Der deutsche Staat zahlt Bildung - teuer wie nie

Der deutsche Staat hat noch nie so viel Geld für Bildung eingeplant wie in diesem Jahr. Die Studentenwerke klagen trotzdem über zu wenig Unterstützung.

Angesichts der wachsenden Zahl von Studienanfängern in den kommenden Jahren fordert das Deutsche Studentenwerk (DSW) höhere Zuschüsse von den Bundesländern. Der öffentliche Anteil am Budget der bundesweit 58 Studentenwerke liege inzwischen nur noch bei zehn Prozent, nachdem er im Jahr 1992 noch 24 Prozent betragen habe, sagte DSW-Geschäftsführer Achim Meyer auf der Heyde in Berlin. Die Finanzierungslücke zwinge die Studentenwerke zu höheren Preisen für Essen- und Wohnheimplätze sowie zu höheren Semesterbeiträgen für Studenten.

2010 wurde so viel Geld für Bildung ausgegeben wie nie zuvor.

(Foto: dapd)

Bis 2015/2016 rechnet das DSW mit einem Anstieg der Studentenzahl von derzeit 2,2 Millionen auf bis zu 2,5 Millionen. Vor diesem Hintergrund erwartet auf der Heyde einen "dauerhaft höheren Bedarf" an Wohnheimplätzen und soliden Angeboten zur Studienfinanzierung. Das von der Bundesregierung aufgelegte Nationale Stipendienprogramm könne in diesem Zusammenhang ebenso wie Studienkredite "nur marginal" helfen und bevorzuge zudem Kinder aus bildungsnahen Schichten.

Unterstützung von den Eltern

So erhielten zurzeit lediglich drei Prozent der Studenten ein Stipendium, fünf Prozent nähmen einen Studienkredit in Anspruch. Als Finanzierungsquelle seien Eltern, Nebenjobs und das Bafög wesentlich wichtiger, betonte auf der Heyden. Demnach werden 87 Prozent der Studenten von ihren Eltern unterstützt, zwei Drittel arbeiten neben dem Studium und gut ein Viertel bezieht Bafög. Im Schnitt hätten Studenten monatlich 812 Euro zur Verfügung.

Nach DSW-Schätzungen könnten bis zu 150.000 Studenten zusätzlich Bafög erhalten, wenn die Elternfreibeträge erhöht würden. Die Kosten hierfür entsprächen dem Finanzierungsvolumen des Stipendienprogramms. Für die Zukunft forderte das DSW, die Bafög-Sätze an die allgemeine Preis- und Einkommensentwicklung anzupassen.

2011 wieder weniger

Währenddessen meldete das Statistische Bundesamt in Wiesbaden, dass der deutsche Staat noch nie so viel Geld für Bildung eingeplant hat, wie dieses Jahr. Die Etats von Bund, Ländern und Gemeinden sehen zusammen 102,8 Milliarden Euro für Kitas, Schulen, Jugendarbeit, Hochschulen, Bafög, Volkshochschulen und Berufsakademien vor. Das sind 4,5 Prozent mehr als im Haushaltsjahr 2009, als 98,3 Milliarden Euro veranschlagt wurden.

Nach Ansicht der Bildungsgewerkschaft GEW gibt Deutschland aber nach wie vor viel zu wenig Geld für Bildung aus. Dank des Geldes aus den Konjunkturpaketen seien die öffentlichen Bildungsausgaben 2009 und 2010 leicht gestiegen, sagte der GEW- Vorsitzende Ulrich Thöne in Frankfurt am Main. Dieses Geld falle 2011 aber wieder weg.

Durchschnittliches Deutschland

Die geplanten Einsparungen in den Länderhaushalten führten zu weiteren Einschnitten. Im internationalen Vergleich, wo mit etwas anderen Positionen gerechnet und auch einige private Ausgaben einbezogen werden, lag Deutschland bei den Bildungsausgaben zuletzt (2007) unter dem OECD- Durchschnitt. Demnach ließ sich Deutschland seine Bildungseinrichtungen vom Kindergarten über die Schule bis zur Hochschule und Berufsbildung 114,2 Milliarden Euro kosten. Das waren 4,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes - und damit ein Prozentpunkt weniger als der Durchschnitt der wirtschaftlich starken, in der OECD zusammengeschlossenen Länder.

Wie weit Deutschland bei den Bildungsausgaben hinterherhinke, werde erst im internationalen Vergleich richtig deutlich, sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). "Um auf das internationale Durchschnittsniveau zu kommen, müssten die Bildungsausgaben jährlich um rund 40 Milliarden Euro steigen. Von führenden Bildungsstaaten wie Dänemark wäre Deutschland dann aber immer noch meilenweit entfernt."

Thöne schlug vor, die Steuern für Spitzenverdiener und auf Unternehmensgewinne zu erhöhen sowie die Vermögensteuer wieder einzuführen, um zusätzlich Geld für Bildung zu bekommen. Die öffentlichen und privaten Gesamtausgaben für Bildung, Forschung und Wissenschaft beziffern die Statistiker für das Jahr 2007 in einer dritten Berechnung auf mehr als 204 Milliarden Euro. Dies habe einem Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 8,4 Prozent entsprochen. Tendenz steigend: Im Jahr 2008 waren es nach vorläufigen Berechnungen rund 215,3 Milliarden Euro oder 8,6 Prozent des BIP. Neuere Zahlen liegen noch nicht vor.