Ausbildung für Flüchtlinge Hauptsache, er will

Der Handwerksverband gibt zu: "Wir haben die Imagebildung zu lange schleifen lassen."

(Foto: Thomas Lohnes/Imago)
  • Viele Deutsche Handwerksbetriebe haben bei der Suche nach fähigen Lehrlingen Probleme, weil die Branche jahrelang die Imagearbeit vernachlässigt hat.
  • Flüchtlinge könnten das Azubi-Problem lösen - die deutsche Bürokratie macht ihnen den Weg zu Lehrstelle und Karriere jedoch nicht einfach.
  • Selbst ein Ausbildungsplatz ist für Flüchtlinge derzeit keine Garantie, in Deutschland bleiben zu dürfen.
Von Anne Kostrzewa

Alle drei Monate bangt Zabih Noor, 19, um seine Zukunft. Um diese Frist verlängert die Münchner Ausländerbehörde dem jungen Mann aus Afghanistan seine Duldung. Ob es beim nächsten Mal klappt? "Ich hoffe es sehr, aber ich weiß es nie sicher." Für seinen Ausbilder ist Noor der perfekte Azubi: "Fleißig, pünktlich, talentiert", sagt Florian Pfeiffer von der Münchner Innung der Spengler, Sanitär- und Heizungstechnik. Und doch ein Risiko für den Betrieb. Es gibt keine Garantie, dass Noor bis zum Abschluss in Deutschland bleiben darf. Vor fünf Jahren kam er an, allein, auf der Flucht vor Krieg und Perspektivlosigkeit. Nach mehreren Praktika erhielt er seine Lehrstelle.

Viele junge Flüchtlinge wie Zabih Noor bringen neben handwerklichem Geschick auch große Motivation mit. Doch die deutsche Bürokratie legt ihnen auf dem Weg in die Arbeitswelt und in die Gesellschaft Paragrafen in den Weg. Nach geltendem Recht ist ein Ausbildungsvertrag für Flüchtlinge kein Garant dafür, hierbleiben zu dürfen. Stellt ein Betrieb sie ein, dann auf eigene Gefahr. Dabei sucht das Handwerk mit immer größerem Aufwand geeignete Bewerber. Im vergangenen Jahr waren zum Stichtag Ende September noch 12 800 der bei der Bundesagentur für Arbeit registrierten Lehrstellen im Handwerk unbesetzt. Zugleich gab es 81 000 Bewerber, die nur Absagen kassiert hatten.

"Natürlich bekommen wir Bewerbungen", sagt Florian Pfeiffer von der Innung. "Aber nur wenige sind geeignet." Viele Betriebe würden deshalb gern auch Flüchtlinge ausbilden. Aber sie zögern, weil sie nicht wissen, ob sie ihre Azubis bis zum Ende der Lehre und danach behalten können.

Politisch geht nichts voran

Berlin diskutiert über den Fachkräftemangel bereits, voran geht es nicht. Das von SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann im Januar geforderte Einwanderungsgesetz spaltet die Union. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) ist dagegen, CDU-Generalsekretär Peter Tauber dafür. Der Entwurf zielt auf Fachkräfte, die fertig ausgebildet einwandern sollen. Was die Debatte außer Acht lässt: das Potenzial derjenigen, die bereits hier sind.

"Die Politik hat die Dringlichkeit unseres Problems noch nicht verstanden", konstatiert Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH). Aus seiner Sicht vergeudet die Koalition Chancen für den deutschen Arbeitsmarkt. Gemeinsam mit den Industrie- und Handelskammern fordert er ein 3+2-Modell: Flüchtlinge sollen während der dreijährigen Lehre ein Bleiberecht bekommen - und zwei Jahre darüber hinaus, damit sich ihre Ausbildung auch für den Arbeitgeber rentiert.