Psychologie Verspielte Erwachsene tun sich im Beruf leichter

Hat es angeblich leichter in Leben und Job: verspielter Mann.

(Foto: iStockphoto)

Nun ehrgeizig an der eigenen Verspieltheit zu arbeiten, bringt allerdings nichts, sagt ein Psychologe.

Von Sebastian Herrmann

Eine Operation steht an. Der Patient liegt, gekleidet in eines dieser entwürdigend luftigen OP-Hemden, auf der Liege, wartet bang auf den Beginn des Eingriffs und beobachtet die Ärzte. Die Stimmung unter den Medizinern ist heiter, Chirurgen, Anästhesisten und Pflegepersonal ziehen sich gegenseitig auf. Während die Instrumente gerichtet werden, findet eine Art Wettbewerb statt, wer am schlagfertigsten auftritt. Die ausgelassene Stimmung der Ärzte verstärkt den Alarmzustand des Patienten: Geht das gleich gut, wenn einer der Spaßvögel im Kittel den Venenzugang legt? Dass eine OP-Besatzung, die einander spielerisch neckt, die Angst eines Patienten verstärken kann, ist nachvollziehbar. Doch eine Situation wie die beschriebene lässt sich aus gutem Grund auch als positives Vorzeichen deuten.

Für den Psychologen René Proyer von der Universität Halle-Wittenberg stellt ein scherzendes OP-Team ein Beispiel für erwachsene Verspieltheit dar. Menschen mit so einem Wesen seien mit einigen vorteilhaften Eigenschaften gesegnet, so Proyer. Auf die hypothetische Situation im OP angewendet: Im Falle unerwarteter Komplikationen wären die heiteren Mediziner eher in der Lage, ungewöhnliche Lösungen zu finden, als ernste Ärzte, die kühl und sachlich mit ihren Kollegen umgehen. "Verspielte Erwachsene können Stress wegstecken", sagt Proyer, "weil sie sogar anstrengende Situationen so gestalten, dass sie diese unterhaltsam finden." Indem etwa Ärzte im OP spielerisch miteinander scherzen, wird der Stress für alle weniger. Es ist sicher im Sinn des Patienten, wenn ihn entspannte Mediziner behandeln.

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Verspieltheit, wie Proyer sie versteht, zeichnet sich durch Humor, Offenheit für neue Erfahrungen, einen Hang zum Extrovertierten und ein verträgliches Wesen aus. Es handelt sich um eine Charaktereigenschaft und nicht nur um eine Passion etwa für Brettspiele, wie der Psychologe aktuell im Fachblatt Personality and Individual Differences argumentiert. Erwachsene mit diesem Wesenszug können erfolgreich improvisieren, und weil sie gut darin sind, fremde Perspektiven einzunehmen, sind sie eher mit ihrem Partner glücklich. Verspielte Studenten, so hat Proyer beobachtet, erzielen in schriftlichen Prüfungen oft bessere Leistungen. Wahrscheinlich, weil es ihnen gelingt, einen Test weniger verbissen anzugehen.

Aussagen wie diese bringen den modernen Selbstoptimierer sofort auf den Gedanken, künftig ein wenig an der eigenen Verspieltheit zu arbeiten und auf diese Weise etwa die kriselnde Ehe zu retten. Jetzt aber ehrgeizig Improvisationsworkshops zu planen oder Kurse in Schlagfertigkeit zu belegen, ist die falsche Strategie; das wäre verbissen, nicht spielerisch.

In der Kindheit, so sind sich Forscher einig, dient das Spielen dazu, sich auszuprobieren, zu lernen und natürlich Spaß zu haben. Verspielte Erwachsene drängt es nun nicht mehr dazu, eine Runde Vater-Mutter-Kind zu inszenieren oder sich gegenseitig über den Kantinenhof zu jagen. Doch sie meistern Herausforderungen mit kindlich offenem Denken. Das macht einen Menschen nicht automatisch erfolgreicher, doch zeichnet sich das Leben eines solchen Erwachsenen durch eines aus - es wird nie langweilig, wenn alles ein Spiel ist.