Hilfe bei der Jobsuche Vorgesetztenverhalten? "Das Allerletzte!"

Mitarbeiter, ehemalige Bewerber und Ex-Angestellte können im Netz ihren Arbeitgeber bewerten. Zu viele Schlüsse sollten Jobsuchende daraus aber nicht ziehen.

(Foto: Matt Hoffman/Unsplash; Bearbeitung SZ)
  • Immer mehr Menschen lassen sich bei der Jobsuche davon beeinflussen, was Mitarbeiter und Ex-Angestellte im Netz über ihr Unternehmen sagen.
  • Welche Aussagekraft die anonymen Bewertungen haben, ist umstritten.
  • Karriereberater empfehlen, Einzelmeinungen nicht zu ernst zu nehmen.
Von Larissa Holzki

Arbeitsatmosphäre? "Druck bis zum Umfallen." Vorgesetztenverhalten? "Rückgratlos, falsch - das Allerletzte." Work-Life-Balance? "Kann man mehr oder weniger vergessen." Wenn Ex-Angestellte und frustrierte Mitarbeiter im Netz ihre Arbeitgeber bewerten, fallen die Kommentare oft böse aus. Für Unternehmen wird das zunehmend zum Problem: Immer mehr Menschen schauen sich bei der Jobsuche auch auf den öffentlichen Bewertungsplattformen um, zeigt eine Studie des Digitalverbands Bitkom.

Demnach geben 45 Prozent der berufstätigen Internetnutzer an, sich schon mal auf Portalen wie Kununu, Jobvote und Glassdoor informiert zu haben. Acht von zehn wechselwillige Interessenten lassen sich davon in ihrer Entscheidung beeinflussen. Und bei mehr als der Hälfte von ihnen sind die gelesenen Meinungen schon ein Grund dafür gewesen, sich gegen das bewertete Unternehmen als Arbeitgeber zu entscheiden, zeigt die Befragung.

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Aber lässt sich aus den Beiträgen auf den Bewertungsportalen tatsächlich auf die Qualität des Arbeitsplatzes schließen? Kritiker bemängeln, dass zufriedene Arbeitnehmer keinen Anreiz haben, anderen ihre Arbeitssituation zu beschreiben. Für Angestellte, die sich mit ihrem Chef überworfen haben, sind die anonymen Erfahrungsberichte hingegen eine Möglichkeit, nachzutreten. Und sehr gute Beurteilungen könnten schließlich auch gekauft sein.

Bei den Anbietern der Bewertungsportale glaubt man natürlich an den aufklärerischen Geist der Arbeitnehmer. "Aus der Forschung wissen wir: Unsere Nutzer wollen Erfahrungen teilen, ihre Arbeitsbedingungen verbessern oder einfach Feedback an den Arbeitgeber geben", sagt Johannes Prüller von Kununu. Dass sie tatsächlich für das bewertete Unternehmen gearbeitet haben, müssen Nutzer erst beweisen, wenn der kritisierte Arbeitgeber sich beschwert und angibt, die Beschreibung könne auf kein Arbeitsverhältnis bei ihm zutreffen. Grenzen zieht das Unternehmen nur bei Schmähkritik und unwahren Behauptungen.

Nicht von der Einzelmeinung beirren lassen

Karriereberater sehen die Bewertungen und ihre Aussagekraft kritisch, vor allem mit dem Blick auf Einzelmeinungen. "Ziehen Sie keine Bewertung zur Entscheidungsfindung heran, in der unter massivem Gefühlseinsatz irgendein Arbeitnehmer-Unrecht aufgearbeitet wird", rät der Bewerbungshelfer Gerhard Winkler. Ein Erkenntnisinteresse werde damit eher nicht bedient: "Da verschaffen sich hoch entrüstete Menschen Luft."

Auch Karrierecoach Bernd Slaghuis mahnt, Jobsuchende sollten einzelnen Beiträgen nicht zu viel Bedeutung beimessen: "Eine schlechte Bewertung auf Kununu sollte kein K.o.-Kriterium für die Bewerbung sein", sagt er. Trotzdem rät er seinen Klienten dazu, sich die Kommentare anzusehen. Sie sollen darauf achten, was häufig kritisiert wird, womit viele Bewerter zufrieden sind und wie die Führungskräfte bewertet werden.