Studie zu Palliativmedizin Drei von vier Menschen würden gerne zu Hause sterben

  • 76 Prozent der Menschen in Deutschland würden gerne zu Hause sterben, doch nur bei jedem Fünften ist das der Fall.
  • Im Krankenhaus möchten dagegen nur sechs Prozent ihre letzten Tage verbringen. Tatsächlich stirbt nahezu jeder Zweite in einer Klinik.
  • Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie der Bertelsmann Stiftung. Die Autoren fordern einen Ausbau der palliativmedizinischen Betreuung.

Fast jeder Zweite stirbt im Krankenhaus

Drei von vier Menschen in Deutschland würden gerne zu Hause sterben, doch nur bei 20 Prozent ist dies der Fall. Tatsächlich stirbt nahezu jeder Zweite in einem Krankenhaus. Dabei wollen nur sechs Prozent der Deutschen ihre letzten Tage in einer Klinik verbringen. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie der Bertelsmann Stiftung zur Palliativmedizin. Am Donnerstag will der Bundestag das Hospiz- und Palliativgesetz beschließen, das eine bessere Betreuung sterbender Menschen ermöglichen soll.

Damit mehr Menschen ihre letzten Tage zu Hause verbringen können, fordern die Autoren der Studie einen Ausbau der ambulanten palliativen Versorgung. Die Studie zeigt in dieser Hinsicht deutliche regionale Unterschiede auf. In einem Viertel aller Kreise in Deutschland fehlen demnach spezialisierte Palliativmediziner. Wo es viele Ärzte mit einer Zusatzqualifikation im Bereich Palliativmedizin gebe, verbrächten mehr Menschen ihre letzten Tage in den eigenen vier Wänden, heißt es in der Studie. Als Beispiel nennt sie Baden-Württemberg. Dagegen sterben nach Angaben der Stiftung in den Bundesländern, in denen die stationären Angebote besonders stark ausgebaut sind, mehr Menschen in Kliniken als im Bundesdurchschnitt.

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"Fast 90 Prozent brauchen am Lebensende eine palliative Begleitung"

Als vorbildlich gilt ein Modell in Westfalen-Lippe. Dort koordinieren seit 2009 die Hausärzte die Palliativbetreuung. Im vergangenen Jahr wurden rund 20 Prozent der Verstorbenen so betreut. Nur 8,7 Prozent dieser Palliativpatienten starben in einem Krankenhaus.

Die Versorgungsangebote für Schwerkranke und sterbende Menschen seien in den vergangenen 20 Jahren stark ausgebaut worden. Trotzdem hätten 2014 bundesweit lediglich knapp 30 Prozent der Verstorbenen eine palliativmedizinische Behandlung erhalten. Der an der Studie beteiligte Lukas Radbruch von der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin sagte, dies weise auf eine Unterversorgung hin: "Fast 90 Prozent aller Menschen brauchen am Lebensende eine palliative Begleitung."

Palliativmedizin wird dann eingesetzt, wenn bei einer weit fortgeschrittenen Krankheit keine Chance mehr auf Heilung besteht und die Lebenserwartung begrenzt ist. Dabei geht es um die Verbesserung der Lebensqualität und nicht um die Verlängerung der Lebenszeit.

Mit Material von dpa

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