Sexueller Missbrauch und Gewaltexzesse an Eliteschulen schrecken Eltern auf. Sind Internate der perfekte Tatort? Der enge Zirkel von Lehrern und Schülern birgt immer Gefahren.
Das Internat - eine elitäre Schuleinrichtung für die adrett uniformierten Sprösslinge der Oberschicht. So stellen sich Schüler die Privateinrichtungen seit Generationen vor. Die Wenigsten waren je persönlich dort, näher als durch das Lesen leichtfüssiger Jugendbücher wie Hanni und Nanni oder Die Fünf Freunde kamen sie der geheimnisvollen Schulform in der Regel nicht. Was sich hinter den dicken Internatsmauern abspielt - die große Masse der Schüler an konventionellen staatlichen Schulen kann es nur erahnen.
Bild vergrößern
Internate auf dem Prüfstand: In dem hessischen Elite-Internat Odenwaldschule sind bislang 24 Fälle von sexuellem Missbrauch bekannt. (© Foto: Reuters)
Anzeige
Der Skandal weitet sich aus
Dass jetzt immer neue Missbrauchsfälle in privaten Internaten an die Öffentlichkeit dringen, rückt den Fokus der Aufmerksamkeit wieder einmal auf den engen Zirkel von Lehrern und Schülern. Waren es zu Beginn ausschließlich katholische Einrichtungen, die ins Visier der Ermittler gerieten, weitet sich der Missbrauchsskandal inzwischen immer weiter aus. Von 1970 bis 1985 sollen beispielsweise an der renommierten Odenwaldschule für Reformpädagogik in Hessen Schüler vom Schulleiter und mindestens drei Lehrern missbraucht worden sein.
Unabhängig von der Konfession stellt sich die Frage, ob es der "Mikrokosmos Internat" ist, der den Missbrauch untergebener Schüler begünstigt. Ein Schulsystem, lange Zeit getragen von der Tradition, steht auf dem Prüfstand. Das empfindet auch Detlef Kulessa, der Geschäftsführer der Internatsberatung "Töchter und Söhne" so. Etwa 20 Prozent der anrufenden Eltern beziehen sich im Gespräch mit ihm mittlerweile auf die Missbrauchsfälle in den Internaten Odenwald, St. Blasien oder bei den Regensburger Domspatzen. "Die häufigste Frage ist natürlich 'Wie kann ich mein Kind schützen?'", sagt er.
Zeit für das Inoffizielle
Auch wenn die Fälle, die derzeit die Medien beschäftigen, verhältnismäßig lange zurücklägen, habe niemand die Gewissheit, dass ähnliche Vorkommnisse heute unmöglich seien. Kulessa rät den besorgten Eltern vor allem eines: "Nehmen Sie sich bei Besuchen des Internats Zeit für den inoffiziellen Teil. Sprechen Sie mit Schülern, ohne dass ein Schulsprecher oder eine Aufsichtsperson anwesend ist. Erst in solchen Gesprächen entwickelt man ein Gespür für die Situation und die Stimmung im Internat." Jenseits aller verblümter Schulleiterrhetorik.
Normalerweise rufen bei "Töchter und Söhne" vor allem Eltern an, die ihre Kinder in ein Internat schicken wollen, und nicht wissen, welches das beste für ihren Nachwuchs ist. Die Nachfrage und das Interesse an Privatschulen und Internaten im In- und Ausland ist in den letzten Jahren anhaltend gestiegen. Angesichts ernüchternder Pisa-Ergebnisse staatlicher Schulen, Lehrermangels und überfüllter Klassen geben Eltern gerne Geld aus, um ihren Kinder die bestmögliche Bildung zu gewährleisten. Und die erwarten sich viele noch immer von Einrichtungen, in denen die Kinder 24 Stunden am Tag unter Aufsicht sind.
Erfolgsrezept Struktur
"Die meisten Eltern erhoffen sich, dass das Internat den Kindern eine feste Struktur vorgibt. Etwas das ihnen selbst nicht gelingt. Kinder sollen mit Konsequenz ihren Leistungserfolg steigern. Dabei geht es nicht nur um die Lernstrukturen, sondern auch um die Freizeitplanung und das soziale Gefüge. Im Internat sollen die Jugendlichen ihren Platz in der Gesellschaft finden, die richtigen Leute kennenlernen und dabei zu verantwortungsvollen Erwachsenen erzogen werden", sagt Kulessa. Erfolgreiche Absolventen scheinen das Gelingen des Konzepts zu bestätigen. Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit war ebenso Schüler der Odenwaldschule wie die Moderatorin und Buchautorin Amelie Fried, der ehemalige CDU-Vorsitzende Rainer Barzel ist Absolvent des Canisius-Kollegs in Berlin.
Mit entsprechend hohen Erwartungen wenden sich Eltern auch an Marie-Theres Pütz-Böckem von der Internatsberatung des Verbands Katholischer Internate und Tagesinternate. "Die Kinder sollen in der Gemeinschaft ihre Leistung verbessern. Manchmal geht es auch darum, sie aus einem schlechten Umfeld zu entfernen oder sie gezielter zu fördern", sagt sie. Vom Erfolg der Internate ist sie überzeugt. Besorgte Anrufe wegen der steigenden Zahl an Missbrauchsfällen hat Pütz-Böckem noch nicht erhalten. Der Verband Katholischer Internate will dem schon auf seiner Internetseite entgegenwirken.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
- Missbrauchsskandal Trost oder Grenzübertretung? 09.03.2010
- Kirche, Kinder und der Missbrauch Moral und Wirklichkeit 06.03.2010
- Schweizer Elite-Internat Drill und Disziplin 09.12.2008
- Bildungsgerechtigkeit Privatschule für alle 14.09.2009
- Missbrauch an Klosterschulen Zölibat und Missbrauch 27.02.2010
ein gängiges Erziehungsmittel war
Alle Internatsberatungen erhalten von den Schulen Vermittlungsprovisionen. Über die Höhe sollten interessierte Eltern aufgeklärt werden.
Seltsam, es gab auch viele die nicht geprügelt haben.
Vor allem ärgert die Aussage sehr, haben ja früher alle gemacht.
also war es richtig.
Hallo, gehts noch, das sind und waren Priester.
Mal in die Evangelien geschaut?
Haben Sie schon mal den Namen Jesus gehört?
Da gibt es die 10 Gebote.
Und das alles soll ich verstehen und akzeptieren, diese Art der Rechtfertigung: Ist ja lange her.
Diese Menschen hatten keine Moral und ahben sie heute noch nicht.
Oh nicht zu vergessen, man hat sich ja entschuldigt.
Wenns eine Hölle geben sollte, dann sollten sie schmoren, aber so was von lange.
Diese großartigen Moralapostel.
Sie haben es nicht begriffen. Die Watschn war leider zu dieser Zeit ein gängiges Erziehungsmittel. Dass wir heute dagegen sind, ist ein Hinweis darauf, dass sich inzwischen auch im Erziehungswesen humanere Erziehungsmethoden durchgesetzt haben. Mit dem Missbrauchsthema hat das freilich nichts zu tun. Da handelt es sich um eine ganz andere Kategorie von Übergriffl, nämlich um eine verbrecherische Handlung.
Ein wirklich sehr schwieriges und vielschichtiges Thema. Es hat sicher auch sexueller Mißbrauch stattgefunden, aber was ist mit den vielen interpretierbaren Grenzfällen? Beispiel: Ich habe als Schülerin in den großen Ferien einmal sechs Wochen in einem Kindergarten gejobbt. Die Kinder waren zum Teil sehr anhänglich und haben sich - von sich aus - häufig auf meinen Schoß gesetzt, mich umarmt oder sogar auf die Backe geküsst, mir Geschenke gebastelt etc. und in einem Fall sogar geweint, wenn ich Nachmittags nach Hause ging. Nun war ich damals eben eine junge Frau und genau das macht offenbar den Unterschied. Gerecht ist das aber nicht, dass Männer immer gleich unter Generalverdacht stehen.
Ich persönlich würde meinen Sohn niemals in ein Internat geben, aber wenn, wie würde reagiert werden, wenn er traurig ist und vielleicht weint? Darf man sich als männlicher Betreuer dann nicht mehr trauen zu trösten, weil man sonst sofort des sexuellen Mißbrauchs verdächtig wird? Ich glaube, dass tatsächlich Mißbrauch stattgefunden hat, aber auch, dass es viele Trittbrettfahrer gibt, die sich nun wichtig machen wollen. Im übrigen gibt es viele Menschen, die eine schmutzige Phantasie haben und jede körperliche Zuwendung bereits als Mißbrauch einstufen.
Paging