Bundestag beruft reine Männer-Kommission Man bleibt Mann

Kristina Schröder und Ursula von der Leyen diskutieren über die Frauenquote. Ihre Kollegen scheint das wenig zu interessieren. Der Bundestag beruft eine Enquete-Kommission über Wohlstand - ohne eine einzige Frau.

Von Felix Berth

Es hätte so schön sein können. 17 Wissenschaftler denken gemeinsam mit 17 Politikern über eine lebenswerte Zukunft nach: Wie kann Wachstum möglichst vielen Menschen nützen, Unternehmern genauso wie Arbeitslosen, Kindern genauso wie Müttern, Vätern genauso wie Kinderlosen? Was eignet sich als Maßstab für Wohlstand besser als das Bruttoinlandsprodukt? Mit solchen Fragen soll sich die Enquete-Kommission "Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität" beschäftigen, die der Bundestag kürzlich einberufen hat.

Doch es sieht danach aus, als könnte der Blick der Wissenschaftler ziemlich eingeschränkt sein. Unter den 17 Wissenschaftlern ist keine einzige Frau: Ausschließlich Männer wurden auf die prestigeträchtigen Posten berufen. "Wenn man das ernst nimmt, heißt das, dass allen Wissenschaftlerinnen in diesen Gebieten der Sachverstand abgesprochen wird - ungeheuerlich", sagt die Soziologin Heike Solga vom Wissenschaftszentrum Berlin.

Das Phänomen männerdominierter Führungsfelder kann man nicht besser illustrieren als mit dieser Nachricht. Während die Unions-Ministerinnen Kristina Schröder und Ursula von der Leyen über Frauenquoten für Firmen nachdenken, berufen ihre Parlamentskollegen ausschließlich männliche Experten in eine Kommission, die sich auch mit Geschlechterfragen beschäftigen wird. Auch die Union, die sechs eigene Abgeordnete entsenden darf, schickt auch bloß Männer.

Unplausibel ist, dass das Thema nur Männer interessiert. Das gälte vielleicht für Wasserstraßenbau oder die Technische Anleitung Siedlungsabfall - doch über die Themen der Kommission forschen Frauen seit Jahren: Soziologinnen beschäftigen sich mit Lebensentwürfen; Ökonominnen befassen sich mit Umwelt, Nachhaltigkeit und Innovationen. Wie so oft hatten Männer auch diesmal das bessere Netzwerk, vermutet Soziologin Solga: "Einem Mann fallen nun mal eher Männer ein, wenn solche Positionen zu besetzen sind."

Die Politologinnen Inge Kaul und Brigitte Young haben einen empörten Brief an die Ausschuss-Chefin Daniela Kolbe (SPD) geschrieben: Mindestens 25 Prozent der männlichen Mitglieder sollten zugunsten von Frauen zurücktreten. Das würde die Effizienz des Gremiums erhöhen und die Chancengleichheit betonen. Die Adressatin Kolbe aber kann sich nicht vorstellen, dass Männer verzichten: "Das halte ich nicht für realistisch", sagte sie der Süddeutschen Zeitung. Womit sie wohl recht hat - so leicht ändert sich in diesen Fragen nichts.

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