die Studie wertete das Team um die britische Forscherin Ellen Flint von der London School of Hygiene and Tropical Medicine die Daten von etwa 7500 Landsleuten aus.

Die Studienergebnisse

Der Bus wird in letzter Minute erreicht, beim Umsteigen in die U-Bahn herrscht Gedränge und drinnen ist es zur Rushhour eng und stickig. Wer mit dem öffentlichen Nahverkehr zur Arbeit fährt, kennt das - und empfindet es vermutlich eher als Gesundheitsbelastung denn als Beitrag zu seiner körperlichen Fitness. Der Mainzer Soziologe Norbert Schneider vergleicht die psychischen Belastungen beim Pendeln gar mit "Jetpiloten im Kampfeinsatz".

Eine britische Studie bringt jetzt aber erfreuliche Neuigkeiten für alle öffentlichen Pendler: Der ganze Stress lohnt sich - Bus- und Bahnfahren wirkt sich demnach positiv auf die Risikofaktoren für Übergewicht aus. Bei seiner Untersuchung stellte das Forscherteam von der London School of Hygiene and Tropical Medicine einen signifikanten positiven Zusammenhang zwischen aktiven Arten der Arbeitswegbewältigung - wozu auch die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs zählt - und dem Body-Mass-Index (BMI) beziehungsweise dem Körperfettanteil fest.

So hatten männliche Studienteilnehmer, die öffentlich pendeln, im Durchschnitt einen um einen Punkt (1,1) niedrigeren BMI als solche, die mit dem Auto zum Job kommen. Interessanterweise schnitten die öffentlichen Pendler sogar besser ab als die "Sportler" (Radfahrer und Fußgänger), allerdings war der Unterschied minimal und auch nur bei den Männern feststellbar. Auch Bus- und Bahnfahrerinnen hatten durchschnittlich einen niedrigeren BMI als Autofahrerinnen (minus 0,72 Punkte).

Was ist der BMI?

Der Body-Mass-Index sagt etwas über das Verhältnis von Körpergröße zu Körpergewicht aus und gilt unter anderem als Indikator für Unter- bzw. Übergewicht. Allerdings ist der Index nicht unumstritten: Kritiker halten ihn für ungeeignet, weil ein hoher BMI nicht allein durch Körperfett zustande kommen kann. Auch Muskelmasse und eine hohe Knochendichte können das Gewicht - und damit den BMI - nach oben treiben. So haben manche Sportler einen BMI, der ihnen fälschlicherweise Übergewicht attestiert.

In der britischen Studie wurde deshalb auch der Körperfettanteil einbezogen, neben dem BMI ein weiterer Prädiktor für Übergewicht. Die Ergebnisse waren dieselben.

Appell der Forscher

Die Wissenschaftler werteten die Daten von etwa 7500 Briten aus, die an einer medizinischen Untersuchung im Rahmen der UK Household Longitudinal Study (UKHLS), in etwa vergleichbar mit dem deutschen Zensus, teilgenommen hatten.

Die Resultate von Forscherin Ellen Flint und ihrem Team sind insofern brisant, als dass das Auto immer noch das mit Abstand beliebteste Transportmittel britischer Arbeitnehmer ist: 67 Prozent nutzen es. Knapp jeder Fünfte (18 Prozent) fährt mit Bus und Bahn, etwa jeder Zehnte (elf Prozent) geht zu Fuß. Lediglich drei Prozent steigen aufs Fahrrad.

Die Forscher verbinden ihre Studienergebnisse deshalb mit einem Appell an die Politik:

"Wir sollten erwägen, für die stärkere Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel (...) zu werben. Vor dem Hintergrund, dass die meisten Pendler in Großbritannien hauptsächlich ihr Privatauto nutzen, sehen wir potenzielle Gesundheitsgewinne für große Teile der Bevölkerung (...)."

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