Rückkehr in den Beruf Welche Hilfen gibt es vom Staat?

Je länger Mütter oder Väter in ihrem Beruf für die Familie ausgesetzt haben, desto schwieriger wird es für sie, wieder ins Berufsleben einzusteigen. Vom Staat gibt es unterschiedliche Hilfen und Förderungen.

Von Alena Hecker

Der überwiegende Anteil der Väter nimmt lediglich die Mindestdauer von maximal zwei Monaten Elternzeit in Anspruch. Dagegen kehren etwa 60 Prozent der Frauen mit einem oder mehreren Kindern laut einer repräsentativen Befragung des Bundesfamilienministeriums innerhalb von einem Jahr nach der Geburt wieder zurück in den Beruf. 40 Prozent der Wiedereinsteigerinnen aber sind Mütter, die mehr als drei Jahre mit dem Arbeiten ausgesetzt haben.

Coachings und Schulungen für Berufsrückkehrer

Gerade diese Frauen tun sich schwer mit der Rückkehr: "Sie haben kein Vertrauen mehr in ihre fachlichen Kenntnisse, dazu fehlt ihnen Wissen über den aktuellen Arbeitsmarkt", beobachtet Susanne Grohs-von Reichenbach vom Münchner Wiedereinstiegsprojekt power_m.

Mit der vom Bundesfamilienministerium und der Arbeitsagentur ins Leben gerufenen "Perspektive Wiedereinstieg" wurden deutschlandweit zahlreiche solcher Anlaufstellen für Wiedereinsteiger geschaffen. Hier können sich Frauen und Männer individuell oder in Gruppengesprächen zu einem erfolgreichen Neustart ins Berufsleben beraten lassen, an Schulungen in Sachen Computerkenntnissen oder sozialen Netzwerken teilnehmen und sich so Schritt für Schritt auf den Wiedereinstieg vorbereiten.

"In unseren Gesprächen nehmen wir Ängste, zeigen Lösungen auf und regen zu einem flexiblen Nachdenken über Arbeitszeiten an", fasst Susanne Grohs-von Reichenbach das Hilfsangebot zusammen. Wichtig für einen erfolgreichen Wiedereinstieg sei es, die Perspektive zu wechseln und auch zu überlegen, was das Unternehmen brauche: "Der Arbeitgeber will eine gut organisierte, verlässliche Fachkraft, die sich leicht ins Team einfügen kann." Genauso sollten Partner und Kinder mit in die Überlegungen einbezogen werden: "Innerhalb der Familie muss geklärt werden, was die Mutter braucht, wohin sie will und wie der neue Alltag organisatorisch gelingen kann."

Finanzielle Unterstützung während der Arbeitsuche

Wer aufgrund einer längeren Unterbrechung der Erwerbstätigkeit in Schulungen oder Weiterbildungen seine Kenntnisse in bestimmten Bereichen aufbessern möchte, kann sich von der Arbeitsagentur zum Beispiel im Rahmen der Initiative zur Flankierung des Strukturwandels (IFlaS) finanziell unterstützen lassen. Manche Bundesländer vergeben zudem Bildungsschecks (hier), mit denen mindestens ein Teil der Kosten für Fortbildungen gedeckt werden kann.

Genauso ist es möglich, bei der Arbeitsagentur Zuschüsse für Bewerbungskosten zu beantragen (hier), was Fahrtkosten für Vorstellungsgespräche, Arbeitskleidung oder eine notwendige Kinderbetreuung angeht. Wichtig ist dabei, Anfragen zu stellen, bevor die Kosten entstehen.

In allen Bundesländern gibt es zudem spezielle Programme zu Lehrgängen, Umschulungs- und Qualifizierungsmaßnahmen für Berufsrückkehrer. Auskünfte zu Fördermöglichkeiten geben die örtlichen Arbeitsagenturen und Beratungsstellen. Eine Übersicht der Stiftung Warentest (hier) listet deutschlandweit 200 kostenlose und neutrale Beratungsangebote auf.

Kinderbetreuungszuschuss vom Arbeitgeber

Für nicht schulpflichtige Kinder können Betriebe ihren Beschäftigten zusätzlich zum Gehalt einen Zuschuss zur Kinderbetreuung auszahlen. Arbeitnehmer zahlen dafür keine Steuern und Sozialversicherungsbeiträge, genauso spart der Arbeitgeber seinen Anteil an der Sozialversicherung. Die Höhe des Betrags ergibt sich aus den tatsächlich geleisteten Betreuungskosten.

Hochschulstipendien für Akademikerinnen

Wissenschaftlerinnen, die ihre Promotion oder Habilitation unterbrochen haben, um sich um die Familie zu kümmern, können sich um Stipendien an unterschiedlichen deutschen Hochschulen bewerben. Förderprogramme sind zum Beispiel in der Datenbank des Kompetenzzentrums Frauen in Wissenschaft und Forschung (CEWS) aufgelistet (hier).

Finanzielle Hilfe bei Existenzgründung

Für viele Mütter und Väter bietet der Weg in die Selbstständigkeit eine Möglichkeit, um Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Wer noch mindestens sechs Monate lang Anspruch auf Arbeitslosengeld hat, kann bei der Agentur für Arbeit einen Gründungszuschuss beantragen (hier). Weitere Informationen zur Unternehmensgründung gibt es in diesem Ratgeber-Text.