Kein Telefon, kein Arbeitsrechner, kein eigener Schreibtisch: Lehrer werden in diesem Land wie Tagelöhner behandelt. Wenn das so bleibt, kann niemand große Sprünge beim nächsten Pisa-Vergleich erwarten.
Ein bisschen besser in Mathematik und in den Naturwissenschaften, leicht über statt deutlich unter dem Durchschnitt der Industriestaaten: Im Pisa-Vergleich holt Deutschland auf. Und schon glauben die Bildungspolitiker im Bund, alles richtig gemacht zu haben. Hier ein paar einheitliche Bildungsstandards, dort an der Lehrerausbildung geschraubt. Immerhin: Kitas sind jetzt auch Bildungseinrichtungen. Auch wenn die Erzieherinnen und Erzieher damit manchmal noch überfordert sind.
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Ohne motivierte Lehrer werden sich deutsche Schüler im Pisa-Vergleich nicht weiter verbessern. (© dpa)
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Wer das alles als großen Erfolg verkaufen will, der hat zu niedrige Ansprüche an die Bildung. Noch immer ist das Bildungssystem in Deutschland nicht auf dem neuesten Stand. Deutschland sei im Pisa-Ranking der OECD aufgestiegen von der zweiten Liga in die Bundesliga, sagt von Heino von Meyer, Leiter des Berliner OECD-Büros. Aber zur Champions League sei es noch ein sehr weiter Weg.
Das hat wenig mit Schulstrukturen und Klassengrößen zu tun. Aber sehr viel mit motivierten Lehrerinnen und Lehrern. Und da hat Deutschland wohl eines seiner größten Defizite. In allen erfolgreichen Bildungsnationen, ob in Asien oder in Nordeuropa, hat der Beruf des Lehrers einen besonderen Stellenwert in der Gesellschaft. Die Anforderungen an den Beruf sind hart. Die Anerkennung ist hoch, die Erwartungen sind es ebenso.
Umzusetzen ist das nur, wenn die Lehrerinnen und Lehrer endlich angemessene Arbeitsbedingungen bekommen. Heute müssen sie sich in den Pausen in Lehrerzimmern zusammenpferchen lassen - oder verzichten als Pausenaufsicht ganz auf die Auszeit. Noch nicht einmal auf einen eigenen Arbeitsplatz gibt es eine Garantie, geschweige denn auf einen eigenen internetfähigen Computer.
Obwohl die Anforderungen an Lehrer steigen, werden sie noch zu oft mit sich und ihrem Unterricht alleingelassen. Supervision gibt es kaum. Was ihre Kolleginnen und Kollegen im Klassenraum so treiben, davon bekommen nach wie vor die wenigsten Lehrer etwas mit. Fortbildung ist an vielen Schulen keine Anforderung, sondern Privatsache.
Vergleichstests haben ergeben, dass die Unterschiede von Schule zu Schule, ja von Klassenraum zu Klassenraum oft größer sind als von Bundesland zu Bundesland. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hat deshalb völlig recht, wenn sie heute sagt: Dass Deutschland sich verbessert habe im OECD-Ranking, sei vor allem den einzelnen Schulen zu verdanken. Erfolgreich sind Schulen mit einer engagierten Schulleitung. Schulleiter müssen deshalb Führungspersönlichkeiten sein mit hoher Managementkompetenz. In den erfolgreichen Bildungsnationen werden Schulleiter besonders ausgebildet. In Deutschland werden diese Posten zu oft verschachert.
Lehrerinnen und Lehrer werden von ihren Arbeitgebern behandelt, als gäbe es sie gar nicht. Sie haben kein eigenes Telefon, keine Mailadresse. Sie sind außerhalb der Unterrichtszeit für Schüler schlecht, für Eltern so gut wie gar nicht zu erreichen - außer sie geben ihre private Telefonnummer weiter. Sonderengagement wird weder mit Zeit noch mit Geld ausgeglichen. Wenn Lehrer Glück haben, bekommen sie Lob von ihren Schülern.
Lehrer brauchen einen neuen Status. Der Job gehört in einer Bildungsnation wie Deutschland zu den wichtigsten, die das Land zu vergeben hat. Über Arbeitsplatzqualität muss auch politisch entschieden werden. Solange Lehrer von ihren Dienstherren behandelt werden wie Tagelöhner, wird es nur in Tippelschritten weitergehen.
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(sueddeutsche.de/holz/bön)
Es ist schon erstaunlich, wie viele Kommentatoren sich ein Urteil über den Beruf des Lehrers erlauben. Im Positiven wie Negativen...
Es ist wohl so, dass man ertragen muss, dass jeder sich selbst als Profi des Umfelds Schule, Unterricht, Fachdidaktik, Erziehung und Beratung sieht weil jeder schließlich einige Jahre die Schule als Schüler erlebt hat.
Allerdings wird vielfach ignoriert, dass man als Schüler kaum Entscheidungsprozesse, Unterrichtsvorbereitung, Korrekturen, Konferenzen und Elterngespräche mitbekommt. Kein Schüler und daher auch niemand, der nicht Lehramt studiert hat und in diesem Job arbeitet, sollte sich ein vielfach zu lesendes herabsetzendes Urteil erlauben! Faule Lehrer, Urlaubsmentalität, Drückeberger.... Ich habe es satt, mir ständig unqualifizierte Meinungen über meinen Beruf anhören zu müssen. Kaum jemand, der hier über die Leistungsfähigkeit eines Lehrers pöbelt hat doch den Mumm, den Kontakt zu diesem Lehrer aufzunehmen, Gespräche zu führen und ggf. die Schulleitung zu informieren. Ich habe in meinen bisherigen Berufsjahren nicht einmal solche Erfahrungen machen müssen und ich gehe weißgott nicht immer examensreif vorbereitet in eine Unterrichtsstunde. Aber ich kann aus Erfahrung sagen, dass ich viele Wochen im Jahr ertragen muss, die über eine 50-Stunden- Woche deutlich hinaus gehen.
Es gibt meiner Meinung nach kaum einen Feedback ärmeren Job als den des Lehrers...
Das Verlangen, nur noch die besten Lehrer einzustellen, ist voll berechtigt. Leider ist dies aber eine längst überfällige Forderung, die einige Schulleiter überhaupt nicht gerne hören. Hervorragende Absolventen können oft nach ihrem Vorbereitungsdienst nicht an ihren Ausbildungsschulen bleiben und müssen zugunsten schlechterer Lehrer andere Stellen suchen. Sind sie dann im Beruf, werden sie in den ersten Jahren mit Arbeit oft völlig überfrachtet, bekommen miserable Stundenpläne, werden bei Lob und Aufstiegsmöglichkeiten systematisch übergangen, weil sie mit ihren kreativen Veränderungsideen mehr können als mancher Schulleiter. Was sich ändern muss, ist nicht die Bildungspolitik. Man muss Direktoren eher auf die Finger schauen, damit kreative Köpfe auch wirklich wirken können und nicht an Mobbing kaputtgehen.
Ich hätte Herrn Thorsten Denkler vor der Niederschrift des Artikels die folgende Lektüre empfohlen: http://bazonline.ch/schweiz/standard/Die-Unterschiede-zwischen-guten-und-schlechten-Schulen-sind-gross/story/26174325.
Basler Zeitung, 07.12.2010, «Die Unterschiede zwischen guten und schlechten Schulen sind gross». Betreff aus Zuschrift 13:59.
Der Herr Demkler kommt offenbar gerade von einer Einladund zum Fortgeschrittenen-Seminar der Ärzte mit dem Titel:"Lerne klagen ohne zu leiden" Immer vor Augen das Elend der spanischen Fluglotsen,die man inzwischen mit einem Durchschnittseinkommen von 350 000 €/Jahr in die Armut getrieben hat.Auch in Deutschland haben ohnehin priviligierte Berufsgruppen schnell erkannt,wie man sich ungeniert weitere Vorteile erjammern kann.Das dabei Patienten,Kinder und Fluggäste als Geiseln genommen werden,fällt vielen einfältigen Zeitgenossen gar nicht auf.
Das Hauptproblem sind aber nicht die Lehrer. Da gab es immer schon gute und schlechte, engagierte und faule Lehrerinnen und Lehrer. Das Hauptproblem sind die Eltern. Die tragen die Verantwortung für die Erziehung ihrer Kinder.
Ich habe mal gelesen: 1 Stunde Fernsehen am frühen Nachmittag reicht aus um alles, was in der Schule gelernt wurde, zu vergessen!
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