Ältere Arbeitnehmer Alter als "Vermittlungshemmnis"

In Deutschland arbeiten immer mehr ältere Menschen. 2012 traf dies bereits auf zwei Drittel der 55- bis unter 65-Jährigen zu. Zehn Jahre zuvor galt dies nicht einmal für die Hälfte. "Die Zunahme der älteren Beschäftigung beruht vor allem darauf, dass sie in den Unternehmen alt werden und nicht weggehen", sagt Gerhard Bosch, Direktor des Duisburger Instituts für Arbeit und Qualifikation.

"Es gibt nach wie vor Vorurteile bei der Neueinstellung von Älteren"

Doch wer mit 50 Jahren und älter seine Arbeit verliert, hat es schwer, noch einmal Anschluss zu finden. "Arbeitslosigkeit zu beenden, ist für Ältere schwieriger als für Jüngere. Ihr Alter an sich ist ein Vermittlungshemmnis", heißt es bei der BA. Arbeitsmarktforscher Bosch sieht dies genauso: "Es gibt nach wie vor Vorurteile bei der Neueinstellung von Älteren. Da hat sich in Deutschland anders als etwa in Großbritannien oder in den skandinavischen Ländern leider fast nichts bewegt."

Vor allem große Unternehmen seien nach wie vor sehr "jugendorientiert". Den Älteren werde unterstellt, sie seien weniger flexibel und lernfähig. "Außerdem gibt es die Angst, sich enttäuschte Mitarbeiter, die vielleicht ihre Führungsposition verloren haben, und damit permanente Unzufriedenheit ins Haus zu holen."

Bei den ehemaligen Münchner NSN-Mitarbeitern kommt dazu: Manchen potenziellen Arbeitgebern scheint das lange Arbeitsleben bei einem Großkonzern wie Siemens nicht zu gefallen. Dass viele auf den Telekommunikationsmarkt spezialisiert sind, erschwert die Jobsuche. Ein Sprecher von Nokia-Networks spricht von einem "relativ gesättigten IT-Markt".

Die ehemaligen NSN-Mitarbeiter wollen sich damit aber nicht abfinden. Sie baten den damals noch amtierenden Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) um Hilfe, der 300 Firmen im Münchner Großraum anschrieb. Sie beklagten sich bei Siemens-Chef Joe Kaeser, dass der Konzern nur wenige aus der Transfergesellschaft übernommen habe. Sie wandten sich an Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU). Dem Schreiben fügten sie eine Liste mit mehr als 90 Arbeitssuchenden an, fast alle über 50. Aigner antwortete kurz. Nicht sie, sondern das Arbeitsministerium sei zuständig . Viel gebracht hat das Briefeschreiben also nicht.

Sie müssen sich darauf einstellen, bei der Stellensuche Einbußen in Kauf zu nehmen

Ältere müssten sich darauf einstellen, bei der Stellensuche Einbußen in Kauf zu nehmen, heißt es bei der Bundesagentur. Im Vergleich zu jüngeren Arbeitsgruppen bekämen sie seltener Jobs, die ihren formalen Bildungsabschlüssen entsprechen. Das fürchtet auch der 54-jährige Popp, der es bisher vermieden hat, sich für befristete und für ihn deutlich unterbezahlte Stellen zu bewerben. Er hat sich zuletzt ständig weitergebildet, Zertifikate erworben, Seminare besucht. Aber nun wird die Zeit knapp.

Von Mitte September an gibt es nicht mehr die 80 Prozent des früheren Bruttogehalts von der Transfergesellschaft. Popp wird dann Arbeitslosengeld I erhalten, das sind bei ihm maximal 2380 Euro im Monat. Wie er davon seine Familie bei 1500 Euro Miete in München ernähren soll, weiß er nicht. "Ich kann mich", sagt er, "einfach nur weiter bewerben."