Demografie in Arbeitnehmervertretungen Zu alt, zu männlich

Nur 30 Prozent der Betriebsratsvorsitzenden sind Frauen. Das geht aus einer Studie zu den Betriebsratswahlen 2014 hervor, die der "Süddeutschen Zeitung" vorliegt. Zudem fehlt es an Nachwuchs - junge Arbeitnehmer fürchten Karrierenachteile.

Von Ines Alwardt

Frauen stellen wesentlich weniger Betriebsratsvorsitzende als ihre männlichen Kollegen. Im Schnitt liegt ihr Anteil bei nur 30 Prozent, wie aus dem Zwischenbericht "Trendreport Betriebsratswahlen 2014" der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung hervorgeht, der der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Ein Forscherteam der Uni Marburg hat für die Analyse die Betriebsratswahlen 2014 begleitet und erste Ergebnisse ausgewertet.

In dem Bericht, der an diesem Donnerstag veröffentlicht wird, heißt es unter anderem: "Der Anstieg des Frauenanteils in den Betriebsratsgremien seit der Reform des Betriebsverfassungsgesetzes könnte an Grenzen gelangt sein". Damals, im Jahr 2001, wurde die sogenannte Minderheitengeschlechterquote in dem Gesetz verankert; das Geschlecht, das innerhalb der Firmenbelegschaft in der Minderheit ist, muss danach mindestens ebenso stark im Betriebsrat vertreten sein wie unter den Angestellten. 13 Jahre später erfüllt die IG Metall die Minderheitenquote zu 74,3 Prozent und Verdi zu 91,7 Prozent. "Es könnte besser sein", sagt Stefan Lücking, zuständiger Referent der Hans-Böckler-Stiftung für den Trendreport.

Aus seiner Sicht offenbart der Bericht aber noch ein anderes drängenderes Problem: die Altersstruktur der Betriebsräte. "Der Anteil der Unter-45-Jährigen ist nochmal gesunken", sagt Lücking. Waren vor vier Jahren noch 38,4 Prozent der Betriebsräte zwischen 31 und 45 Jahre alt, sind es aktuell nur noch 31,7. Die Zahl der 46- bis 59-Jährigen hingegen ist von 2010 auf 2014 um gut vier auf 56 Prozent gestiegen.

Vertrauen in Erfahrung macht Nachwuchssorgen

Grund dafür ist, dass die Beschäftigten laut Zwischenbericht solche Betriebsräte wiederwählen, die bereits länger im Amt sind und Erfahrungen gesammelt haben. Das führt zu dem, was Stefan Lücking "Überalterung" nennt. Sie könnte bei den nächsten Wahlen spürbar werden - wenn ein großer Teil der Älteren in Rente geht. Die Betriebsräte brauchen Nachwuchs.

Nur sei es schwierig, jüngere Kollegen für Posten zu gewinnen, sagt Lücking, da zu viele nur befristete Verträge hätten und sich nicht für vier Jahre festlegen wollten. "Viele haben auch Bedenken, es könne ihrer Karriere schaden, wenn sie einige Zeit von ihrer Arbeit freigestellt werden", sagt Lücking. Die Betriebsräte müssten sich deshalb schon jetzt Gedanken machen - darüber, wen sie brauchen und wen sie aufbauen.