Wenn Unis und Firmen kooperieren, bringt das wirtschaftlichen Nutzen für beide Seiten. Auch Studenten können profitieren - wenn sie sich darauf einlassen.
Praktische Erfahrungen sind das A und O - vor dem Studium, nach dem Studium und wenn möglich auch während des Studiums. Kooperiert eine Hochschule mit einem Unternehmen, kann das für den Studenten daher Vorteile haben. Er bereitet sich frühzeitig auf die Arbeitswelt vor und knüpft womöglich wichtige Kontakte. Einen faden Beigeschmack hat die Sache aber: Kritiker sehen die unabhängige Lehre in Gefahr, wenn ein Unternehmen seine Fühler in Richtung Wissenschaft ausstreckt.
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Forschung praktisch erleben: Ein Student begutachtet einen Wafer im Ausbildungszentrum der X-FAB Semiconductor Foundries AG in Erfurt. Das Unternehmen bietet zusammen mit der Fachhochschule Schmalkalden und der Technischen Universität Ilmenau ein duales Studium an. (© Foto: dpa)
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Zwei ungleiche Partner
Wissenschaft und Wirtschaft - zwei ungleiche Partner, die sich nicht immer mögen. Die eine Seite wird als zu praxisfern gescholten, die andere als zu profitorientiert. Wechselt ein Student nach seinem Abschluss die Seiten, prallen oft zwei Welten aufeinander. Doch das muss nicht sein. Denn in den vergangenen Jahren sind die unterschiedlichsten Formen von Kooperationen entstanden.
"Das geht von einer sehr losen Zusammenarbeit über einen Studiengangsbeirat bis hin zum dualen Studium", sagt Jan Rathjen von der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) in Bonn. Der Vorteil: "Die Qualifikation der Studierenden ist stärker am Arbeitsmarkt orientiert", erklärt Rathjen. Die Studenten bekommen einen realistischen Eindruck von der Arbeitswelt und lernen, ihr Studium entsprechend auszurichten. Die Verantwortung für die Lehrinhalte habe aber die Hochschule zu tragen. Ein Verlust der Unabhängigkeit müsse ausgeschlossen werden. Die Akkreditierung sei dafür ein Sicherungsinstrument, sagt Rathjen.
Angreifbare Freiheit
Das sei natürlich der Idealfall, meint Svenja Hofert, Karrierecoach und Autorin aus Hamburg. Sie bezweifelt, dass die Freiheit von Forschung und Lehre niemals angetastet wird. "Die Unternehmen wollen für ihr Geld schließlich auch etwas zu sagen haben." Zudem beteiligen sich oft sehr große Firmen an den Kooperationen. "Dabei spielen in der Praxis die kleinen und mittelständischen Unternehmen eine viel größere Rolle." Sind die Inhalte des Studiums nur auf die großen Unternehmen zugeschnitten, hilft das den Bewerbern auf dem Weg in den Beruf womöglich wenig.
"Eine neutrale Ausbildung macht in jedem Fall freier für die spätere Berufswahl", sagt Hofert. Gerade bei festen Kooperationen wie dem dualen Studium könne es nach der Ausbildung schwieriger werden, andere Firmen von sich zu überzeugen. "Da kommt dann mit Sicherheit im Bewerbungsgespräch die Frage, warum man vom Unternehmen nicht direkt übernommen wurde." Schwierig ist das besonders dann, wenn der Student am Anfang seiner Bildungslaufbahn noch nicht genau beurteilen kann, wo es später hingehen soll.
Problem Patentrecht
Einer, der sich ausführlich mit dem Thema befasst hat, ist Frank Ermert. Er arbeitet an der Schnittstelle von Wirtschaft und Wissenschaft. Die Forschungstransferstelle der Universität Siegen soll dafür sorgen, die ungleichen Partner zusammenzuführen. "Die Industrie investiert in die Erledigung einer Fragestellung. Die Hochschule versucht diese zu bearbeiten und eine Lösung zu entwickeln", sagt Ermert. Probleme gebe es bei dieser Zusammenarbeit nur in Hinblick auf das Patentrecht.
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