Spachentwicklung bei Babys Die Dolmetscher

Schon Säuglinge erkennen, ob ein Erwachsener eine Fremdsprache spricht. Und zwei Sprachen bringen sie nicht durcheinander, sondern sind beim Erlernen weiterer Sprachen nützlich.

Von Barbara Reye

Eigentlich kann ein Baby mit vier bis sechs Monaten noch kein Sprachgenie sein. In diesem Alter übt es in der Regel erst die Lautbildung, indem es vor sich hin brabbelt und plappert.

Säuglinge besitzen ein erstaunliches Sprachverständnis.

(Foto: dpa)

Doch nun hat die Psychologin Janet Werker von der University of British Columbia in Vancouver während der Jahrestagung der amerikanischen Wissenschaftsvereinigung AAAS in Washington eine Studie vorgestellt, die ein erstaunliches Sprachverständnis bei Säuglingen zeigt: Babys können demnach in diesem Alter bereits erkennen, ob ein Erwachsener eine Fremdsprache spricht.

Anhand der Saugrate an einem mit einem Messgerät verbundenen Schnuller konnte Werker zeigen, dass vier Monate alte Babys Muttersprache und Fremdsprache allein an den Mundbewegungen des Sprechers unterscheiden. Dazu zeigte die Psychologin den Säuglingen Videos mit abgestelltem Ton, auf denen jeweils die gleiche Person Texte in verschiedenen Sprachen vorlas.

An der Studie nahmen Säuglinge im Alter von vier, sechs und acht Monaten teil, die zweisprachig mit Spanisch und Katalanisch aufwachsen. Sie wurden mit Kindern verglichen, die von Geburt an nur eine der beiden Sprachen gehört haben.

Der Clou war, dass Zweisprachler beim Betrachten des tonlosen Videos nur durch das Lippenlesen sogar Englisch und Französisch voneinander unterscheiden konnten. Säuglinge, die nur mit einer Sprache aufwachsen, haben diese Fähigkeit zwar auch, jedoch nur in den ersten Monaten. Bereits im Alter von acht Monaten geht sie verloren.

"Diese Studie sowie Ergebnisse aus bisherigen Untersuchungen weisen darauf hin, dass bilinguale Kinder schon von Geburt an zwei Sprachen gut voneinander trennen können", sagte Werker. Es bringe sie keineswegs durcheinander, wie häufig behauptet werde, sondern sei beim Erlernen weiterer Sprachen nützlich.

Das Gehirn der Zweisprachler verarbeitet Sprache effizienter. Mit Hilfe bildgebender und elektrophysiologischer Verfahren ließ sich feststellen, dass bilinguale Personen für beide Sprachen das gleiche neuronale Netzwerk aus der Kindheit benutzen.

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