Arbeiten mit psychischer Krankheit Behutsame Rückkehr

Eine psychische Krankheit kann das Leben ganz schön durcheinanderwirbeln. Wer sich deswegen stationär behandeln lassen muss, verliert durch seine Abwesenheit oft den beruflichen Anschluss. Doch es gibt Hilfe für den langsamen Wiedereinstieg in den Job.

Die Krankheit riss Stefan D. aus dem Beruf. Der Maschinenbauingenieur war Anfang 30 und hatte eine gute Stelle. Dann wurde er krank, konnte nicht mehr arbeiten und musste monatelang in einer psychiatrischen Klinik behandelt werden. Die Diagnose: paranoide Schizophrenie. Der Ingenieur verlor seinen Job.

Psychische Erkrankungen sind für einen Großteil der Fehlzeiten von Arbeitnehmern verantwortlich. Laut Gesundheitsreport der Krankenkasse Barmer GEK belegen sie Platz zwei nach Muskel-Skelett-Erkrankungen. "Im Durchschnitt dauern psychische Erkrankungen mit knapp 42 Arbeitsunfähigkeitstagen je Fall jedoch am längsten", sagt Barmer-GEK-Sprecher Axel Wunsch.

Mit dieser Problematik kennt sich Michael Bräuning-Edelmann gut aus. Er ist Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Rehabilitation psychisch kranker Menschen in Hannover. "Etwa 30 Prozent aller Menschen in Deutschland werden einmal in ihrem Arbeitsleben psychisch krank", sagt er. Viele brauchen intensive Langzeitunterstützung, um wieder in den Beruf hineinzufinden.

Ein Drittel der chronisch psychisch Kranken kann trotz der Erkrankung wieder normal in den Arbeitsalltag zurück", sagt Bräuning-Edelmann. Sie seien dann so weit genesen, dass sie im bisherigen Job neu starten könnten. Bei etwa zwei Dritteln klappe das nicht. "Das liegt zum einen daran, dass die Rehabilitationsmaßnahmen nach der Psychiatrie meist ein bis zwei Jahre dauern und die Menschen den Job dann oft verloren haben." Zum anderen kämen viele Menschen mit psychischen Problemen mit den Arbeitsbelastungen nicht mehr zurecht. Sie hätten beispielsweise Probleme damit, die geforderte Leistung kontinuierlich zu erbringen und könnten schlechter mit Stress umgehen. "Man muss dann schauen, was jede einzelne Person tun kann." Manchmal helfe es, in Teilzeit zu arbeiten, andere müssten umschulen.

So ging es auch Stefan D. Nach der Psychiatrie kam er in Reha-Einrichtungen und wurde zweieinhalb Jahre intensiv betreut. "Ich war im zweiten Jahr in einer beruflichen Reha", berichtet er. Dort bekam er Hilfe, beruflich Fuß zu fassen. "Wir haben besprochen, wie es mit mir weitergehen kann, was und wie viel ich mir zutraue, und man hat mir Praktika vermittelt, durch die ich andere Berufe ausprobieren konnte." Stefan D. entschied sich, die Branche ganz zu wechseln und Produktionshelfer zu werden, wo er viel mit Holz arbeiten konnte.