Nix geboten an den Unis: Kleine Unternehmen suchen an Hochschulen oft vergeblich nach Fortbildungsmöglichkeiten. Jetzt will sich der Mittelstand selbst helfen.
Ein Automobilzulieferer will expandieren, Geschäfte machen über die Landesgrenzen hinaus, und seine Mitarbeiter deswegen zu Fachleuten in Außenwirtschaft fortbilden. Der Chef sucht nach Angeboten auf dem Weiterbildungsmarkt, findet aber kein passendes Angebot in der Region. Also durchforstet er die Internetseiten der örtlichen Hochschule, findet aber keine Informationen. Er wählt die zentrale Telefonnummer. Im Sekretariat wird er an den Lehrstuhl Lehrstuhl verwiesen. Genervt gibt der Chef auf.
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Wer Informationen zu universitären Angeboten zur Weiterbildung will, muss lange suchen. (© Foto: dpa)
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Keine Chance für lebenslanges Lernen
Es ist nur ein Gedankenspiel, das Knut Diekmann anstellt. Doch das Thema ist Wirklichkeit. Viele Mittelständler suchen an Hochschulen vergeblich nach Weiterbildungsangeboten für ihre Mitarbeiter. Diekmann, beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) für die Weiterbildungspolitik zuständig, kennt ihre Probleme.
Lebenslanges Lernen gewinnt an Bedeutung - von mehrtägigen Fortbildungen bis zu einem berufsbegleitenden Studium. Aber wo und wie? Schon die Informationssuche stelle viele Mittelständler vor "massive Probleme", sagt Diekmann. Etwa hundert Datenbanken für Fortbildungen privater Anbieter gebe es, sagt er. Diekmann weiß auch, wie viele Datenbanken mit zentralen Informationen zur universitären Weiterbildungen für kleine Unternehmen es gibt: "Keine."
Privat, besser, teurer
Von einem "undurchsichtigen Weiterbildungsdschungel" spricht auch Ann-Katrin Schröder, Programmleiterin des Stifterverbands für die deutsche Wirtschaft, einem Zusammenschluss von Stiftungen und Privatpersonen mit dem Ziel, Wissenschaft und Bildung voranzubringen. Suche und Kommunikation sind nicht die einzigen Probleme der Mittelständler. Hochschulen böten überwiegend wissenschaftliche Weiterbildungen an. Oftmals verlange ein Mittelständler aber eine praxisnahe Fortbildung, sagt Diekmann. Universitäten kämen erst ins Spiel, wenn es um hochspezialisierte Expertise gehe. Deshalb arbeiten viele Firmen lieber mit einem privaten Anbieter, der zwar teurer sei, aber mehr Erfahrung habe.
Diekmann vermisst außerdem adäquate Angebote der Hochschulen, deren Schwerpunkte nach wie vor besonders auf Forschung und Lehre lägen, ihre dritte Kernaufgabe, die Weiterbildung, würden hingegen vernachlässigt. In den vergangenen Jahren habe sich die Lage leicht verbessert; Universitäten haben eigene Zentren oder Agenturen für Fortbildungen gegründet. Seit der Bologna-Reform hätten viele ihr Angebot erweitert, sagt Anke Hanft, Professorin am Institut für Pädagogik, Erwachsenenbildung und Weiterbildung an der Universität Oldenburg.
Zusammenarbeit für ein besseres Angebot
An ihrer Hochschule gibt es ein besonderes Angebot: den Bachelor "Business Administration", berufsbegleitend für mittelständische Unternehmen. Hanft sagt, es habe ein Umdenken stattgefunden; Betriebe bildeten ihre Fachkräfte selbst aus, statt sie auf dem Markt zu suchen, während Universitäten darauf hofften, dass Bachelor-Absolventen nach den ersten Berufsjahren für einen berufsbegleitenden Master in den Hörsaal zurückkehren.
Der Stifterverband versucht, die Probleme zu lösen. Derzeit läuft das Projekt "Quartäre Bildung", gemeinsam mit der mit der Professional School der Leuphana Universität Lüneburg. Ziel ist es, Weiterbildungsangebote an Hochschulen künftig besser auf die individuellen Bedürfnisse der Studenten und auf die praktischen Anforderungen der Wirtschaft abzustimmen. Über zwei Jahre hinweg soll ein Konzept erarbeitet werden, wie die Vergleichbarkeit der Angebote verbessert werden kann. Dabei soll ermittelt werden, welchen konkreten Bedarf Unternehmen an Fortbildungen haben. Anschließend sollen Unternehmen und Hochschulen gemeinsame Weiterbildungsmaßnahmen entwickeln.
Suche nach dem passenden Konzept
Erste Lösungsansätze gibt es bereits. Die Suche nach dem passenden Angebot für ein Unternehmen dürfe nicht nur die nächste Universität oder Fachhochschule in der Region beinhalten, sagt Schröder. Sie rät Unternehmen, die eine auf ihren Bedarf zugeschnittenen Weiterbildung suchen, sich mit anderen Firmen zusammenzuschließen und dann gemeinsam mit einer Hochschule ein passendes Angebot zu konzipieren.
Anke Hanft setzt sich außerdem für eine höhere Durchlässigkeit von Leistungen ein. Fortbildungen außerhalb der Universität werden in Oldenburg mit Credit-Punkten bewertet, die später auf einen Studienabschluss angerechnet werden können. HIS, die Hochschul-Informations-System GmbH, hat gerade eine Datenbank erstellt, die einen Überblick über Weiterbildungsangebote an Universitäten gibt. Frei zugänglich soll die Übersicht zunächst nicht sein. Doch sie könne als Grundlage für weitere Projekte dienen, etwa eine Suchmaschine im Internet für Betriebe, heißt es. Insgesamt sind dort 5961 Angebote aufgelistet.
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Wer kommt eigentlich auf die Idee, daß Hochschulen Fortbildungen für Unternehmen anbieten sollen, womöglich dann noch auf die Unternehmen zugeschnitten?
Die sollen Wissenschaftler "produzieren", nicht gewöhnliche Arbeiter.
Dafür sind eigentlich die DIHK und Berufsverbände zuständig. Oder Firmen bieten das von sich aus an.
Es ist überhaupt nicht einzusehen, warum der Staat über die Hochschulen wieder einspringen soll um die Angestellten von Unternehmen fortzubilden, nur weil die Unternehmen zu geizig sind, privatwirtschaftliche Bildungsangebote anzunehmen.
Zitat: Oftmals verlange ein Mittelständler aber eine praxisnahe Fortbildung, sagt Diekmann.
Das ist korrekt. Aber nicht nur der Mittelständler, sondern auch der jeweilige Arbeitnehmer würde sich gerne praxisorierntierter fortbilden.
Es bringt nichts über "Durchlässigkeit von Leistungen" zu philosophieren. Der Dekan einer Universität in Bayern hat mir schriftlich mitgeteilt das die Uni aufgrund des Bayerischen Hochschulrechts sowieso keine "Fort-/Weiterbildungsmaßnahmen" in Teilzeit anbieten darf. Da ein Vollzeitstudium aber für Arbeitnehmer eines Mittelständlers hinfällig sein dürfte, hat sich das Thema von Haus aus schon erledigt.
Und dass die FH´s lieber frischgebackene Studenten mit Abitur als Leute mit gebundener Fachhochschulreife (über den 2ten Bildungsweg erreicht) aufnehmen.. Auch das ist wohlbekannt und auch wiederum festgelegt (Quotenregelung).
Das Thema Fort- und Weiterbildung ist genauso ein Sumpf wie das ganze Thema Bildung. Diese trockenzulegen und fruchtbaren Boden daraus zu kultivieren scheint eine unlösbare Aufgabe zu sein.